Hinweis

Diese Website verwendet Cookies
Ein Cookie ist eine kleine Textdatei, die dazu beiträgt, Ihren Besuch auf unserer Website zu verbessern. Mit dem Navigieren auf den Seiten dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu unseren Cookie-Richtlinien finden Sie in den Nutzungsbedingungen.

Für die Märtyrer unserer Sünden

· Messe in Santa Marta ·

Sich befreien von der Gefahr, »allzu sichere« Christen zu sein, das »Gespür für das, was Sünde ist« zu verlieren, wobei man sich von »einer übermächtigen anthropologischen« und weltlichen »Sicht der Dinge« umgarnen lässt, die es vermag, den Menschen davon zu überzeugen, dass er alles aus eigener Kraft zu vollbringen vermöge. Dies war die Aufforderung von Papst Franziskus, am Freitag Vormittag, 31. Januar, als er im Verlauf der Messe in der Kapelle des Hauses Santa Marta über die Bibelstelle sprach, an der von der Versuchung Davids die Rede ist. 

Dieser hatte sich in Batseba, die Frau seines treuen Soldaten Urija, verliebt, nahm sie zu sich und schickte ihren Mann in die Schlacht, wodurch er dessen Tod verursachte. Der Verlust des Gespürs für das, was Sünde ist, so sagte der Papst, sei das Zeichen dafür, wie sehr die Bedeutung des Reichs Gottes herabgewürdigt werde. Dies lasse vergessen, dass die Erlösung von Ihm komme »und nicht von den Listen« der Menschen.

Ausgehend von der Schriftlesung des Tages, drehte sich die Predigt des Papstes um das Reich Gottes. Die Lesung aus dem Markusevangelium (4, 26-34), so sagte der Papst, »berichtet uns über das Reich Gottes«, darüber, wie dieses wachse. In Wirklichkeit, so lese man in der Schrift, »weiß nicht einmal der Sämann«, auf welche Weise dies geschähe. An einer anderen Stelle, so erläuterte er dann, sage Jesus, dass es gerade Gott sei, der sein Reich in uns wachsen lasse. »Und dieses Wachstum«, so präzisierte er, »ist ein Geschenk Gottes, um das wir bitten müssen«. Und wir bäten jeden Tag darum, wenn wir »das Vaterunser beten: Dein Reich komme!« Eine Anrufung, so bemerkte er, die »besagen will: Dein Reich möge in uns, in der Gesellschaft wachsen. Das Reich Gottes möge wachsen!«

Aber »so wie es wächst«, so mahnte er, »so kann das Reich Gottes auch abnehmen«. Und »gerade hiervon« berichte uns »die erste Schriftlesung« aus dem 2. Buch Samuel (11,1-4a.5-10a.13-17), der Bericht über die Versuchung Davids. Um die Bibelstelle auszulegen, bezog sich Papst Franziskus auf die Schriftlesungen des Vortages, vor allem auf »das schöne Gebet Davids zum Herrn: das Gebet für sein Volk«. Da sei es »der König, der für sein Volk betet, es ist das Gebet eines Heiligen«. Aber »ein Jahr später«, so betonte er, »geschieht das, was wir vernommen haben« im 2. Buch Samuel: eben die Versuchung Davids. Und eben das sei es, was eine trotz kleiner Kriege um die Kontrolle über die Grenzgebiete insgesamt gesehen ziemlich ruhig verlaufende Herrschaft erschüttere. Auch »David ist ruhig«, er führe »ein ganz normales Leben«. Aber eines Tages »hält er nach dem Mittagessen ein Nickerchen; dann steht er auf, geht spazieren und sieht sich einer Versuchung ausgesetzt. Und David gibt der Versuchung nach«, als er Batseba sehe, die Frau des Urija.

»Uns allen«, so kommentierte der Papst, »kann das widerfahren«, denn »wir sind alle Sünder und wir alle sind Versuchungen ausgesetzt. Und die Versuchung ist unser alltägliches Brot«. So sehr, merkte er an, dass dann, »wenn einer von uns sagen würde: ich bin niemals versucht worden«, die korrekte Antwort lauten würde: »entweder bist du ein Cherubin, oder du bist ein wenig dumm!« Tatsächlich »ist dieser Kampf im Leben völlig normal: der Teufel gibt keine Ruhe, er will seinen Sieg«.

In Wirklichkeit, so präzisierte er, »ist das größte Problem bei dieser Bibelstelle nicht so sehr die Versuchung oder der Verstoß gegen das neunte Gebot; vielmehr ist es, wie David sich verhält«. Tatsächlich verliere er in dieser Lage das Bewusstsein für das, was Sünde sei und spreche schlicht und einfach von einem »Problem«, das es zu lösen gälte. Und diese Einstellung Davids »ist ein Zeichen«, denn »wenn das Reich Gottes abnimmt, dann ist eines der Anzeichen dafür die Tatsache, dass man das Gespür für das, was Sünde ist, verliert«. David, so erläuterte der Papst, begeht »eine große Sünde«, und doch »empfindet er sie nicht« als solche. Er kümmere sich nur darum, das Problem zu lösen –nach dieser Beziehung mit Batseba wird sie schwanger –, und er fragt sich: »Wie kann ich den Ehebruch vertuschen?«

So überlegt er sich eine Strategie und wollte sie so ausführen, dass Urija meinen solle, dass das Kind, das seine Frau erwarte, tatsächlich sein Sohn sei. Urija, so führte der Papst weiter aus, »war ein guter Israelit, er dachte an seine Leute und wollte nicht feiern, während das Heer Israels im Feld stand«. Aber David habe, nachdem er vergeblich versucht habe, ihn »durch ein Bankett, mit Wein« dazu zu überreden, als ein »entschlossener Mann, ein Mann, der das Herrschen gewohnt ist, die Entscheidung getroffen« und er schreibe einen Brief an Joab , den Feldhauptmann, und habe diesem befohlen, Urija an die Stelle der Schlacht zu schicken, wo die größte Gefahr herrsche, um so zu erreichen, dass dieser falle. »Und so ist es geschehen. Urija fällt. Und er fällt, weil er genau da aufgestellt worden war, damit er fallen sollte«: es handle sich um »einen Mord«.

Und doch »bleibt der König David, als er erfährt, wie die Geschichte ausgegangen ist, ganz ruhig und setzt sein Leben fort wie immer«. Der Grund dafür? David »hatte das Gespür für das, was Sünde ist, verloren, und in genau demselben Augenblick hat das Reich Gottes angefangen«, an seinem Horizont »unterzugehen«. Das beweise die Tatsache, dass David sich nicht »an Gott wendet«, dass er nicht sage: »Herr, sieh, was ich getan habe: was wollen wir tun?« In seinem Inneren gewinne vielmehr »diese übermächtige anthropologische Sicht der Dinge, die sagt: ich vermag alles!« die Überhand. Es sei das Verhalten der »Weltlichkeit«.

Dasselbe, so sagte der Papst, »kann auch uns zustoßen, wenn wir das Gespür für das Reich Gottes verlieren, und folglich auch das Gespür für die Sünde«. Und er berief sich in diesem Kontext auf die Worte Pius’ XII., der darauf verwiesen habe, dass »die größte Sünde heute (ist), dass die Menschen das Gespür für die Sünde verloren haben: alles ist möglich, wir lösen alles! Die Macht des Menschen anstelle der Herrlichkeit Gottes!«

Das sei eine Denkweise, so bemerkte der Papst, die »unser alltägliches Brot ist«. Daher müsse unser »alltägliches Gebet zu Gott« lauten: »Dein Reich komme! Dein Reich wachse!« Denn »das Heil erwächst nicht aus unseren Listen, aus unseren Schlauheiten, aus unserer Intelligenz beim Betreiben unserer Geschäfte«. Nein, »das Heil kommt aus göttlicher Gnade und aus dem alltäglichen Training, das wir mit dieser Gnade machen«, das heißt durch »das christliche Leben«.

Papst Franziskus zählte dann »die zahlreichen Protagonisten« auf, die an dieser Bibelstelle erwähnt würden: David, Batseba, Joab, aber auch »die Höflinge«, die David umgeben hätten und »alles wussten: ein wahrer Skandal, über den sie sich aber nicht aufregten«, denn auch sie hatten »das Gespür für die Sünde verloren«. Und schließlich sei da »der arme Urija, der die Rechnung für dieses Bankett bezahlt«.

Eben die Figur des Urija lag der abschließenden Reflexion des Heiligen Vaters zugrunde: »Ich gestehe euch, dass ich, wenn ich solche Ungerechtigkeiten, diese Hochmut des Menschen sehe« oder »wenn ich die Gefahr spüre, dass ich selbst« riskieren könne, »das Gespür für die Sünde zu verlieren«, so gab er zu, »denke, dass es gut tut, an die unzähligen Urijas der Geschichte zu denken, an die vielen Urijas, die auch heute noch unter unserer Mittelmäßigkeit als Christen leiden«. Eine Mittelmäßigkeit, die dann Überhand nehme, wenn »wir das Gespür für das verlieren, was Sünde ist und es zulassen, dass das Reich Gottes untergeht«.

Menschen wie Urija, so sagte er, »sind die nicht anerkannten Märtyrer unserer Sünden«. Deshalb, so fügte der Papst hinzu, »tut es uns heute gut, für uns selbst zu beten, dass der Herr uns stets die Gnade gewähren möge, nicht das Gespür für die Sünde zu verlieren und dafür, dass das Reich in uns nicht untergehe«. Und er schloss mit der Aufforderung, »diesen Urijas unserer Zeit, die die Rechnung fürs Bankett der Selbstsicheren bezahlen, die jener Christen, die sich sicher fühlen, auch eine geistliche Blume aufs Grab zu legen. Und die, ob absichtlich oder unabsichtlich, den Mord am Nächsten verursachen«.

Druckausgabe

 

LIVE

St. Peter’s Square

20. April 2018

VERWANDTE NACHRICHTEN