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Friede ist kein Ruhezustand

· Morgenmesse in Santa Marta am 16. Mai ·

Vor der Gefahr, sich von einem »ruhigen, künstlichen und betäubten Frieden« täuschen zu lassen – zusammen mit einem Schild »Bitte nicht stören« –, der typisch ist für die Welt und den sich ein jeder selbst fabrizieren kann, warnte Papst Franziskus in der Messe am Dienstag, 16. Mai, in Santa Marta. Und er legte erneut das wahre Wesen des Friedens dar, den hingegen Jesus uns schenkt: einen »wirklichen Frieden«, da dieser im Kreuz verankert und so in der Lage ist, durch die vielen alltäglichen Drangsale des Leben zu gehen, unter Leiden und Krankheiten. Doch ohne je einem Stoizismus zu verfallen oder sich anzustellen »wie die Fakire«. Und gerade dazu wollte Franziskus das ausdrucksstarke Denken des hl. Augustinus zitieren: »Das Leben des Christen ist ein Weg zwischen Verfolgungen seitens der Welt und Tröstungen seitens Gottes« (vgl. De civitate Dei XVIII, 51).

Für seine Betrachtungen ging der Papst vom Abschnitt aus dem Johannesevangelium aus (14,21-31a), wie ihn die Liturgie des Tages unterbreitet: »Jesus aß zu Abend mit seinen Jüngern, das letzte Abendmahl, und sagt zu ihnen: ›Meinen Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch‹«. Er »schenkt ihnen den Frieden«. Und er fügt auch hinzu: »Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht, denn ich gebe euch meinen Frieden.«

Auf diese Weise, erklärte Franziskus, »beginnt der Herr, von den seinen Abschied zu nehmen«, gerade »mit diesem Geschenk, mit dem Geschenk des Friedens«. Des weiteren »haben wir auch den Abschnitt aus der Apostelgeschichte (7,19-28) gehört«, der von »der Reise berichtet, die Paulus und Barnabas von Antiochia aus unternahmen, um dann wieder nach Antiochia zurückzukehren, und wir haben von den Dingen gehört, die sie erlitten«. Eine derartige Drangsal, dass die Frage, die der Papst stellte, gerade so lautete: »Das ist der Friede, den dir Jesus gibt?« Paulus und Barnabas nämlich »verkündeten in Lystra«; doch – so die Apostelgeschichte – von Antiochia und Ikonion kamen einige und überredeten die Volksmenge, dass das, was Paulus predigte, nicht wahr war«. Und sofort begab sich die Menge »auf die andere Seite: sie steinigten Paulus und schleiften ihn zur Stadt hinaus, in der Meinung, er sei tot«.

Nun, fragte sich der Papst: »Das also ist der Friede, den Jesus schenkt? Oder hatte Paulus den Frieden nicht empfangen?« Die Apostelgeschichte berichtet weiter: »›Als aber die Jünger ihn umringten, stand er auf‹, denn er war nicht tot, und er fuhr fort, das Evangelium zu verkünden«. Mit seinem Stil, so Franziskus, »hat er eine beachtliche Zahl von Jüngern gewonnen, und bevor er wegging, weihte er Priester, Presbyter, damit sie sich jener Leute annehmen«. Paulus also »setzte seine Arbeit fort«. Und angesichts von all dem wiederholte er: »Haltet treu am Glauben fest, denn durch viele Drangsale müssen wir in das Reich Gottes gelangen.«

Es gibt da also, bekräftigte der Papst, »einen Frieden inmitten aller Drangsale«. Und aus diesem Grund fügt Jesus, »als er dieses Geschenk gibt und zu den Jüngern sagt: ›Meinen Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch‹, hinzu: ›nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch‹«. Denn, so der Papst, »der Friede, den die Welt bietet, ist ein Friede ohne Drangsal: die Welt bietet einen künstlichen Frieden an, einen Frieden, der mehr Ruhe als Friede ist«. Als sagte man: »Bitte stört mich nicht: ich will meine Ruhe haben.«

Man könnte sagen, so Franziskus weiter, dass die Welt »einen Frieden bietet, der nur auf die eigenen Dinge blickt, auf die eigenen Sicherheiten, damit nichts fehlt«. Diesbezüglich verwies der Papst auf die »Gestalt des reichen Prassers, jenes Mannes, der in Frieden lebte, fröhlich, immer mit den Freunden, jedoch mit interessegeleiteten Freunde, da sie zu ihm gingen, weil man in jenem Haus gut aß und Feste feierte«. Und so »waren sie alle ruhig«, doch sie alle waren auch »verschlossen: sie blickten nicht weiter«.

»Die Welt lehrt uns den Weg des Friedens unter Betäubung«, so der Papst erneut. Und die Welt »betäubt uns, um nicht eine andere Wirklichkeit des Lebens sehen zu lassen: das Kreuz«. Aus diesem Grund »sagt Paulus: durch viele Drangsale müssen wir in das Reich Gottes gelangen«. Doch »kann man in der Drangsal Frieden haben«? »Unsererseits nein«, antwortete Franziskus, denn »wir sind nicht in der Lage, einen Frieden zu schaffen, der Ruhe ist, eine psychologische Ruhe, einen von uns geschaffenen Frieden, da die Drangsale gegeben sind: der eine hat einen Schmerz, der andere eine Krankheit, ein anderer einen Todesfall«

Dagegen »ist jener Friede, den Jesus gibt, ein Geschenk: er ist ein Geschenk des Heiligen Geistes«. Und »dieser Friede geht inmitten aller Drangsale und er geht voran: er ist nicht eine Art Stoizismus, das, was ein Fakir tut«. Er ist »etwas ganz anderes, er ist ein Geschenk, das vorangehen lässt«. Dies geht so weit, dass »Jesus, nachdem er dies gesagt hatte, zum Ölberg ging, denn er sagte ihnen: ›Ich werde nicht mehr lange mit euch reden, da der Fürst der Welt kommt‹«. Und nachdem er so zu ihnen gesprochen hatte, »ging er hin, um zu leiden, hin zur Versuchung: er bringt alles dem Willen des Vaters dar und leidet, doch der Tröstung Gottes ermangelt es nicht«. Denn im Evangelium ist zu lesen: »Es erschien ihm ein Engel vom Himmel, um ihn zu trösten« (»Da erschien ihm ein Engel vom Himmel und gab ihm (neue) Kraft«; Lk 22,43).

So wird klar, wie der Papst erklärte: »Der Friede Gottes ist ein realer Friede, der in die Wirklichkeit des Lebens dringt, der das Leben nicht verneint.« Denn »das Leben ist so: da ist das Leid, da sind die Kranken, da ist viel Hässliches, da sind die Kriege, doch jener Friede, der von Innen kommt, ist ein Geschenk, er geht nicht verloren, sondern man geht weiter und trägt das Kreuz und das Leid«. In dem Bewusstsein, dass »ein Friede ohne Kreuz nicht der Friede Jesu ist: das ist ein Friede, den man kaufen kann«. Vielleicht »können wir ihn fabrizieren, doch er ist nicht von Dauer: er endet.«

Indem der Papst seine Betrachtungen auf das Leben eines jeden richtete, erklärte er: »Wenn ich mich ärgere und den Frieden verliere, wenn mein Herz verstört und unruhig ist, dann deswegen, weil ich nicht für den Frieden Jesu offen bin; weil ich nicht fähig bin, das Leben zu nehmen, wie es kommt, mit den Kreuzen und Schmerzen, die sich einstellen: weil ich nicht fähig bin zu bitten: ›Herr, gib mir deinen Frieden.‹« Und das »ist eine schöne Gnade, um die heute zu bitten ist, wenn wir jenen Abschnitt Jesu und jenes Wort des Paulus hören: ›Durch viele Drangsale müssen wir in das Reich Gottes gelangen.‹« Daher die Einladung, um »die Gnade des Friedens« zu bitten, »um die Gnade, nicht jenen inneren Frieden zu verlieren«. Und so lautet das Gebet, zu dem der Papst am Ende riet: »Der Herr lasse uns erkennen, wie dieser Friede ist, den er uns mit dem Heiligen Geist schenkt.«

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16. Juli 2018

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