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Erinnerung und Hoffnung

· Messe in Santa Marta ·

Zwischen »Erinnerung und Hoffnung«: dort können wir »Jesus begegnen«. Und der Papst gab drei praktische Ratschläge, um keine »vergesslichen Christen« und damit unfähig zu sein, »dem Leben Salz« zu geben: sich an die ersten Begegnungen mit dem Herrn erinnern, an jene, die den Glauben weitergegeben haben – angefangen bei den Eltern und Großeltern – und an das Gesetz Gottes. Auf diese Hinweise, »zurückzugehen, um vorwärtszugehen«, konzentrierte sich der Papst bei der Messe in Santa Marta am Donnertags, 7. Juni. Dabei regte er auch eine Gewissenserforschung an.

Franziskus wies darauf hin, dass »Paulus in der ersten Lesung die Aufmerksamkeit des Timotheus auf das Gedächtnis lenkt: ›Mein Sohn, denke an Jesus Christus‹«. Und wieder in Bezug auf den zweiten Brief an Timotheus (2,8-15) machte der Papst auch darauf aufmerksam, dass der Apostel erneut schreibe: »Rufe ihnen das ins Gedächtnis«.

Kurz, Paulus »spricht die Mahnung aus«, dass »Timotheus in der Erinnerung zurückgehen soll, um Jesus Christus zu begegnen, und die Erinnerung, wie sie die Bibel unterbreitet, ist kein, wollen wir sagen, ein wenig romantischer Gedanke, als werde gesagt: ›die Vergangenheit war besser‹«. Nein, erklärte der Papst, »die Erinnerung ist ein Zurückgehen, um Kraft zu finden und vorwärtsgehen zu können«. Mehr noch, »die christliche Erinnerung ist immer eine Begegnung mit Jesus Christus«. Aus diesem Grund schreibe Paulus an Timotheus: »Denke an Jesus Christus, rufe ihnen das ins Gedächtnis«.

»Die christliche Erinnerung ist wie das Salz des Lebens: ohne Erinnerung können wir nicht vorwärtsgehen«, erklärte der Papst. Denn »wenn wir ›vergessliche‹ Christen finden, sehen wir sofort, dass sie den Geschmack des christlichen Lebens verloren haben und zu Menschen geworden sind, die die Gebote erfüllen, doch ohne die Mystik, ohne Jesus zu begegnen«. Dagegen »müssen wir Jesus Christus im Leben begegnen«.

»Mir sind drei Situationen in den Sinn gekommen, in denen wir Jesus begegnen können«, so der Papst: »In den ersten Augenblicken, wie ich sie nenne; in unseren Oberhäuptern, in unseren Vorfahren; und im Gesetz«.

»Erinnere dich an Jesus Christus in den ersten Momenten«: so laute also die erste Weisung. Und »der Brief an die Hebräer sei diesbezüglich klar: ›Erinnert euch an diese frühen Zeiten, nach eurer Bekehrung‹«, ein Moment, »da ihr so leidenschaftlich«, so begeistert wart.

Im Übrigen, so der Papst, »hat ein jeder von uns Zeiten der Begegnung mit Jesus«. Und »in unserem Leben gibt es einen, zwei, drei Momente, in denen sich Jesus genähert hat, in denen er sich offenbarte«. Und es sei wichtig, »diese Momente nicht zu vergessen: wir müssen zurückgehen und sie wieder aufgreifen, weil sie Momente der Inspiration sind, in denen wir Jesus Christus begegnen«. Aus dieser Perspektive nahm Franziskus erneut Bezug auf den Brief an die Hebräer: »Hefte die Augen, hefte den Blick auf Jesus Christus, den Schöpfer des Glaubens; ruft euch den ins Gedächtnis, der so Feindseligkeit erlitten hat«. Also, so die Aufforderung des Papstes, »immer an Jesus Christus denken, doch in den Momenten: jeder von uns hat Momente wie diese: als er Jesus Christus begegnete, als er sein Leben veränderte, als der Herr ihm seine Berufung zeigte, als der Herr ihn in einer schwierigen Zeit besuchte«.

Und »wir haben diese Momente in unserem Herzen: wir wollen sie suchen, wir wollen diese Momente betrachten«, so der Papst, der erneut mahnte, Erinnerung zu haben, »Erinnerung an jene Momente, in denen ich Jesus Christus getroffen habe, Erinnerung an jene Momente, in denen Jesus Christus mich getroffen hat«. Denn jene Momente »sind die Quelle des christlichen Wegs, die Quelle, die mir die Kraft geben wird«. Daher sei es wichtig, »immer zu jenen Momenten zurückzukehren, um Kraft zu schöpfen und voranzugehen«.

An diesem Punkt, so der Papst, »kann sich ein jeder fragen: erinnere ich mich an diese Momente der Begegnung mit Jesus, als sich mein Leben veränderte, als er mir etwas versprach?« Und »wenn wir uns nicht an sie erinnern, müssen wir sie suchen: jeder von uns hat solche Momente, suchen wir sie«.

Die zweite Situation für die »Begegnung mit Jesus« sei die »Erinnerung an unsere Vorfahren«. Und »der Brief an die Hebräer ist auch in dieser Hinsicht eindeutig: »Erinnert euch an eure Oberhäupter, an jene, die euch den Glauben gelehrt haben‹, an jene, die mir den Glauben weitergegeben haben«. Darüber hinaus komme Paulus im selben Brief der heutigen Lesung »etwas weiter vorne hierauf zurück und sagt zu Timotheus: ›Erinnere dich an deine Mutter und an deine Großmutter, die dir den Glauben weitergegeben haben‹«.

Der Apostel verweise praktisch auf »das Vorbild unserer Oberhäupter, unserer Wurzeln, auf jene, die uns den Glauben gegeben haben«. Denn »den Glauben haben wir nicht per Post erhalten«, sondern »Männer und Frauen haben uns den Glauben übermittelt«. So sei im Brief an die Hebräer weiter zu lesen: »Achtet auf sie, die eine Vielzahl von Zeugen sind, und schöpft aus ihnen Kraft, aus jenen, die das Martyrium erlitten haben, viele Dinge«.

Gewiss sei es möglich, fügte Franziskus hinzu, den Glauben auch von jenen zu empfangen, »die uns am nächsten stehen, wie Paulus hier dem Timotheus sagt: deine Mutter, deine Großmutter, jene, die uns den Glauben gegeben haben«. In dem Bewusstsein: »Immer wenn das Wasser des Lebens ein wenig trübe wird, ist es wichtig, zur Quelle zu gehen und in der Quelle die Kraft zu finden, um vorwärtszugehen«.

In diesem Sinn, so der Vorschlag des Papstes, »können wir uns fragen: verdränge ich die Erinnerung an unsere Oberhäupter, an meine Vorfahren? Bin ich ein Mann, eine Frau mit Wurzeln oder habe ich meine Wurzeln verloren? Lebe ich nur in der Gegenwart?« Wenn dem so wäre, sei es angemessen, »sofort um die Gnade zu bitten, zu den Wurzeln zurückzukehren, zu jenen Menschen, die uns den Glauben gegeben haben, die den Glauben an uns weitergegeben haben: ›erinnert euch an eure Vorfahren‹«.

»Der dritte Punkt, an den es sich zu erinnern gilt, ist das Gesetz«, erklärte Franziskus, der sich auf den Abschnitt aus dem Markusevangelium bezog (12,28-34): »Jesus ruft das Gesetz in Erinnerung« und wiederhole eindeutig, dass »das erste Gebot lautet: ›Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr‹«. Ja, »höre, Israel!« sei ein »Wort, das viele Male im Alten Testament wiederholt wird, im Deuteronomium, als das Volk ein wenig das Gedächtnis verloren hatte«, spreche der Herr: »Höre, Israel, nicht vergessen, Israel!« An diesem Punkt, erklärte der Papst, »ist jener Ausdruck für die Juden zu einem Gebet geworden: ›Höre, Israel!‹« Also: »sie wiederholen die Worte des Herrn: die Erinnerung an das Gesetz«. Und »das Gesetz ist eine Geste der Liebe, die der Herr an uns erwiesen hat, weil er uns den Weg gewiesen hat, er sagte uns: ›auf diese Weise wirst du nicht irren‹«.

Das also sei der Wert »der Erinnerung an das Gesetz: nicht an das kalte Gesetz, das einfach juridisch auftritt«. Vielmehr »das Gesetz der Liebe, das Gesetz, das der Herr in unser Herz gelegt hat«.

In diesem Sinn riet der Papst dazu, sich zu fragen: »Bin ich dem Gesetz treu, erinnere ich mich an das Gesetz, wiederhole ich das Gesetz?« Denn »manchmal haben wir Christen, sogar die Personen des geweihten Lebens, Schwierigkeiten, die Gebote auswendig zu wiederholen: ›Ja, ja, ich erinnere mich an sie‹, aber dann, an einem bestimmten Punkt, liege ich falsch, ich erinnere mich nicht«. Deshalb: »Erinnerung an das Gesetz, an das Gesetz der Liebe, das aber konkret ist«.

»Erinnere dich an Jesus Christus!«, wiederholte der Papst, der dazu einlud, »den Blick fest auf den Herrn gerichtet zu halten, in den Momenten meines Lebens, in denen ich dem Herrn begegnet bin, in den schwierigen Momenten, in den Momenten der Prüfung; in meinen Vorfahren und im Gesetz«. In der Gewissheit, dass »die Erinnerung nicht nur ein Zurückgehen ist«, sondern »ein Zurückgehen, um vorwärtszugehen«.

Denn, so Franziskus, »Erinnerung und Hoffnung gehören zusammen. Das christliche Gedächtnis gehört zur Hoffnung, und die Hoffnung gehört zum Gedächtnis«. Und so »sind sie komplementär und vervollständigen sich«. In diesem Bewusstsein erneuerte der Papst die Aufforderung: »Erinnere dich an Jesus Christus, den Herrn, der gekommen ist, der bezahlt hat für mich und der kommen wird, der Herr der Erinnerung, der Herr der Hoffnung«.

Zum Abschluss machte der Papst einen Vorschlag: »Ein jeder von uns kann sich heute ein paar Minuten nehmen, um sich zu fragen, wie es um die Erinnerung an die Momente steht, in denen ich dem Herrn begegnete; die Erinnerung an meine Vorfahren, die Erinnerung an das Gesetz«. Und jeder solle sich auch fragen, »wie es um meine Hoffnung steht, auf was ich hoffe. Möge der Herr uns bei diesem Werk der Erinnerung und Hoffnung helfen«.

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