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​Einheit in der Verschiedenheit: Zwischen Träumen und Hoffnungen eröffnet der Papst den Weltjugendtag

Land of hopes and dreams, so singt ein großer Vertreter der Rockmusik, »Land der Hoffnungen und Träume«. So könnte auch die Ouvertüre überschrieben werden, die Eröffnungsansprache, mit der der Papst diese fünf Tage in Panama aus Anlass des 34. Weltjugendtages eingeleitet hat: die im Palacio Bolívar, dem Sitz des Außenministeriums, gehaltene traditionelle Ansprache an die Vertreter des öffentlichen Lebens und der Zivilgesellschaft und das Diplomatische Korps. Und dieser Anfang steht gerade unter dem Vorzeichen Simón Bolívars, der, wie der Papst erinnert, »einst bemerkte: ›Wenn die Welt ihre Hauptstadt zu wählen hätte, wäre der Isthmus von Panama für diese hehre Bestimmung angezeigt‹ und die Führer seiner Zeit zusammenrief, um den Traum der Vereinigung des ›Großen Vaterlandes‹ zu entwerfen.« Der Schauplatz dieser großen Zusammenkunft (ein Wort, das gerade soviel wie »Zusammenrufen« bedeutet): das ist die erste Charakteristik Panamas, die dem Papst, dem obersten Hirten der Gesamtkirche, am Herzen liegt, ein Aspekt, bei dem Franziskus einhält: »Jene Zusammenkunft hilft uns zu verstehen, dass unsere Völker fähig sind, ein großes Vaterland zu schaffen, zu formen und vor allem zu erträumen, das in der Lage ist, den multikulturellen Reichtum jedes Volkes und jeder Kultur aufzunehmen, zu achten und zu umfassen. Wenn wir dieser Anregung folgen, können wir Panama als ein Land der Zusammenkunft und als ein Land des Traumes betrachten.«

Bereits im Jahr 1983 war der heilige Johannes Paul II. hierhergekommen, wenn auch nur für einen Tag, heute hingegen wird Panama für ganze fünf Tage zum Mittelpunkt der Welt, wie der Strom von Menschenmassen in Festtagslaune hinlänglich demonstriert hat, der die gesamte Reise des Papamobils vom Flughafen bis zum Sitz der Nuntiatur begleitet hat.

»In diesen Tagen«, so sagte der Papst, »wird man an Panama nicht nur als regionales Zentrum oder strategischen Punkt für den Handel und den Personenverkehr denken; es wird sich in einen »Hub« der Hoffnung verwandeln. An diesem Treffpunkt werden Jugendliche aus allen fünf Kontinenten voller Träume und Hoffnungen feiern, einander begegnen, beten sowie den Wunsch und ihr Engagement erneuern, eine menschlichere Welt aufzubauen.« »Menschlicher« heißt für Bergoglio soviel wie verschieden von jener Welt, die dominiert wird von »völlig kurzsichtigen Ansichten […], die – beeinflusst von Resignation oder Gier oder im technokratischen Paradigma gefangen – meinen, dass der einzig gangbare Weg über die ›Kriterien der Konkurrenzfähigkeit‹, der Spekulation und das ›Gesetz des Stärkeren‹« führe. »Eine andere Welt ist möglich«, so bekräftigte der Papst mit Nachdruck, eine Welt, in der der Mensch es noch fertigbringt, »mit einem neuen Blick des Respekts und des Mitgefühls für die anderen« voranzuschreiten. Dieses Wort, Mitgefühl, klang im Gedächtnis der anwesenden Journalisten nach, die erst gestern die aufrichtige Betroffenheit des Papstes hatten sehen und fühlen können, der im Flugzeug an den unlängst verstorbenen Journalisten Alexei Bukalov von der Tass erinnert und für ihn gebetet hatte.

Was auf dem Papier die »kühlste« Ansprache hätte sein sollen, entpuppte sich stattdessen als eine höchst eindringliche, stellenweise gar lyrische Rede, so etwa an ihrem Ende, wo der Papst einige Verse des panamesischen Nationaldichters Ricardo Miró zitierte, der, als er sein heißgeliebtes Vaterland besang, sagte: »Bei deinem Anblick, o Vaterland, könnte man sagen, / Gottes Wille habe dich geschaffen, / damit unter der Sonne, die dich bescheint, / die gesamte Menschheit auf dir sich vereine« (Patria de mis amores). Einheit, Hoffnung, Traum: das sind die drei Eröffnungsnoten dieses Weltjugendtags, der nun damit beginnen kann, seine Stimme erklingen zu lassen.

Andrea Monda

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6. Dezember 2019

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