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Eine wunderschöne Überraschung

· Messe in Santa Marta ·

Das Kirchenjahr beginnt, und mit ihm auch die Adventszeit, ein liturgischer Weg und Lebensweg für jeden Christen, der zur »Begegnung« [incontro] mit Jesus berufen ist. Und genau dieses Wort – »Begegnung« bzw. »entgegen« – ist das Leitwort, unter dem die Predigt stand, die Papst Franziskus in der Messe hielt, die er am Montag, 28. November, in Santa Marta feierte.

In der Liturgie des ersten Adventssonntags, so erinnerte der Papst zunächst, »hat die Kirche folgendermaßen gebetet: ››Herr, unser Gott, hilf uns, dass wir auf dem Weg der Gerechtigkeit Christus entgegengehen und uns durch Taten der Liebe auf seine Ankunft vorbereiten, damit wir den Platz zu seiner Rechten erhalten, wenn er wiederkommt in Herrlichkeit.‹«. Es sei die Bitte »an den Vater, in uns den Wunsch zu wecken, Jesus entgegenzugehen, seinem Sohn entgegen«. Und in der Tat sei das »die Gnade, die wir uns im Advent erhoffen und um die wir bitten: den Wunsch zu verspüren, Jesus zu begegnen« und folglich »hinzugehen und zur Begegnung mit ihm zu gehen«.

Dies sei eine Zeit, so betonte der Papst, die sich durch »zahlreiche Begegnungen« auszeichne: jene »Jesu mit seiner Mutter im Mutterleib«, jene »im Mutterleib mit dem heiligen Johannes dem Täufer« und dann auch die »mit den Hirten« und »mit den Weisen«, bis schließlich zu der – nicht »liturgisch«, sondern »symbolisch gesehen« – abschließenden Begegnung »Jesu mit seinem Volk am 2. Februar, als Jesus im Alter von 40 Tagen im Tempel dargebracht wird«. Und »wir hoffen, ihm zu begegnen«, so fügte Franziskus hinzu und erinnerte daran, dass »gestern auf dem Petersplatz bereits der Baum stand. Ein Zeichen. Aber ein Zeichen, das uns sagt: ›Pass auf: Du wirst dem Herrn begegnen!‹« Und tatsächlich laute der Ruf vor dem Evangelium, der sich an die Erste Lesung anschließe: »Wir gehen freudig zur Begegnung mit dem Herrn.«

Folglich, so fasste der Papst zusammen, sei die Aufforderung an alle immer noch jene, um »die Gnade« zu bitten, Christus »entgegenzugehen«. Dies, so ergänzte er, sei »eine Zeit, in der man nicht stehenbleiben darf. Unser Herz muss sich fragen: ›Aber wie soll ich dem Herrn entgegengehen? Wie soll ich mich verhalten, um dem Herrn begegnen zu können? Wie soll ich mein Herz darauf vorbereiten, dem Herrn zu begegnen?«

In der Liturgie zum Tage könne man auch eine Antwort auf diese Fragen finden: in der Tat zeige das Tagesgebet drei Verhaltensweisen an: ›bereit, zu wachen und zu beten‹, ›eifrig in der Liebe‹ und ››voll Freude‹ beim Lobpreis«. Das heiße, so erläuterte der Papst, »ich muss beten, muss wach sein; ich muss eifrig sein in den Werken der Nächstenliebe» und »Freude daran haben, den Herrn zu preisen«.

Was nun die Nächstenliebe betrifft, so hielt Franziskus inne, um zu klären, dass von »brüderlicher Liebe« die Rede sei: es gehe also darum, »nicht nur Almosen zu geben, sondern auch jene Leute zu ertragen, die mir auf den Geist gehen, zuhause die Kinder zu ertragen, die zu laut werden, oder den Gatten bzw. die Gattin zu ertragen, wenn wir Probleme haben, ebenso auch die Schwiegermutter«. Kurz, es handle sich um eine »Nächstenliebe, die eine Anstrengung erfordert«. Und er schloss: »Gerade so sollen wir diesen Weg erleben, diesen Wunsch, dem Herrn zu begegnen. Um ihm gut zu begegnen. Nicht stillzustehen. Und wir werden dem Herrn begegnen«.

Aber im Augenblick der Begegnung, so fuhr der Papst fort, »wird es eine Überraschung geben, denn er ist der Herr der Überraschungen«. Während er an das liturgische Gebet erinnerte, das auf »deinen Sohn, dessen Kommen bevorsteht« anspiele, merkte der Papst in der Tat an, dass »auch er nicht stillsteht: Er kommt. Ich bin auf dem Weg zu Begegnung mit ihm, und er ist auf dem Weg, mir zu begegnen, und wenn wir uns treffen, dann sehen wir, dass die große Überraschung darin besteht, dass er mich bereits sucht, noch bevor ich angefangen habe, ihn zu suchen«. Gerade das sei »die große Überraschung der Begegnung mit dem Herrn. Er hat uns bereits als erster gesucht.« Es sei wahr, dass »unser Weg wichtig ist«, aber »er ist stets der erste. Er geht seinen Weg, um uns zu finden«.

Im Übrigen »ist das die Überraschung, die auch der römische Hauptmann erlebt hat«. Franziskus erinnerte stichwortartig an die Begebenheit: »Er war kein Jude, und als er seinen Leuten gesagt hat, dass er zu diesem Propheten gehen würde, zu diesem Wunderheiler, um die Gnade zu erbitten, hätte jemand zu ihm gesagt: ›Nein, es ist besser, du hast nichts mit den Juden zu tun, wer weiß, du könntest Probleme mit deinen Vorgesetzten bekommen…‹, und was mag er sonst noch zu hören bekommen haben!« Trotzdem habe der Hauptmann »Mut gefasst« und sei dem Herrn entgegengegangen. Und »die große Überraschung war, dass der Herr zu ihm gehen wollte: ›Ich komme, um ihn zu heilen‹. Das lasse uns verstehen, dass »der Herr immer noch mehr tut, dass er sich als erster in Bewegung setzt. Wir tun einen Schritt, und er tut zehn. Immer«.

Es sei die Erfahrung der »Fülle seiner Gnade, seiner Liebe, seiner Zärtlichkeit, die es nie müde wird, dich zu suchen«. Eine Erfahrung, so erläuterte der Papst, die wir »mitunter auch bei kleinen Dingen« machten: »Wir denken, dass die Begegnung mit dem Herrn etwas Herrliches sei«, und verhielten uns wie der Aramäer Naaman in der biblischen Geschichte: »auch er hat eine große Überraschung erlebt, was Gottes Vorgehensweise anbelangt«.

»Unser Gott«, so sagte Franziskus, »ist der Gott der Überraschungen, der Gott, der uns sucht, der uns erwartet, und von uns nur den kleinen Schritt erwartet, der guten Willen signalisiert«. Daher beteten wir: »O Gott, unser Vater, wecke uns den Wunsch, uns aufzumachen«, denn dem Herrn »genüge« diese Absicht. Das treffe auf jeden einzelnen Aspekt »unseres Lebens« zu. Jemand könnte zum Beispiel sagen: »Ach, ich trage diese Sünde seit Jahren mit mir herum, diese Sünde, die mich quält, so ist mein Leben, dieses Detail meines Lebens habe ich nie jemandem erzählt, es ist eine Wunde, die ich mit mir herumtrage, aber ich wünschte…«; aber bereits dieses »ich wünschte« »reicht« dem Herrn aus.

Tatsächlich »gewährt er die Gnade, dass ich im rechten Augenblick komme, um Vergebung zu erbitten«. Aber »der Wunsch dazu ist der erste Schritt«. Und Gottes Hilfe »wird uns unser ganzes Leben lang begleiten«. Tatsächlich, so erläuterte der Papst, sehe uns der Herr »viele Male uns von ihm entfernen, und er erwarte uns »wie der Vater des verlorenen Sohnes«.

Grundlegend sei also »die Begegnung«. In diesem Zusammenhang fügte der Papst hinzu: »Das, was Papst Benedikt gesagt hat, hat mich immer betroffen gemacht: dass der Glaube keine Theorie, keine Philosophie, keine Idee ist: er ist vielmehr eine Begegnung. Eine Begegnung mit Jesus«. Das heiße: »du kannst das Glaubensbekenntnis auswendig aufsagen, aber trotzdem keinen Glauben haben, wenn du Jesus nicht begegnet bist, wenn du seiner Barmherzigkeit nicht begegnet bist«. Tatsächlich »wussten die Schriftgelehrten alles, wirklich alles über die Dogmatik jener Zeit, alles über die Moral jener Zeit, alles«, aber »sie hatten keinen Glauben, da ihre Herzen sich von Gott entfernt hatten«. Alles hänge von dieser Dynamik ab: »Sich entfernen, oder den Wunsch hegen, ihm entgegenzugehen«. Und genau das, schloss der Papst, sei »die Gnade, um die wir heute bitten. ›O Gott, unser Vater, wecke in uns den Wunsch, deinem Christus entgegenzugehen‹, mit ›Wachsamkeit im Gebet, Eifer bei der Nächstenliebe und voller Jubel beim Lobpreis«. Wenn wir uns so verhielten, »dann begegnen wir dem Herrn und erleben eine wunderschöne Überraschung«.

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12. Dezember 2019

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