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Eine kosmetische Spiritualität

· Messe in Santa Marta ·

»Jesus verurteilt Menschen mit guten Manieren, aber schlechten Gewohnheiten«, denn es sei eines, »gut und schön zu erscheinen«, ein anderes aber sei die innere Wahrheit. Analog dazu nütze es nichts, sich ausschließlich an den Buchstaben des Gesetzes zu klammern, denn »das Gesetz allein rettet nicht. Das Gesetz rettet dann, wenn es dich zum Quell des Heils führt.« Papst Franziskus forderte während der Frühmesse, die er am Dienstag, 14. Oktober, in der Kapelle von Santa Marta feierte, jedermann dazu auf, sich einer »Gewissensprüfung darüber zu unterziehen, welcher Art sein Glaube sei.«

In seinen Ausführungen über die Schriftlesung zum Tage aus dem Lukasevangelium (11,37-41) erläuterte der Papst das Verhalten Jesu dem Pharisäer gegenüber, der Anstoß daran genommen hatte, dass der Herr vor dem Essen nicht die üblichen Waschungen vorgenommen hatte. Die Antwort Christi sei streng ausgefallen: »Ihr legt zwar großen Wert auf die Äußerlichkeit, auf den Anschein, innen aber seid ihr voll Raubgier und Bosheit.« Dies seien Worte, die mit denen jener Parallelstelle bei Matthäus übereinstimmten, wo von »Schmutz und Verwesung« die Rede ist und wo die Pharisäer mit »weiß angestrichenen Gräbern« verglichen werden, die »innen aber voll Knochen, Schmutz und Verwesung« seien. Der Papst betonte, dass Jesus die Gewissheit der Pharisäer strikt verdamme, mit der sie »auf die Erfüllung des Gesetzes« vertrauten, dass er »diese Spiritualität der Kosmetik« verurteile.

Dies beziehe sich auf Leute, »denen es gefiel, auf den Plätzen einherzugehen«, sich beim Beten sehen zu lassen und sich mit den Zeichen des Fastens zu schminken. »Warum verhält sich der Herr so?«, fragte sich Franziskus, wobei er betonte, dass sich das Evangelium für die Verhaltensweise der Pharisäer zweier Worte bediene, die zwar untereinander verschieden, aber doch miteinander verbunden seien: »Raubgier und Bosheit«. Und er erläuterte, dass diese Bosheit »eng mit dem Geld zusammenhängt«.

Im Übrigen, so sagte der Papst, indem er eine kurze Episode einfließen ließ, »habe ich einmal einen alten Prediger für geistliche Übungen gehört, der sagte: ›Aber, wie stellt es die Sünde an, in die Seele einzudringen? Nun, es ist ganz einfach: Durch die Taschen…‹.« Im Grunde sei gerade das Geld »die Türe«, durch die die Verderbnis in das Herz Einzug halte. Daher verstehe man den Grund dafür, weshalb Jesus bekräftige: »Gebt lieber das, was in euch ist, den Armen.«

»Das Almosen«, so erläuterte Franziskus, »ist in der biblischen Tradition, sowohl im Alten wie im Neuen Testament, stets ein Prüfstein für die Gerechtigkeit gewesen. Ein gerechter Mann, eine gerechte Frau wurde immer mit dem Almosen in Verbindung gebracht«: denn im Almosen teile man das, was man habe, mit den anderen, man gebe das, was ein jeder »in sich hat«.

Damit kehre das Thema des äußeren Scheins und der inneren Wahrheit wieder. Die Pharisäer, von denen Jesus spreche, »hielten sich für gut, weil sie all das erfüllten, was das Gesetz zu tun gebot.« Aber das Gesetz »allein rettet noch nicht«. Das Gesetz rette dann, »wenn es dich zum Quell des Heils führt, wenn es dein Herz darauf vorbereitet, das wahre Heil zu empfangen, das aus dem Glauben kommt.«

Der Papst klärte darüber auf, dass dies dieselbe Vorstellung sei, die der ersten Schriftlesung entnommen werden könne, die dem Brief entstammte, in dem der heilige Paulus mit den Galatern (5,1-6) darüber diskutierte habe, warum diese, »die sehr am Gesetz hingen, Angst vor dem Glauben hatten und zu den Vorschriften des Gesetzes zurückgekehrt waren«, die die Beschneidung betrafen. Worte, die auch gut zu unserer Alltagswirklichkeit passten, weil der Glaube, so betonte der Bischof von Rom, »nicht nur darin besteht, das Glaubensbekenntnis herzusagen: wie alle glauben an den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist, ans ewige Leben…« Aber wenn unser Glaube »unbeweglich« sei und »nicht wirksam«, dann »dient er zu nichts«.

Das, was in Jesus Christus von Wert sei, sei also »der Glaube, der in der Liebe wirksam wird«. Und damit komme man auf das Thema des Almosens zurück. Almosen verstanden »im weitesten Sinn des Wortes« also »der Abkehr von der Diktatur des Geldes, der Vergötterung des Geldes«, weil »jede Form von Habsucht und von Jesus Christus entfernt.«

Wer Almosen gebe und dazu »die Trompete blasen« lasse, damit alle darüber Bescheid wüssten, »ist kein Christ«. Es sei vielmehr, so betonte Franziskus, eine »pharisäische, heuchlerische« Verhaltensweise. Und um diese Vorstellung besser verständlich zu machen, erzählte der Papst eine Begebenheit, die einmal P. Pedro Arrupe widerfahren sei, der von 1965 bis 1983 der General der Gesellschaft Jesu war. Zu der Zeit, als dieser »Missionar in Japan war«, auf einer Reise, die er unternommen hatte, um Spenden für seine Mission zu sammeln, habe er die Einladung einer großen Dame erhalten, die eine Spende hätte machen wollen. Diese Dame habe ihn nicht privat empfangen, sondern sie habe ihm den Spendenumschlag vor »Journalisten, die Fotos machten« gegeben. Dadurch habe sie »die Trompete blasen lassen.«

P. Arrupe, so erinnerte der Papst, habe erzählt, dass er da »eine große Demütigung erlitten« habe und dass er sie nur zum Wohl der »Armen in Japan, für die Mission« ertragen habe. Als er nach Hause zurückgekehrt sei, habe er den Umschlag geöffnet und entdeckt, dass er »zehn Dollar enthalten« habe. Wenn sich das Herz nicht ändere, so kommentierte Papst Franziskus, dann zähle der Anschein rein gar nichts. Und er schloss seine Predigt mit den Worten: Heute wird es uns gut tun, darüber nachzudenken, wie mein Glaube geartet ist, wie mein christliches Leben geartet ist: ist es ein christliches Leben voller Kosmetik, des Anscheins, oder ist es ein christliches Leben des wirksamen Glaubens in der Barmherzigkeit?« Ein jeder könne sich »vor Gott« einer Gewissensprüfung unterziehen. Und »es wird uns gut tun, es zu tun.«

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19. September 2019

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