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Eine Kaserne in der U-Bahn

· Wichtige archäologische Entdeckung in Rom ·

Beim Bau der Linie C der römischen U-Bahn ist in der Gegend der künftigen Haltestelle Amba Aradam in neun Metern Tiefe ein antikes Gebäude entdeckt worden. Die Archäologen haben es als eine große Kaserne identifiziert, die einst im dichtbevölkerten Lateranviertel lag. Nach Auskunft von Francesco Prosperetti, Leiter des für archäologische Funde zuständigen römischen Amtes für Denkmalpflege, wies die monumentale Anlage im 2. Jahrhundert n. Chr. einen architektonischen Grundriss auf, der an die dreißig Räume umfasste. Diese waren entlang einem zentralen, über hundert Meter langen Korridor angeordnet. Diese Räume, bei denen es sich entweder um Unterkünfte für Soldaten oder aber um Räume und Infrastrukturen gehandelt haben dürfte, die dem militärischen Drill und der Ausbildung der Soldaten dienten, weisen recht bedeutende Fußbodenmosaiken und Wandmalereien auf. 

Die Anlage scheint also konsequent der augusteischen Heeresreform zu entsprechen, durch die drei ständig in der Urbs stationierte Kohorten (die Stadtwachen) sowie das exklusive Korps der kaiserlichen Garde, die Prätorianer, gegründet wurden. Igino Gromatico zufolge bestanden die Castra praetoria aus einem Militärlager, das die Kommandozentrale – eben das praetorium – umgab. Fächerförmig um sie herum angeordnet waren Kasernen, Waffenkammern, Magazine und Lazarette, ebenso das Amt des Zahlmeisters, die sacella (kleine Heiligtümer bzw. Kapellen) sowie die Tempel, die den Gottheiten des römischen pantheon geweiht waren. Mit der Zeit, vor allem aber in den Jahren 20-23 n. Chr., reorganisierte Kaiser Tiberius – unter dem Einfluss des Prätorianerpräfekten Seianus – die Kohorten, ursprünglich Einheiten, die 1000 Mann umfassten. Diese wurden nun so mächtig, dass es ihnen gelang, die Wahl bzw. Ermordung des Kaisers zu beeinflussen. Im Verlauf des 3. Jahrhunderts führte dies dann zur militärischen Anarchie (dem Soldatenkaisertum) und zu einer ganzen Reihe von aus den Rängen des Militärs aufgestiegenen Kaisern, so etwa Philippus Arabs, Maximinus Thrax und Balbinus.

Diese wichtige archäologische Entdeckung bereichert ein bereits überaus bedeutsames Areal, insofern sie sich zu weiteren Kasernen gesellt, die sich auf den Hängen des Caelius-Hügels konzentrierten. Dort befanden sich ja auch die Castra Peregrina und die Castra Nova, die unter der Basilika Santo Stefano Rotondo beziehungsweise unter der Lateranbasilika lagen. Der letztgenannten Kaserne – eben den sogenannten Castra Nova – wurde ein trauriges Schicksal zuteil, da die equites singulares, die berittene Leibgarde des Kaisers, die in dieser Kaserne ihr Hauptquartier hatte, im Anschluss an die blutige Schlacht an der Milvischen Brücke von Kaiser Konstantin aufgelöst wurden, weil sie sich auf die Seite des Kaisers Maxentius geschlagen hatten.

Nach der vollständigen Schleifung ihrer Castra ließ der Kaiser auf dem Gelände, wo sie gestanden hatten, den Bischofssitz der Urbs errichten, zu dem auch eine riesige, fünfschiffige Kathedrale und ein großes Baptisterium gehörten. Gleichzeitig wurde auch der Friedhof der berittenen Elitetruppe am dritten Meilenstein der Via Labicana an dem ad duas lauros genannten Ort aufgelöst, wo eine christliche Katakombe angesiedelt und dann das kreisförmige Märtyrerheiligtum der heiligen Marcellinus und Petrus errichtet wurde. An dieses Gebäude wurde das Mausoleum angebaut, in dem Konstantins Mutter Helena beigesetzt wurde.

In den Castra Peregrina hingegen waren die Soldaten der Provinzheere untergebracht, wenn sie vorübergehend in Rom eingesetzt wurden: so etwa die speculatores (Späher) und die frumentarii (Geheimpolizei), die mit Spionage bzw. mit der inneren Sicherheit befasst waren. Ihre Kaserne, die in der zweiten augusteischen Verwaltungsregion der Stadt lag, befand sich in unmittelbarer Nähe eines Mithraeums, also eines Ortes, an dem die Sonnengottheit verehrt wurde, die gerade bei den Soldaten besonders beliebt war, die diesen Kult aus den Ostprovinzen des Reiches nach Rom gebracht hatten. Tatsächlich verdanken wir den römischen Soldaten, die am Limes stationiert waren, die Ausbreitung neuer Religionen, die in den fernsten römischen Provinzen beheimatet waren. So wird vermutet, dass auch das Christentum zum Teil durch die Verlegung von Truppen römischer Soldaten nach Italien gekommen ist.

Aber um wieder auf die soeben wiederentdeckte Kaserne zurückzukommen, so scheint das Projekt, wie der archäologische Fund aufgewertet und wie die gesamte Anlage der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll, hochinteressant. Diese Entscheidung, die bereits vor langer Zeit getroffen wurde, als im Untergrund des Hauptbahnhofs Termini und der Zugänge zu den Metrohaltestellen einige Abschnitte der Servianischen Mauer so integriert wurden, dass sie weiterhin betrachtet werden können, entspricht perfekt dem modernen Verständnis einer »Ruine«: sie lädt in einem Zwiegespräch mit der Eile bzw. mit dem hektischen Rhythmus der Besucher dieser »unterirdischen Stadt« dazu ein, in Gedanken bei der Geschichte dieser Metropole einzuhalten, die »Schicht auf Schicht« errichtet wurde und uns eine unendliche Geschichte erzählt, die niemals stillsteht oder ins Stocken kommt.

Fabrizio Bisconti

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21. Januar 2018

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