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Ein kleines Modell der Kirche

Die Römische Kurie und der Leib Christi: eindrücklich und anspruchsvoll – schon beim originellen Titel angefangen – ist die Ansprache des Papstes an alle Kardinäle und die engsten Mitarbeiter, dessen Lektüre er auch den Vatikanangestellten ans Herz legte, die er gleich anschließend traf. Zwei Ansprachen, die also zusammen und im Licht des Geheimnisses der Menschwerdung des Herrn gelesen werden müssen, der in seiner Armut die Menschen »die Macht der Demut« lehrt, wie Franziskus sagte.

Es handelt sich also um eine einzige Meditation, die der Nachfolger Petri gehalten hat, um zur Vorbereitung auf Weihnachten zu »einer echten Gewissenserforschung« anzuregen und diese zu unterstützen, und das in Auseinandersetzung mit dem in der Heiligen Schrift und bei den Kirchenvätern verankerten Bild der Kirche als mystischer Leib Christi, wie das die Enzyklika Mystici corporis von Pius XII. und die Konzilskonstitution Lumen gentium unterstreichen, die der Papst wörtlich zitiert.

In dieser anspruchsvollen Auseinandersetzung sieht Franziskus die Kurie als »ein kleines Modell der Kirche«, die sich täglich erneuern muss, weil sie ein komplexer, aber geordneter Leib ist: »für ein wirksames, konstruktives, diszipliniertes und beispielhaftes Funktionieren«. Die Ansprache, die Paul VI. am 21. September 1963 an die Kurie gehalten hat, kommt einem dabei in den Sinn: »Von überallher blickt man auf das katholische Rom, auf das römische Pontifikat, auf die Römische Kurie. Wirklich christlich zu sein, das ist hier in höchstem Grade verpflichtend. Wir würden euch nicht an diese Pflicht erinnern, wenn wir sie uns selbst nicht täglich vor Augen halten würden. Alles in Rom macht Schule: der Buchstabe und der Geist. Wie man denkt, wie man studiert, wie man spricht, wie man empfindet, wie man handelt, wie man leidet, wie man betet, wie man dient, wie man liebt: jeder Moment, jeder Aspekt unseres Lebens hat eine Ausstrahlung in unserer Umgebung, die wohltuend sein kann, wenn sie dem treu ist, was Christus von uns will, und schädlich, wenn sie dem untreu ist.«

Der Ansprache von Montini, der in der Kurie etwa dreißig Jahre lang Dienst getan hatte, folgte vier Jahre später die in der Apostolischen Konstitution Regimini ecclesiae universae entworfene Reform, die mit geduldiger Ausdauer verfolgt wurde. Die Erneuerung aber muss beständig sein: »ecclesia semper reformanda«, ein altes Prinzip, an das zu Beginn von Pastor bonus erinnert wird. »Die Kurie ist aufgerufen, sich zu verbessern, immer besser zu werden«, fasste Franziskus zusammen, der dann – älteste monastische Tradition aufgreifend – einen regelrechten, teilweise geißelnden Katalog von fünfzehn »kurialen Krankheiten« vorstellte, die aber natürlich »eine Gefahr sind für jeden Christen und für jede Kurie, Gemeinschaft, Kongregation, Pfarrei, kirchliche Bewegung«.

Erneut hat der Papst auf die Seele der Kirche verwiesen, die er seit den ersten Stunden seines Pontifikats unterstreicht: den Heiligen Geist, der Leben schenkt, der die Macht hat, jede Krankheit zu heilen und der Harmonie bewirkt. Deshalb müsse man beten und tätig sein, damit Kirche und Kurie »gesund und gesund machend, heilig und heilig machend« sind. In der Bitte um Vergebung, die der Papst vor den Vatikanangestellten erneut ausgesprochen hat, »für die Fehler, meine und die der Mitarbeiter, und auch für einige Skandale, die sehr weh tun«. Denn die Römische Kurie hat gegenüber der ganzen Kirche eine besondere Pflicht der Beispielhaftigkeit.

g.m.v.

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10. Dezember 2019

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