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Ein Handbuch, um Frieden zu schaffen

· ​Messe in Santa Marta ·

In der bescheidenen Art der Handwerker »in Frieden leben in unserer Seele, zu Hause in der Familie, in der Schule, bei der Arbeit, im Stadtviertel«: das ist die praktische Verpflichtung für den Advent – ein wahres Handbuch, um im Alltag Frieden zu schaffen, verbunden mit einer Gewissenserforschung für alle, auch für Kinder: so lautete die Anregung von Papst Franziskus bei der Messe in Santa Marta am Dienstag, 4. Dezember.

Für diese Betrachtung über den Frieden wies der Papst sofort darauf hin, dass in der ersten Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja (11, 1-10) »eine Verheißung gegeben wird, eine Verheißung der Zeiten, wenn der Herr kommen wird: das Volk wartete auf das Kommen des Heilands, des Befreiers, des Herrn«, erklärte er, »und der Prophet sagt, wie die Zeit sein wird, wenn er kommt«. Und »er sagt, dass alles in Frieden sein wird, der Herr wird Frieden schaffen«.

Der Prophet, so Franziskus, »beschreibt diesen Frieden mit Bildern, die ein wenig bukolisch wirken, aber schön sind: so viel Friede wird es geben, dass ›der Wolf Schutz beim Lamm findet, der Panther beim Böcklein liegt. Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Junge leitet sie. Kuh und Bärin nähren sich zusammen, ihre Jungen liegen beieinander. Der Löwe frisst Stroh wie das Rind. Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter und zur Höhle der Schlange streckt das Kind seine Hand aus. Man tut nichts Böses und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg‹«.

Angesichts dieses Textes fragte sich der Papst, ob dies »möglich sein wird«. In der Tat »will Jesaja sagen, dass der Frieden des Herrn das Leben verwandeln kann, die Geschichte verwandeln kann, und Jesus wird gerade Fürst des Friedens genannt, weil er kommt, um diesen Frieden zu bringen, um uns diesen Frieden anzubieten«.

»Diese Adventszeit ist eine Zeit, um uns auf dieses Kommen des Friedensfürsten vorzubereiten«, unterstrich der Papst erneut. Sie sei also »eine Zeit, sich selbst zu befrieden: vor allem anderen uns selbst zu befrieden, die Seele zu befrieden«, weil »wir so oft nicht in Frieden sind; wir sind besorgt, wir haben Angst, sind ohne Hoffnung, und die Frage, die der Herr uns stellt, lautet: ›Wie geht es deiner Seele heute, ist sie in Frieden?‹ – ›Äh, ich weiß es nicht‹ – ›Aber schau, wenn sie nicht in Frieden ist, dann beginne diesen Weg, um sie zu befrieden‹ – ›Aber ich kann nicht‹«. Doch »Er kann«, sagte der Papst und bat darum, »ihn um Befriedung zu bitten: der Friedensfürst befriedet die Seele«.

Insofern betonte Franziskus: »Der erste Schritt in dieser Adventszeit besteht darin, die Seele eines jeden zu befrieden«. In Wirklichkeit »sind wir es gewohnt, auf die Seele anderer zu schauen: ›Aber schauen dir den an, schau dir die an, was sie tun‹«. Stattdessen müssten wir auf unsere Seele schauen und uns selbst fragen: »Wie geht es dir? Was spürt dein Herz? Ist es in Frieden? Bist du wütend? Bist du ängstlich besorgt?« Also, so drängte der Papst, »bitten wir den Herrn um die Gnade, die Seele zu befrieden, um sie auf die Begegnung mit ihm vorzubereiten«.

»Dann gibt noch etwas, das es zu befrieden gilt, und zwar das Haus«, sagte der Papst und regte an, dass wir uns fragen sollten: »Wie steht es um den Frieden zu Hause?« Wir müssten die Familie immer »befrieden: in den Familien gibt es so viele Traurigkeiten, so viele Kämpfe, so viele kleine Kriege, so viel Uneinigkeit bisweilen«. Und so »gibt es keinen Frieden: der eine ist gegen den anderen oder fordert den anderen heraus«. Deshalb schlug Franziskus vor: »Jeder soll sich fragen: Wie sieht es in meiner Familie aus? Ist sie in Frieden oder im Krieg? Ist sie vereint oder gibt es Uneinigkeit? Stehen noch alle Brücken zwischen uns oder sind da Mauern, die uns trennen?« Mit dem Ziel, »die Familie zu befrieden«.

Es sei auch vonnöten, unsere Horizonte zu weiten, um »auf die Welt zu blicken«, so die Einladung des Papstes, »und zu sehen, dass es mehr Krieg als Frieden gibt: es gibt so viel Krieg, so viel Uneinigkeit, so viel Hass, so viel Ausbeutung. Da ist kein Friede«. Doch »was tue ich, um zum Frieden in der Welt beizutragen?« Man könne sich rechtfertigen, indem man sage: »die Welt ist zu weit weg«. So forderte der Papst dazu auf, zu prüfen: »Was tue ich, um dem Frieden in der Nachbarschaft, in der Schule, am Arbeitsplatz aufzuhelfen? Habe ich immer eine Entschuldigung bereit, um in den Krieg zu ziehen, zu hassen und über andere schlecht zu reden? Das heißt Krieg führen! Bin ich sanftmütig? Versuche ich, Brücken zu bauen? Verurteile ich nicht?« Es sei dies eine Frage, die auch die Kinder betreffe, die man fragen müsse: »Was machst du in der Schule, wenn da ein Gefährte, eine Gefährtin ist, die du nicht magst, die ein bisschen hassenswert oder schwach sind, mobbst du sie oder schließt du Frieden, versuchst du, Frieden zu schließen? Verzeihe ich alles?« Der Stil müsse jener der »Handwerker des Friedens« sein, und »es braucht diese Zeit des Advents, der Vorbereitung auf das Kommen des Herrn, der der Friedensfürst ist«.

»Und der Friede«, so erklärte Franziskus, »geht immer weiter, er bleibt nie stehen, er erreicht einen Punkt und geht einen weiteren Schritt des Friedens, einen weiteren Schritt des Friedens: er ist fruchtbar«. Mehr noch, »der Friede geht von der Seele aus und kehrt zur Seele zurück, nachdem er diesen ganzen Weg der Befriedung gegangen ist«. Daher »ist Frieden schließen ein wenig, als ahme man Gott nach, als er mit uns Frieden schließen und uns vergeben wollte, als er seinen Sohn gesandt hat, um Frieden zu schaffen, der Fürst des Friedens zu sein«.

Alle seien wir berufen, Handwerker des Friedens zu sein. Vielleicht »mag jemand sagen: ›Pater, ich habe nicht gelernt, wie man Frieden schafft. Ich bin kein gebildeter Mensch, ich weiß es nicht, ich bin jung, ich weiß nicht.‹ Doch es sei Jesus selbst, der uns im Tagesevangelium nach Lukas (10,21-24) sage, »was unsere Haltung sein muss: ›Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du das vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen offenbart hast‹«. Nun, so wiederholte der Papst, »du hast nicht studiert, du bist kein Weiser«, aber: »werde klein, werde demütig, werde zum Diener der anderen. Werde klein und der Herr wird dir die Fähigkeit geben, zu verstehen, wie man Frieden schafft, und die Kraft, dies zu tun«.

»In Frieden leben in unserer Seele, zu Hause in der Familie, in der Schule, bei der Arbeit, im Stadtviertel, in Frieden leben: das wird das Gebet dieser Adventszeit sein«, regte Franziskus an. Es gehe darum, »in Demut Frieden zu bringen, Frieden zu schließen«. Und »jedes Mal, wenn wir sehen, dass die Möglichkeit eines kleinen Krieges besteht, sowohl zu Hause als auch in meinem Herzen, sowohl in der Schule als auch bei der Arbeit, dann: einhalten und versuchen, Frieden zu schaffen«. Vor allem »nie, nie den anderen verletzen, nie«. Und der erste Schritt, »um den anderen nicht zu verletzen« bestehe gerade darin, »nicht schlecht über die anderen zu reden, nicht den ersten Schuss abzugeben«. Mit der Gewissheit, dass »wenn wir alle genau das tun würden – nicht schlecht über die anderen reden –, dann würde der Friede weiter vorangehen«.

»Möge der Herr unsere Herzen auf das Weihnachtsfest des Friedensfürsten vorbereiten«, so der Papst abschließend. Doch »er bereite uns vor, indem wir unseren Teil ganz tun, um Frieden zu stiften: mein Herz befrieden, meine Seele, meine Familie befrieden, die Schule, das Viertel, den Arbeitsplatz«. Und so wahrhaft »Männer und Frauen des Friedens« sein. 

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12. Dezember 2019

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