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​Ein Geschenk des Himmels

Dreißig Jahre, nachdem Johannes Paul II. die historisch und spirituell prophetische Eingebung dazu hatte, sind religiöse Führer aus allen Teilen der Welt wieder nach Assisi gekommen. Um einander zu begegnen, um Gott um Frieden zu bitten, um einen neuen Aufruf zu verantwortungsvollem Handeln an diejenigen zu richten, in deren Macht es steht, auf seine Verbreitung hinzuwirken. Und ganz spontan kommen uns die Worte Jesu in den Sinn, die der Evangelist Matthäus überliefert hat: »Selig, die Frieden stiften (eirenopoiói); denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.«

Wie in den vergangenen Jahren bereits andere Male und an anderen Orten hat das Treffen wiederum mit dem Ausblick auf die umbrische Stadt stattgefunden, die durch den mittelalterlichen Heiligen universalen Charakter angenommen hat. Eine Gestalt – jene des Franziskus –, die die sichtbaren Grenzen der Kirche längst überschritten hat und dessen Name nun zum ersten Mal vom Nachfolger des Apostels Petrus angenommen wurde. Die Gebete wurden dann trotz aller Sorgen gesprochen, die lieber aufs Vergangene zurückschauen, weil sie kein Vertrauen in die Zukunft setzen. Und wieder einmal erging eindringlich der Aufruf an die Mächtigen der Welt, auch wenn das geringe Interesse, das die internationalen Medien diesem Treffen in Assisi entgegengebracht haben, Anlass zu bitteren Reflexionen gibt.

Aber dieses mangelnde Interesse gilt in noch weit größerem Maße dem Schicksal derer, die da leiden, wie der Papst aufs Neue wiederholte, als er an die »unschuldigen Kleinen, denen das Licht dieser Welt verwehrt wird«, die Armen, die Opfer der Kriege, die durch den Waffenhandel genährt werden, die Migranten, die sich gezwungen sehen, »aller Dinge beraubt ins Unbekannte zu ziehen«, erinnerte. Wie Jesus, den es an seinem Kreuze dürstete, werde auch ihnen »der bittere Essig der Ablehnung gereicht«, so sagte der Papst in seiner Reflexion über den Evangelientext. In seiner abschließenden Ansprache beklagte er »ein neues, überaus trauriges Heidentum (…): das Heidentum der Gleichgültigkeit«.

Das Geschenk des Friedens, das die Liturgien der Ostkirchen »vom Himmel« erflehen, wird heutzutage von allzu vielen Menschen und in allzu vielen Teilen der Welt verweigert und scheint sich immer weiter zu entfernen. So haben, aufgrund all dieser Konfliktsituationen – die nacheinander aufgezählt wurden –, die Vertreter der verschiedenen christlichen Konfessionen, die nach Assisi gekommen waren, in der Unterkirche die uralte Litanei des Kyrie eleison gebetet, in der der eine Herr aller Menschen um Erbarmen angefleht wird und an deren Ende der Erzbischof von Canterbury, der syrisch-orthodoxe Patriarch von Antiochia, der Patriarch von Konstantinopel und der Bischof von Rom gemeinsam den Segen erteilten.

Und letzterer, Papst Franziskus, der an die Aufrufe zum Frieden seiner Vorgänger anknüpft, hat mit Nachdruck bekräftigt, dass »der Name Gottes niemals angerufen werden kann, um die Gewalt zu rechtfertigen«, weil »nur der Friede heilig ist, nicht der Krieg«. Worte von durchschlagender Wirkungskraft, die im abschließenden Appell von einer japanischen Buddhistin verlesen wurden, um noch einmal »die unlösbare Verbindung zwischen dem hohen Gut des Friedens und einer echten religiösen Einstellung« zu wiederholen.

Jenseits aller Ideologien und Instrumentalisierungen, vor allem von Seiten derer, die »den Namen Gottes anrufen, um den Terrorismus, die Gewalt und den Krieg zu rechtfertigen«, weil »der Krieg im Namen der Religion zu einem Krieg gegen die Religion selbst wird«, so skandiert der Appell. Und die Worte dieses neuerlichen Aufrufs wurden von Vertretern der verschiedenen Religionen einigen Kindern anvertraut, die sie ihrerseits verschiedenen Botschaftern überreichten. Auf dass die Begegnung und ihre Gebete in der Welt nachhallen mögen.

g.m.v.

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10. Dezember 2019

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