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​Ein Christ ist immer jung

· Messe in Santa Marta ·

»Entweder bist du jung im Herzen, in der Seele, oder du bist kein ganzer Christ«. Die Predigt bei der Messe, die Papst Franziskus am Morgen des 28. Mai in Santa Marta feierte, war eine wahre Hymne an das Leben, an die Vitalität, an die »Jugend des Geistes«, die dem müden Treiben so vieler in ihrer Seele »pensionierter« Menschen entgegenzusetzen ist, die dank der Schwierigkeiten und der Traurigkeit niedergeschlagen sind, denn »die Sünde lässt altern«. Ein Windstoß der Freude, die auf dem »großen Geschenk« gründet, »das uns Jesus hinterlassen hat«: dem Heiligen Geist.

Ausgangspunkt der Betrachtungen des Papstes war das Tagesevangelium (Joh 16,5-11), das einen Auszug aus der Abschiedsrede an die Apostel während des Letzten Abendmahls wiedergab. Bei jener Gelegenheit »sagt Jesus vieles«, aber »das Herzstück dieser Rede ist der Heilige Geist«. Tatsächlich biete der Herr seinen Freunden eine richtiggehende »Katechese über den Heiligen Geist«: er beginne mit der Feststellung ihres Gemütszustandes – »Vielmehr hat Trauer euer Herz erfüllt, weil ich euch das gesagt habe« – und »er tadelt sie sanft«, denn, so der Papst, »die Traurigkeit ist keine christliche Haltung«.

Die innere Unruhe der Apostel – die angesichts des Dramas Jesu und der Ungewissheit über die Zukunft »beginnen, das Drama der Passion zu verstehen« – könne mit der Realität eines jeden Christen verglichen werden. In diesem Zusammenhang erinnerte Franziskus daran, wie wir im Tagesgebet »den Herrn gebeten haben, die erneuerte Jugend des Geistes in uns zu erhalten« und so eine Anrufung »gegen die Traurigkeit im Gebet« erhoben hätten. Genau das, fügte er hinzu, sei der Punkt: »Der Heilige Geist erwirkt, dass es in uns immer diese Jugend gibt, die sich jeden Tag durch seine Gegenwart erneuert«.

Der Papst vertiefte diesen Begriff und rief in Erinnerung: »Eine große Heilige sagte, ein trübseliger Heiliger sei ein ›trauriger Heiliger‹; ein trübseliger Christ ist ein ›trauriger Christ‹: das geht nicht«. Was bedeute das? Dass »Traurigkeit nicht in das Herz des Christen eindringt«, weil er »jung ist«. Eine Jugend, die erneuert werde und die »ihn so viele Prüfungen, so viele Schwierigkeiten schultern lässt«. Der Papst erklärte dies unter Bezugnahme auf die erste Lesung aus der Apostelgeschichte (16,22-34). Es sei dies etwas, das zum Beispiel mit Paulus und Silas widerfahren sei, die von den obersten Beamten in Philippi zu Schlägen und Gefängnis verurteilt worden seien. In diesem Moment »tritt der Heilige Geist ein und erneuert alles; er macht alles neu; er macht auch den Gefängniswärter jung«.

Der Heilige Geist sei also derjenige, der »uns im Leben begleitet, der uns stützt«. Wie der Name sage, den Jesus ihm gebe: »Paraklet, Beistand«. Ein ungewöhnlicher Begriff, dessen Bedeutung vielen oft entgehe. Der Papst scherzte darüber auch, indem er eine kurze Anekdote über eine Messe erzählte, die er einst als Pfarrer gefeiert hatte: »Es waren mehr als 250-300 Kinder, es war ein Pfingstsonntag, und ich fragte sie: ›Wer weiß, wer der Heilige Geist ist?‹ Und alle: ›Ich, ich, ich!‹ – ›Du‹: ›Der Gelähmte‹, sagte er mir. Er hatte ›Paraclito‹ gehört und nicht verstanden, was das war«, und so habe er gesagt: »gelähmt, ›paralitico‹ [von Paralyse betroffen]«. Eine lustige Verzerrung, die aber, so Franziskus, eine Wirklichkeit offenbare: »Viele Male denken wir, dass der Heilige Geist ein Gelähmter ist, dass er nichts tut… Und dabei ist er das, was uns stützt und trägt«.

Denn, so erklärte der Papst, »das Wort Paraklet bedeutet ›der, der neben mir ist, um mich zu stützen‹, damit ich nicht falle, damit ich weitermache, damit ich diese Jugend des Geistes bewahre«. Deshalb also »ist der Christ immer jung: immer. Und wenn das Herz des Christen zu altern anfängt, beginnt seine Berufung als Christ zu schwinden. Entweder bist du jung im Herzen, in der Seele oder du bist nicht voll und ganz christlich«.

Manche einer könnte vielleicht Angst vor den Schwierigkeiten haben und sagen: »›Aber wie bringe ich es fertig…?‹: da ist der Geist. Der Geist wird dir in dieser erneuerten Jugend helfen«. Dies bedeute nicht, dass es an Schmerzen fehlen werde. Paulus und Silas zum Beispiel hätten sehr gelitten unter den ihnen verabreichten Schlägen: »Der Text sagt, dass sich der Gefängniswärter, als er dieses Wunder sah, bekehren wollte und sie zu sich nach Hause brachte und ihre Wunden mit Öl behandelte… schlimme, heftige Wunden«. Aber trotz des Schmerzes »waren sie voller Freude, sie sangen… Das ist die Jugend. Eine Jugend, die dich immer auf die Hoffnung schauen lässt«.

Und wie erlange man diese Jugend? »Dazu bedarf es eines täglichen Dialogs mit dem Heiligen Geist, der immer neben uns ist«. Der Geist »ist das große Geschenk, das Jesus uns hinterlassen hat: diese Unterstützung, die dich weitergehen lässt«. Und so könnten wir denen antworten, die sagten: »Ja, Pater, es ist wahr, aber Sie wissen, ich bin ein Sünder, in meinem Leben gibt es viele, viele schlechte Dinge und ich kann nicht…« – wir könnten ihnen antworten: »Ist ja gut, schau auf deine Sünden; aber schau auch auf den Geist, der neben dir ist, und sprich mit dem Geist: er wird dein Beistand sein und dir die Jugend zurückgeben«. Denn »wir alle wissen, dass die Sünde altern lässt: sie lässt altern. Sie altert die Seele, sie altert alles. Der Geist hingegen hilft uns, Buße zu tun, die Sünde beiseite zu lassen und mit jener Jugend weiterzugehen«.

Daher mahnte Franziskus dazu, das, was er »heidnische Traurigkeit« nannte, beiseite zu lassen, wobei er erklärte: »Ich sage nicht, dass das Leben ein Karneval sei: nein, das ist nicht wahr. Im Leben gibt es Kreuze, es gibt schwierige Momente. Aber in diesen schwierigen Momenten ist zu spüren, dass der Geist uns hilft, wie Paulus und Silas voranzugehen und die Schwierigkeiten zu überwinden. Sogar das Martyrium. Weil da diese erneuerte Jugend ist«.

Den Abschluss der Predigt bildete dann eine Aufforderung zum Gebet: »Bitten wir den Herrn, diese erneuerte Jugend nicht zu verlieren, keine pensionierte Christen zu sein, die ihre Freude verloren haben und sich nicht voranbringen lassen… Der Christ geht nie in Rente. Der Christ lebt, er lebt, weil er jung ist – wenn er ein wahrer Christ ist«.

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8. Dezember 2019

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