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Dynamik einer Bekehrung

Das Fest des heiligen Matthäus hat für Papst Franziskus eine ganz besondere Bedeutung und ist mit der Geschichte seiner Bekehrung verbunden. Genau an jenem Tag, als er noch keine 18 Jahre alt war, spürte er plötzlich, dass sein Leben einen wirklichen Sinn haben würde, wenn er eine radikale Entscheidung treffen könnte – Bergoglio hat dies selbst erzählt. Diese Entscheidung reifte erst mit der Zeit heran, aber er verband sie sofort mit der Berufung des Zöllners Matthäus: Jesus blickte ihn voller Barmherzigkeit an und erwählte ihn. »Miserando atque eligendo«, in diese Worte fasste es viele Jahrhunderte später ein mittelalterlicher Mönch in seinem Kommentar zu diesem Evangeliumsabschnitt.

An jene eindrucksvollen Worte erinnerte sich der junge Priester, als er zum Bischof ernannt wurde und wählte sie zu seinem Motto. Und heute, an einem sehr warmen, sonnigen Morgen in Holguín, wo er die heilige Messe feierte, kam er als Papst in seiner Predigt erneut auf die Berufung des Zöllners zurück: »Wir feiern die Geschichte einer Bekehrung«, sagte er in Bezug auf diese Begegnung, die das Leben in neue Bahnen lenkte, ein »Spiel der Blicke« – wie es sich zum Beispiel Caravaggio vorgestellt hat –, »das imstande ist, die Geschichte zu verändern«. Und Franziskus fügte hinzu: »Es ist unsere persönliche Geschichte; wie viele andere kann jeder von uns sagen: ›Ich bin ein Sünder, auf den Jesus geschaut hat.‹« Aber das reiche nicht, so der Papst, denn auf die Liebe sei die Sendung gefolgt.

Das ist auch eine gute Erklärung für das Motto der Kubareise: »Missionar der Barmherzigkeit«. Für den Apostel Matthäus »und für jeden, der den Blick Jesu gespürt hat, sind die Mitmenschen nicht die, von denen man ›lebt‹, die man gebraucht, missbraucht. Der Blick Jesu erzeugt ein missionarisches Handeln des Dienens und des Gebens. Seine Mitbürger sind jene, denen er dient. Seine Liebe heilt unsere Kurzsichtigkeiten und regt uns an, unseren Blick zu weiten und nicht bei der äußeren Erscheinung oder dem politisch Korrekten stehen zu bleiben«, erläuterte der Papst vor den Zehntausenden von Kubanern, die ihm zuhörten.

In Kuba stelle das heute eine Aufgabe dar, die die Kirche nachdrücklich und unter Opfern erfülle, »um allen Menschen, auch denen, die an den abgelegensten Orten leben, das Wort und die Präsenz Christi zu bringen«. Beispielsweise mit Hilfe der sogenannten »Missionshäuser«, die angesichts von fehlenden Gotteshäusern und Priestern, »vielen Menschen gestatten, einen Ort zu haben, an dem sie beten, das Wort Gottes hören, Katechismus-Unterricht erhalten und Leben in Gemeinschaft erfahren können«: wahre »Zeichen der Präsenz Gottes in unseren Vierteln«, die helfen, das Evangelium und seine Barmherzigkeit zu erleben, die für all jene da ist, die sich ausgegrenzt fühlen.

Aus dem Wort des Evangeliums und aus seiner eigenen persönlichen Erfahrung wollte der Papst den kubanischen Katholiken eine starke Ermutigung mitgeben – genau wie er es bei den Begegnungen mit den Ordensfrauen und -männern und den Studenten in Havanna getan hatte, als er die vorbereiteten Ansprachen übergab und es vorzog, den »Propheten«, die er zuvor angehört hatte, zwei lange improvisierte Antworten zu geben: »Kardinal Jaime«, dem Erzbischof der Hauptstadt, und einer jungen Ordensfrau. Dasselbe hat er aber auch bei einer langen privaten Begegnung mit dem kubanischen Episkopat im nationalen Marienheiligtum der Barmherzigen Jungfrau von Cobre getan, die vor hundert Jahren zur Schutzpatronin der Nation ernannt worden war. Eine Begegnung, die von einem stillen Gebet vor dem hochverehrten Marienbild gekrönt war.

Giovanni Maria Vian

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20. Juni 2019

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