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Drei kleine Dinge,
um Frieden zu stiften

· ​Messe in Santa Marta ·

Geduld, Friedfertigkeit, Demut: das sind die einfachen Verhaltensweisen, die »kleinen Dinge« – die der heilige Paulus einer christlichen Urgemeinde, jener von Ephesus, aufzeigt –, die auch heute noch wirksam dabei sind, die »Einheit« in der Welt, in der menschlichen Gesellschaft und in den Familien »zu schaffen und zu konsolidieren«, die »des Friedens bedürfen«. Der Papst führte sie bei der Messe, die er am Morgen von Freitag, 26. Oktober, in Santa Marta feierte, erneut an und ging dazu aus von der Ersten Lesung aus dem Brief des Apostels an die Epheser (4,1-6).

»Paulus ist im Gefängnis« und »wendet sich mit dieser – so können wir sagen – ›Hymne‹ an die Einheit an die Christen«, so schickte der Papst voraus, indem er die Szene beschrieb, bevor er bei einem besonderen Aspekt innehielt: der Einsamkeit des Protagonisten. »Er ist allein«, so merkte er an. »Kurz bevor dieser Abschnitt losgeht, beschwert er sich: ›Alle haben mich im Stich gelassen‹. Dann sagt er zu Timotheus: ›Bei meiner ersten Verteidigung ist niemand für mich eingetreten‹ [2 Tim 16].‹ Allein. Und diese Einsamkeit des bereits zum Tod verurteilten Gefangenen wird ihn bis zu den Tre Fontane (Drei Brunnen) begleiten, wo er »einsam sterben wird, weil die Christen allzu beschäftigt sind ›mit inneren Machtkämpfen‹, internen Streitereien.«

Gerade deshalb, so machte der Papst präsent, »zeigt sich Paulus in diesem Abschnitt von seiner besten Seite«, indem er die ganze Energie aufrafft, die ihm noch bleibt, »um zur Einheit aufzurufen, um die Würde der Berufung zu beschwören: ››Ich ermahne euch, ein Leben zu führen, das des Rufes würdig ist, der an euch erging.‹ Zur Einheit.« Im Übrigen »hat Jesus selbst vor seinem Tod, beim Letzten Abendmahl, den Vater um die Gnade der Einheit für uns alle gebeten: ›Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin‹«. Und darin ist auch eine Lektion für die heutige Menschheit enthalten. Eine Lektion, die Franziskus wiederholte, indem er die Reflexion aktualisierte: »Wir sind es gewohnt, Kriegsluft zu schnuppern. Tag für Tag ist in den Nachrichten, in den Zeitungen die Rede von Konflikten, einem nach dem anderen, von Kriegen, ohne Frieden, ohne Einheit, einer gegen den anderen.« Was so weit gehe, so klagte er an, dass »selbst wenn Verträge geschlossen werden, um einen beliebigen Krieg zu beenden, so, wie ein Weiser sagte: ›werden die Verträge geschlossen, um später gebrochen zu werden‹. Und so heißt es dann über einen zehn Jahre vorher unterzeichneten Vertrag: ›Nein, mit diesem Vertrag machen wir nicht weiter‹«.

Auf diese Weise sei hingegen, was weitergehe, »das Wettrüsten, die Kriegsvorbereitungen, die Vorbereitungen zur Zerstörung«. Und das habe zur Folge, merkte der Papst an, dass »auch die weltweiten Institutionen, wie wir heute sehen, die mit den besten Absichten gegründet worden waren, die Einheit der Menschheit zu fördern, für den Frieden, sich außerstande sehen, zu einer Übereinkunft zu kommen: Da gibt es hier ein Veto, da ein Interesse… Und es wir mühsam, zu Friedensabkommen zu gelangen.« Aber bei alledem, warnte Franziskus, »haben die Kinder in der Zwischenzeit nichts zu essen, gehen nicht zur Schule« und erhalten keine »Erziehung; es gibt keine Krankenhäuser, weil der Krieg alles zerstört.« Letztendlich »neigen wir zur Zerstörung, zum Krieg, zur Zwietracht«. Und »das ist die Neigung, die unser Feind, der Zerstörer der Menschheit, in uns aussät: der Teufel«.

Es sei an diesem Punkt, so kommentierte der Papst, dass die immer gültige Lehre des Paulus zur Anwendung komme, der »uns hier, in diesem Abschnitt, den Weg zur Einheit aufweist«. Er bekräftige nämlich, dass »die Einheit gedeckt ist, dass sie, wie man sagen könnte, ›gepanzert‹ ist durch das Band des Friedens«. In anderen Worten, so Franziskus, »der Friede führt zur Einheit«. Um diese zu erreichen, lehre uns der Apostel »einen einfachen Weg: ›führt ein Leben, das des Rufes würdig ist, der an euch erging. Seid demütig, friedfertig und geduldig‹«.

Das also seien die »drei Dinge«, die Paulus nennt, »um Frieden zu schließen, um Einheit unser uns zu schaffen: ›Demut, Friedfertigkeit – wir sind daran gewöhnt, uns zu beleidigen, uns anzuschreien… – und Geduld‹«. Als wolle er sagen: »Lass es gut sein, öffne dein Herz«.

Aber, so fragte sich der Papst, »kann man mit diesen drei kleinen Dingen Frieden in der Welt stiften?«

Die Antwort konnte nicht umhin, positiv auszufallen: »Ja, das ist der Weg. Kann man zur Einheit gelangen? Ja, auf diesem Weg: ›Demut, Friedfertigkeit und Geduld‹«. Und da »Paulus praktisch veranlagt ist«, fahre er in dem Abschnitt aus der Bibel »mit einem überaus praktischen Ratschlag fort: ›ertragt einander in Liebe‹. Uns gegenseitig ertragen«. Ein Ratschlag, der im Alltag »nicht einfach« zu verwirklichen sei. Der Papst gab zu verstehen, dass er sich dessen durchaus bewusst sei und merkte an, »dass immer ein Urteil, eine Verurteilung gefällt wird, die zur Trennung, zur Distanzierung führen. Wie oft«, so beobachtete er, »wird ein Mensch gefragt: ›Wie steht’s mit deiner Familie? Was machen deine Vettern und Basen?‹ – ›Nein, nein, wir stehen uns fern…‹ Und der Teufel freut sich darüber. Das ist der Anfang des Krieges, weil ihr unfähig seid, euch gegenseitig zu ertragen«.

Der Papst, der auf dem ›häuslichen‹ Ursprung der Konflikte insistierte, betonte, dass diese Dimension etwas sei, das »morgens beginnt, wenn wir aufstehen und nachts endet, wenn wir ins Bett gehen«. Insofern müssten wir »uns ertragen, weil wir alle anderen lästig sein können, sie ungeduldig werden lassen, weil wir alle Sünder sind, weil wir alle unsere Fehler haben. Aber man muss ertragen: das ist ein schöner, einfacher Weg, bei dem man zu Herzen nehmen sollte: ›Warum tut ihr das?‹,fragt Paulus: ›weil ihr euchbemüht, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält‹. Wenn ich die Einheit wahren will, dann muss ich diese kleinen Dinge tun, es gibt keine großartigen Rezepte.«

In Fortsetzung seiner Auslegung des Paulustextes führte der Papst dann aus, dass der Verfasser des Epheserbriefes »noch weiterspricht, mit Sicherheit unter dem Einfluss der Worte Jesu beim Letzten Abendmahl: ›Ein Leib und ein Geist, wie euch durch eure Berufung auch eine gemeinsame Hoffnung gegeben ist; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist‹«. Paulus »begeistert sich und fährt fort: und von der Friedfertigkeit, der Demut, der Geduld geht er dann weiter und lässt uns den Horizont des Friedens mit Gott sehen; wie Jesus uns den Horizont des Friedens im Gebet gezeigt hat: ›Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin‹. Die Einheit. Und so geht man Schritt für Schritt voran.«

Unter Bezug auf den Abschnitt des Tagesevangeliums aus Lukas (12,54-59) merkte der Papst dann an, wie »praktisch Jesus mit diesem Rat« sei, »den wir gehört haben: ›Wenn du mit deinem Gegner vor Gericht gehst – um zu streiten –, bemüh dich noch auf dem Weg, dich mit ihm zu einigen‹«. Und er bezeichnete diesen Rat Jesu als einen »schönen Ratschlag«, weil »es nicht schwer ist, sich am Anfang eines Konflikts zu einigen. Es ist nicht schwer.« Man denke in diesem Zusammenhang etwa »an Ehepartner, wenn sie streiten, selbst wenn dabei mit Geschirr geworfen wird und Gewitterstimmung in der Wohnung herrscht«: In diesen Situationen laute tatsächlich »der beste Rat, den man ihnen geben kann: ›Ja, werft ruhig mit dem ganzen Geschirr, aber geht nicht ins Bett, ohne Frieden geschlossen zu haben‹. Und warum? Weil der Kalte Krieg am nächsten Tag sehr gefährlich ist. Der Rat Jesu lautet: Einigt euch am Anfang, schließt am Anfang Frieden: Das ist Demut, das ist Friedfertigkeit, das ist Geduld bzw. Großmut. Mit diesen kleinen Gesten kann man auf der ganzen Welt Frieden schaffen, weil diese Verhaltensweisen der Einstellung Jesu entsprechen: demütig, friedfertig, alles vergebend.«

Daraus leitete sich das abschließende Gebet ab, das Franziskus sprach: »Die heutige Welt«, so schloss er, »bedarf des Friedens, wir bedürfen des Friedens, unsere Familien brauchen den Frieden, unsere Gesellschaft braucht Frieden. Beginnen wir zuhause damit, diese einfachen Dinge zu üben: Geduld, Friedfertigkeit, Demut. Gehen wir auf diesem Wege voran: Immer Einheit schaffen, die Einheit stärken.« In der Hoffnung, »dass uns der Herr auf diesem Wege beistehen möge«.

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25. Januar 2020

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