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Drei Gnaden

· ​Heilige Messe in Santa Marta ·

»Die geistliche Trostlosigkeit erkennen; beten, wenn wir diesem Zustand der geistlichen Trostlosigkeit ausgeliefert sind; Menschen begleiten können, wenn sie schlimme Momente der Traurigkeit und der geistlichen Trostlosigkeit durchmachen.« Um diese drei Gnaden müsse man den Herrn bitten, unterstrich Papst Franziskus in seiner Auslegung der ersten Lesung am 27. September in der Frühmesse im Haus Santa Marta.

Der Papst feierte die heilige Messe am Gedenktag des heiligen Vinzenz von Paul in den Anliegen der Schwestern der Hausgemeinschaft von Santa Marta, die von diesem französischen Heiligen »gegründet worden sind« und deren »Leben dem von ihm vorgezeichneten Weg folgt: die Übung der Nächstenliebe«. Franziskus stützte sich in seiner Predigt vor allem auf die erste Lesung aus dem Buch Ijob (3,1-3.11-17.20-23): Dieser Mann »saß in der Klemme«, denn »er hatte alles verloren. Seinen gesamten Besitz und auch seine Kinder. Und dann befiel ihn eine Krankheit, die dem Fieber ähnelte: eine schwere Krankheit, er war voller Wunden.« Tatsächlich sei »sein Leid so groß gewesen«, dass er »seinen Tag und das, was ihm widerfuhr, verfluchte«. So habe er gesagt: »›Ausgelöscht sei der Tag, an dem ich geboren bin, die Nacht, die sprach: Ein Mann ist empfangen.‹ All das hätte besser nicht geschehen sollen. Besser tot sein, als so zu leben.«

Dennoch »sagt die Bibel, dass Ijob gerecht war, dass er heilig war«. Ein Heiliger, merkte der Papst an, »kann so etwas nicht tun«. In der Tat habe Ijob »Gott nicht verflucht. Er hat nur seinem Herzen Luft gemacht und das war eine Erleichterung, wie es ein Kind vor dem Vater tut.« Es sei vergleichbar mit dem, was der Prophet Jeremia getan habe, wie es im 20. Kapitel seines Buches aus dem Alten Testament zu lesen sei. Franziskus kommentierte: »Er beginnt mit etwas sehr Schönem und sagt zum Herrn: ›Du hast mich betört, o Herr.‹« Aber anschließend sage auch Jeremia wie Ijob: »Verflucht der Tag, an dem ich geboren wurde.« Doch »in beiden Fällen handelt es sich nicht um einen Fluch: es sind Gefühlsausbrüche«: »Beide machen ihrem Herzen vor Gott Luft«, denn »beide befanden sich in tiefer geistlicher Trostlosigkeit«.

In diesem Zusammenhang erläuterte der Papst, dass die geistliche Trostlosigkeit »allen widerfahren kann: sie kann stärker oder schwächer sein… Aber diesen düsteren Seelenzustand ohne Hoffnung, voller Misstrauen, ohne Lebensmut, ohne das Ende des Tunnels zu sehen, mit großer Unruhe im Herzen und auch in den Gedanken«, das erlebe jeder Mann und jede Frau. »Die geistliche Trostlosigkeit gebe uns das Gefühl einer niedergedrückten Seele«, die »nicht leben will: ›Besser tot sein!‹, bricht es aus Ijob hervor. Lieber sterben, als so zu leben.«

Franziskus wandte ein: »Aber wenn unser Geist in diesem Zustand tiefer Traurigkeit ist, so dass man fast nicht atmen kann, dann müssen wir verstehen«, dass dies »allen geschieht«: auf mehr oder weniger starke Weise, aber es geschehe allen. Wir seien aufgefordert, »zu verstehen, was in unserem Herzen vor sich geht«, uns zu fragen, »was wir tun müssen, wenn wir diese dunklen Augenblicke erleben, aufgrund einer Familientragödie, einer Krankheit oder aufgrund von etwas, das uns bedrückt«. Es sei aber sicherlich nicht angebracht, »eine Schlaftablette zu nehmen und den Tatsachen zu entfliehen, oder zwei, drei, vier Gläschen zu trinken«, um zu vergessen, denn »das hilft nicht«. Die »Texte der Liturgie dagegen zeigen uns«, wie man sich verhalten müsse »im Fall der geistlichen Trostlosigkeit, wenn wir lau, niedergedrückt, hoffnungslos sind«.

Eine Hilfe enthalte der Antwortpsalm: »Lass mein Gebet zu dir dringen!« Das erste, was zu tun sei, sei das Gebet. »Ein starkes, starkes, starkes Gebet«, unterstrich Franziskus: »Psalm 88, den wir gemeinsam gebetet haben, lehrt uns, wie man betet, wie man in Momenten geistlicher Trostlosigkeit beten muss, bei innerer Dunkelheit, wenn die Dinge nicht gut laufen und das Herz von tiefer Traurigkeit erfasst ist. ›Herr, du Gott meines Heils, zu dir schreie ich am Tag und bei Nacht.‹ Das sind eindringliche Worte. Das ist es, was Ijob getan hat: ›Zu dir schreie ich am Tag und bei Nacht. Wende dein Ohr meinem Flehen zu!‹« Das Gebet bestehe darin, »an die Tür zu klopfen, aber mit großer Kraft: ›Denn meine Seele ist gesättigt mit Leid, mein Leben ist dem Totenreich nahe. Schon zähle ich zu denen, die hinabsinken ins Grab, bin wie ein Mann, dem alle Kraft genommen ist.‹«

Der Papst fügte hinzu: »Wie oft fühlen wir uns in unserem Leben so: ohne jede Kraft.« Aber »der Herr selbst lehrt uns, wie wir in solchen schlimmen Augenblicken beten müssen: ›Du hast mich ins tiefste Grab gebracht. Schwer lastet dein Grimm auf mir. Lass mein Gebet zu dir dringen!‹ Das ist das Gebet: So müssen wir beten in den schlimmsten, dunkelsten, verzweifeltesten , niederdrückendsten Augenblicken, die uns zermalmen.« Denn das sei ein authentisches Gebet und es diene in gewisser Weise auch dazu, »seinem Herzen Luft zu machen, wie dies Ijob getan habe. Wie ein Sohn.«

Nachdem der Papst die Haltung erläuterte hatte, die der einzelne in Augenblicken geistlicher Trostlosigkeit annehmen solle, befasste er sich mit der Begleitung derer, die sich in einer solchen Situation befinden. Es werde im Buch Ijob vom Besuch seiner Freunde berichtet und wie diese »lange Zeit im Schweigen verharrten«. Denn, so Franziskus, »einem Menschen, der sich in dieser Situation befindet, können Worte wehtun: ihn nur berühren, ihm nahe sein«, so dass »er die Nähe spürt, und nur sprechen, wenn er fragt. Aber keine Reden halten.«

Im Fall von Ijob aber »sieht man, dass den Freunden das Schweigen nach einer gewissen Zeit langweilig geworden ist« und sie begonnen haben, »Reden zu halten, Dummheiten zu sagen«. Aber: »Wenn ein Mensch leidet, wenn er im Zustand geistlicher Trostlosigkeit ist, dann soll man möglichst wenig sprechen und muss mit der Stille, der Nähe, den Liebkosungen sein Gebet vor dem Vater unterstützen.« Darin bestehe die Aktualität der Lesung.

Abschließend bat der Papst, dass »der Herr uns helfen möge. Erstens: dass wir die Augenblicke geistlicher Trostlosigkeit in uns zu erkennen vermögen, wenn alles dunkel ist, wir ohne Hoffnung sind und uns fragen warum. Zweitens: in Augenblicken der Dunkelheit so zu beten, wie die heutige Liturgie es uns mit Psalm 88 lehrt. Lass mein Gebet zu dir dringen, Herr!« Drittens: »Wenn ich einem Menschen nahe bin, der leidet«, sei es wegen einer Krankheit oder aus irgendeinem anderen Grund, »der verzweifelt und trostlos ist: schweigen«. Schweigen, »mit sehr viel Liebe, Nähe, Liebkosungen. Und keine Reden halten, die letztendlich nicht helfen und auch schaden.«

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23. Oktober 2018

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