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Die Zeiten ändern sich

· Heilige Messe des Papstes in Santa Marta ·

»Die Zeiten ändern sich und wir Christen müssen uns unaufhörlich ändern.« Diese Aufforderung zur Veränderung wiederholte Papst Franziskus mehrmals in der heiligen Messe, die er am Morgen des 23. Oktober in der Kapelle des Hauses Santa Marta feierte. Er forderte zu einem »furchtlosen« Handeln in Freiheit auf, das sich von einem einschläfernden Konformismus fernhält, das »im Glauben an Jesus« und »in der Wahrheit des Evangeliums« fest bleibt und sich zugleich »den Zeichen der Zeit entsprechend bewegt«.

Die Reflexionen es Papstes wurden angeregt durch die Lesungen, die in diesem letzten Abschnitt des Kirchenjahres vor allem aus dem Römerbrief stammen. »Wir haben unterstrichen, dass Paulus mit großer Kraft die Freiheit verkündet, die wir in Christus haben.« Franziskus erklärte, dass »es sich um eine Gabe handelt, die Gabe der Freiheit, jener Freiheit, die uns aus der Sünde gerettet hat, die uns frei gemacht hat, zu Kindern Gottes wie Jesus; jene Freiheit, die uns dazu führt, Gott ›Vater‹ zu nennen«. Der Papst fügte hinzu: »Um diese Freiheit zu haben, müssen wir uns der Kraft des Heiligen Geistes öffnen und gut verstehen, was in uns und außerhalb von uns geschieht.« In den vergangenen Tagen sei der Blick darauf gerichtet gewesen, »wie wir unterscheiden können, was in uns geschieht: was vom guten Geist kommt oder was nicht von ihm kommt«, das heißt es gehe um die Gabe der Unterscheidung dessen, »was in uns geschieht«. Im Abschnitt des Tagesevangeliums (Lk 12,54-59) werde dazu aufgerufen, »nach draußen zu blicken« und darüber nachzudenken, »wie wir die Dinge bewerten, die außerhalb von uns geschehen«.

Daher sei es notwendig, darüber nachzudenken, »wie wir urteilen: Sind wir in der Lage, die Dinge zu beurteilen?« Der Papst wies darauf hin, dass wir »diese Fähigkeiten haben« und dass Paulus selbst sage, »dass wir die Welt richten werden: Wir Christen werden die Welt richten.« Auch der Apostel Petrus sage etwas Ähnliches, wenn »er uns auserwähltes Geschlecht nennt, eine heilige Priesterschaft, ein gerade wegen seiner Heiligkeit auserwähltes Volk«.

Wir Christen hätten also diese »Freiheit, das zu beurteilen, was um uns geschieht«, so der Papst. Aber, »um ein Urteil sprechen zu können, müssen wir das, was um uns herum geschieht, gut kennen«. Franziskus fragte: »Wie aber kann man tun, was die Kirche ›die Zeichen der Zeit erkennen‹ nennt?«

Der Papst bemerkte hierzu, dass »die Zeiten sich ändern. Es gehört zur christlichen Weisheit, diese Veränderungen zu erkennen, die unterschiedlichen Zeiten zu kennen und die Zeichen der Zeit zu erkennen. Was bedeutet das eine und was bedeutet das andere.« Sicherlich sei dies »nicht einfach. Denn wir hören so viele Kommentare: ›Ich habe gehört, dass das, was dort passiert ist, dies ist, oder das, was dort geschieht, jenes ist. Ich habe dies gelesen, man hat mir das gesagt…« Aber »ich bin frei, ich muss mir mein eigenes Urteil bilden und verstehen, was dies alles bedeutet«. Dies sei aber »eine Arbeit, die wir häufig unterlassen: wir passen uns an, wir beruhigen uns mit: ›Man hat mir gesagt, ich habe gehört, man sagt, ich habe gelesen…‹ Und so sind wir beruhigt.« Wir müssten uns dagegen fragen: »Was ist die Wahrheit? Welche Botschaft will der Herr mit diesem Zeichen der Zeit an mich richten?«

Wie gewöhnlich gab der Papst auch praktische Ratschläge, »um die Zeichen der Zeit zu verstehen«. Vor allem, so sagte er, »ist Stille notwendig: still werden und betrachten, beobachten. Und dann nachdenken, in unserem Inneren. Ein Beispiel: Warum gibt es jetzt so viele Kriege? Warum ist etwas geschehen? Und beten…« Das heiße: »Stille, Nachdenken und Gebet. Nur so werden wir die Zeichen der Zeit verstehen können und verstehen, was Jesus uns sagen will.«

In dieser Hinsicht gebe es kein Alibi. Jeder könne versucht sein einzuwenden: »Aber ich habe nicht so viel studiert… Ich bin nicht zur Universität gegangen und nicht einmal auf die höhere Schule…« Aber die Worte Jesu ließen keinen Zweifel. Denn er sage nicht: »Schaut, wie es die Akademiker machen; schaut, wie es die Doktoren machen; schaut, wie es die Intellektuellen machen…« Im Gegenteil, er sage: »Schaut auf die Bauern, die einfachen Leute: Sie in ihrer Einfachheit können verstehen, wann es Regen gibt, wie das Gras wächst, sie wissen das Korn vom Unkraut zu unterscheiden.« Folglich werde »jene Einfachheit – wenn sie begleitet wird von Stille, Reflexion und Gebet – die Zeichen der Zeit verstehen lassen«. Denn, so unterstrich der Papst, »die Zeiten ändern sich und wir Christen müssen uns beständig ändern. Wir müssen uns ändern, fest im Glauben an Jesus Christus, feststehend in der Wahrheit des Evangeliums, aber unsere Haltung muss sich beständig entsprechend der Zeichen der Zeit bewegen.«

Abschließend kehrte der Papst zu den anfänglichen Gedanken zurück: »Wir sind frei durch die Gabe der Freiheit, die uns Jesus Christus geschenkt hat. Aber unsere Arbeit besteht darin, zu prüfen, was in uns geschieht, unsere Gefühle, unsere Gedanken zu unterscheiden; und zu analysieren, was um uns geschieht, die Zeichen der Zeit unterscheiden.« Wie? »In der Stille, mit der Reflexion und mit dem Gebet.«

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11. Dezember 2019

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