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Die Wahrheit ist still

· Messe in Santa Marta ·

Schweigen und Gebet »gegenüber den Menschen, die keinen guten Willen haben, gegenäber den Menschen, die nur auf der Suche nach dem Skandal sind, die nur Spaltung suchen, die nur auf Zerstörung aus sind, auch in den Familien«. So lautete der Rat von Papst Franziskus bei der Messe in Santa Marta am Montag, den 3. September – der ersten nach der Sommerpause. Franziskus kommentierte den Abschnitt aus dem Evangelium, in dem Jesus aus der Synagoge von Nazareth gejagt wird. Der Papst lud dazu ein, den Herrn um »die Gnade zu bitten, zu unterscheiden, wann wir reden müssen und wann wir schweigen müssen. Und das im ganzen Leben: bei der Arbeit, zuhause, in der Gesellschaft… im ganzen Leben. So werden wir mehr Nachahmer Jesu sein«.

»Diese Episode aus dem Evangelium lässt uns über die Art und Weise des Handelns im alltäglichen Leben nachdenken, wenn sich Missverständnisse einstellen, wenn es zu Diskussionen kommt«, erklärte Franziskus sofort und bezog sich dabei auf den Abschnitt aus dem Lukasevangelium (4,16-30). Doch »er lässt uns auch verstehen, wie der Vater der Lüge, der Ankläger, der Teufel wirkt, um die Einheit einer Familie, eines Volkes zu zerstören«.

Der Papst ging von den Inhalten des Evangeliums vom Tag aus und rief in Erinnerung, dass »Jesus nach Nazareth kam, wo er aufgewachsen war«. Gewiss, fügte er hinzu, »er war weggegangen, er hatte mit der Verkündigung begonnen«, doch »sein Ruf hatte sich verbreitet: ›Na da schau an, dieser da, der von hier weggegangen ist, tut Wunder!‹« Und so sei es gekommen, dass in Nazareth »die Leute darauf warteten, ihn zu sehen, und als die Leute kamen, schauten sie ihn an: wir alle wissen, was in einem Dorf geschieht, wenn jemand zurückkehrt, der zum Studium weggegangen war und mit dem Diplom zurückkommt, oder wenn einer weggegangen ist, um sein Glück zu suchen und mit dem Geld zurückkommt, reich, und das Dorf ist gerührt: ›Das ist einer von uns, der zurückkommt‹. Wir alle kennen das«. Und an jenem Tag in Nazareth sei »das geschehen«.

Also, fuhr der Papst fort: »die Leute nahmen ihn gut auf, und als er in die Synagoge ging, hörten sie ihm zu«. Doch »Jesus spricht nicht direkt von sich selbst; er benutzt das Wort Gottes. Immer, wenn Jesus etwas Wichtiges sagen will, benutzt er das Wort Gottes; auch wenn er den Teufel besiegen will – denken wir an die Versuchungen in der Wüste –, benutzt er das Wort Gottes«.

Das Evangelium, so der Papst, berichte, dass Jesus »den Abschnitt aus dem Propheten Jesaja liest, in dem die Zeit des Messias angekündigt wird«. Dann »schloss er die Buchrolle, gab sie dem Synagogendiener und setzte sich«, wie im Evangelium zu lesen sei. Und »die ganze Synagoge war voller Freude, voller Staunen«, erklärte Franziskus. Dies sei so weit gegangen, dass »die Augen aller in der Synagoge auf ihn gerichtet waren«, wie Lukas schreibe. Und wahrscheinlich, fügte der Papst hinzu, hätten seine Leute gesagt: »Da schau an, das ist einer von uns, wie schön. Gott wird zu uns sprechen«.

Weiter schreibe Lukas in seinem Evangelium: »Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt«. Jesus nämlich »predigte nichts anderes: immer das Wort Gottes und alle stimmten ihm zu; sie staunten über die Worte der Gnade, die aus seinem Mund hervorgingen«.

Doch »an diesem Punkt das erste Brücken-Wort, sagen wir, von der Freude zu etwas anderem, vom Frieden zum Krieg: ›Ist das nicht Josefs Sohn?‹« Und Jesus »nimmt die Herausforderung an und entgegnete: ›Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst! Nur zu‹«. Die Leute forderten von Jesus im Grund nichts anderes als: »Tu große Dinge unter uns, wie du es in Kafarnaum getan hast, und wir werden glauben«.

Doch »Jesus erklärt ihnen: ›Amen, ich sage euch: Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt‹. Und er ruft die Propheten Israels in Erinnerung, die hingegangen sind und Wunder jenseits der Heimat vollbracht hatte, da die Heimat dem Glauben gegenüber verschlossen war«. Und »als er damit endete, das zu erklären, die Witwe in Sarepta, den Aussätzigen, den Elischa geheilt hatte, gerieten die Leute in der Synagoge – alle, dieselben, die vorher voller Staunen, ja bezaubert waren – in Wut: vom Staunen zur Wut«. So »hatten sie sich verändert: jener vom Teufel ausgesäte Same begann, zu wachsen. Sie standen auf, sie jagten ihn weg, sie traten in diese Haltung der Meute ein: das waren keine Personen, das war ein Rudel wilder Hunde, das ihn aus der Stadt jagte. Sie dachten nicht«.

Angesichts dieser Haltung aber »schwieg Jesus. Sie brachten ihn an den Abhang des Berges und wollten ihn hinabstürzen«. Und »dieser Abschnitt aus dem Evangelium endet so: ›Er aber schritt mitten durch sie hindurch und ging weg‹. Die Würde Jesu: mit seinem Schweigen besiegt er jene wilde Meute und geht weg. Denn seine Stunde war noch nicht gekommen«. Und, so Franziskus, »dasselbe wird am Karfreitag geschehen: die Leute, die am Palmsonntag ein Fest für Jesus gefeiert und gerufen hatten: ›Gesegnet bist du, Sohn Davids‹, riefen nun ›Kreuzigt ihn‹: sie hatten sich verändert«. So »hatte der Teufel die Lüge in ihren Herzen ausgesät, und Jesus schwieg«.

»Das lehrt uns: wenn sich diese Art des Handelns einstellt, die Wahrheit nicht zu sehen, dann bleibt nur das Schweigen«, unterstrich der Papst, der erklärte: »Das Schweigen, das siegt, doch durch das Kreuz. Das Schweigen Jesu. Doch wie viele Male beginnen in den Familien Diskussionen über Politik, Sport, Geld, und nacheinander enden jene Familien dabei, zerstört zu werden, in diesen Diskussionen, in denen zu sehen ist, dass der Teufel da ist, der sie zerstören will«. Schweigen, so der Rat des Papstes: »sagen, was man zu sagen hat, und dann schweigen. Denn die Wahrheit ist mild, die Wahrheit ist still, die Wahrheit macht keinen Lärm. Es ist nicht leicht, was Jesus getan hat; doch da ist die Würde des Christen, die in der Kraft Gottes verwurzelt ist«.

»Mit den Menschen«, so der Papst weiter, »die keinen guten Willen haben, mit den Menschen, die nur auf der Suche nach dem Skandal sind, die nur Spaltung suchen, die nur auf Zerstörung aus sind, auch in den Familien: Schweigen. Und Gebet«. Und »es wird der Herr sein, später, der siegt, sowohl – wie in diesem Fall – mit der Würde Jesu, der gestärkt und von jenem Willen befreit wird, ihn hinabzustürzen, als auch mit der Würde des Siegs der Auferstehung, nach dem Kreuz«.

Abschließend bat der Papst den Herrn um »die Gnade, zu unterscheiden, wann wir reden müssen und wann wir schweigen sollen. Und das im ganzen Leben: bei der Arbeit, zuhause, in der Gesellschaft... im ganzen Leben. So werden wir mehr Nachahmer Jesu sein«.

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