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Die wahre Freiheit

· Messe in Santa Marta ·

In einer »schizophrenen« Welt, die immer »mehr der Sklave« von Moden, Ehrgeiz und Geld ist, gibt es da eben auch die wahre Freiheit, die Jesus selbst vorschlägt und die auch unter Prüfungen von den Aposteln und von den vielen Christen verwirklicht wurde und wird, die heute Opfer von Verfolgungen sind und dennoch immer frei bleiben. Es ist ein wahrer Hymnus auf die Freiheit, den Papst Franziskus in der Messe in Santa Marta am Freitag, 13. April, anstimmte.

»Eines der Worte, das in dieser Osterzeit so oft wiederholt wird, lautet ›Freiheit‹, frei sein«, erklärte der Papst gleich zu Beginn seiner Predigt. Und »Jesus hat uns mit seinem Erlösungswerk die Freiheit zurückerstattet, die Freiheit der Kinder«.

»Wenn wir im Alltag reden «, gab Franziskus zu, »denken wir oft, dass frei zu sein bedeute, das zu tun, was ich will, und es viele Male zu tun«; doch es bedeute auch, »Sklave zu werden, denn wenn das, was ich will, etwas ist, das mir das Herz niederdrückt, bin ich dessen Sklave, nicht frei«.

»Die heutige Liturgie lässt uns über drei Personen nachdenken, die alle drei frei sind«, erklärte der Papst und bezog sich dabei auf die Lesungen aus der Apostelgeschichte (5,34-52) und aus dem Johannesevangelium (6,1-15). Und »es wird uns gut tun, über eine jeden von ihnen nachzudenken«. Angefangen bei Gamaliël, der »in diesem Abschnitt« vorgestellt werde, »der das Ende der langen Geschichte von der Heilung des Gelähmten bildet, die wir dieser Tage gelesen haben, wo die Gesetzeslehrer, die Priester den ››Schwarzen Peter ‹ in der Hand hielten und nicht wussten, wie sie dieses Problem lösen sollten«. Doch »sie hatten bereits – ihrer Ansicht nach gut – ein anderes gelöst: das Problem der Soldaten vor dem Grab: sie hatten bezahlt«. Aber »in diesem Fall konnte man nicht auf dasselbe System zurückgreifen«, und »ebensowenig konnte man zu einer Lösung kommen, indem man« die Apostel »ins Gefängnis brachte, da sie gesehen hatten, dass der Engel Gottes sie befreite«. Ihr Problem lautete also, was sie mit den Jüngern tun sollten.

»Gamaliël, ein freier Mann, denkt ruhig nach, er lässt sie nachdenken«, und mit dem Blick auch auf die »jüngste Geschichte« rate er: »Habt Geduld, überstürzt nichts, gebt der Situation ein wenig Zeit, denkt daran, was mit Theudas, mit Judas dem Galiläer geschehen ist, die gerade die Retter zu sein schienen und dann alle ein schlechtes Ende genommen haben«. Also: der Rat Gamaliëls laute, »die Zeit ihre Arbeit« tun zu lassen: »lasst euch Zeit«.

»Der freie Mensch hat keine Angst vor der Zeit: er lässt Gott handeln«, erklärte Franziskus. Und »er gibt Raum, damit Gott in der Zeit wirke. Der freie Mensch ist geduldig«. Gamaliël »war ein Jude – er war kein Christ, er hatte Jesus nicht als den Heiland anerkannt –, doch er war ein freier Mann: er denkt nach, er bietet seine Überlegungen den anderen an und sie werden akzeptiert«. Im Übrigen »ist die Freiheit nicht ungeduldig«, so der Papst. Im Gegenteil, »die wahre Freiheit hat die Geduld dessen, der zu warten versteht, die Geduld, Gott tun zu lassen«.

Es sei wahr, fuhr der Papst fort, »auch Pilatus überlegt gut und mit kühlem Kopf«, was so weit gehe, dass er »bemerkte, dass Jesus unschuldig war«. »Auch seine Frau« habe dazu beigetragen, »mit dieser Geschichte von ihrem Alptraum, die ihm etwas Angst machte«. Pilatus aber »gelang es nicht, das Problem zu lösen, da er nicht frei war, da er an seiner Beförderung hing«. Sein fixer Gedanke sei mehr oder weniger dieser gewesen: »Wenn ich es hier in Judäa gut mache, dann werde ich auf einen höheren Posten befördert«. Pilatus sei also kein »freier« Mann gewesen: »er dachte gut, doch es fehlte ihm der Mut der Freiheit, weil er ein Knecht des Karrieredenkens, des Ehrgeizes, seines Erfolges war«.

Dagegen »ist Gamaliël ein Beispiel eines freien Mannes, das uns die Kirche heute anbietet«, betonte Franziskus erneut. Dann verwies er als ein »weiteres Beispiel auf Petrus und Johannes, die den Gelähmten geheilt hatten und jetzt vor dem Hohen Rat standen«. Am Ende »setzte sie der Hohe Rat frei, doch er ›ließ sie auspeitschen‹ – sie waren unschuldig –; ›dann verboten sie ihnen, im Namen Jesu zu predigen‹«. Obwohl Petrus und Johannes also »ungerechterweise ausgepeitscht wurden, ›gingen sie weg vom Hohen Rat und freuten sich, dass sie gewürdigt worden waren, für seinen Namen Schmach zu erleiden‹«.

Das also sei »die Freude der Nachahmung Jesu: das ist eine andere Freiheit, eine größere, breitere, christlichere«. Und Petrus hätte auch »zum Richter« gehen können, »um den Hohen Rat zu verklagen – indem er sagte: ›ich wurde ungerechterweise ausgepeitscht‹ – und eine Entschädigung zu fordern«. Stattdessen »war Petrus wie Johannes voller Freude, da sie im Namen Jesu gelitten hatten«. Und »vielleicht – fügte Franziskus hinzu – kamen ihnen jene Worte Jesu in den Sinn: ›Selig, wenn ihr um meiner willen geschmäht, verfolgt werdet. Selig seid ihr‹«. Gerade »das ist die Freude, die sie spürten: sie waren frei – sagen wir es so – im Leiden, um Jesus nachzufolgen«. Es sei dies »jene christliche Haltung«, die uns dazu bringe, anzuerkennen: »Herr, du hast mir viel gegeben, du hast so viel für mich gelitten. Was kann ich für dich tun? Nimm, Herr, nimm mein Leben, meinen Geist, mein Herz, alles ist dein«.

Der Papst trug erneut die Haltung der Jünger vor, wie sie in der Apostelgeschichte beschrieben wird: »Sie aber gingen weg vom Hohen Rat und freuten sich, dass sie gewürdigt worden waren, für seinen Namen Schmach zu erleiden«. Eine Haltung, die »eine weitere Freiheit« offenbare. Wenn »die erste Freiheit die eines gerechten Mannes war«, der »gut überlegte und das Gute suchte, so ist dies die Freiheit dessen, der in Jesus Christus verliebt ist, besiegelt vom Heiligen Geist, mit dem Glauben an Jesus Christus: du hast das für mich getan, ich tue das für dich«. Und man dürfe nicht vergessen, rief Franziskus in Erinnerung, dass »es auch heute viele Christen gibt, die im Gefängnis sind, die gefoltert werden, die diese Freiheit voranbringen, Jesus Christus zu bekennen«. Das also »ist das zweite Bespiel eines freien Menschen: das erste Gamaliël, das zweite die Apostel, doch aus unterschiedlichen Gründen«.

»Das dritte Beispiel ist Jesus selbst«, so der Papst, »der dieses Wunder der Brotvermehrung wirkt, zu dem es nicht wie mit einem Zauberstab kam: es wurde durch die Macht Gottes gewirkt, die Jesus in sich hatte, denn er war Gott«. Und »die Leute merkten es«, erklärte der Papst, der die Worte des Evangeliums wiederholte: »Als die Menschen das Zeichen sahen, das er getan hatte, sagten sie: Das ist wirklich der Prophet, der in die Welt kommen soll«.

Angesichts der »Begeisterung« der Leute zog sich Jesus erneut auf den Berg zurück, er allein, da er wusste, dass sie kämen, um ihn zu holen und zum König zu machen – denn wenn sich das Volk so in Bewegung setzt, macht es Revolution, machen sie ihn zu König«. Er also »nahm Abstand vom Triumphalismus, er ließ sich von diesem Triumphalismus nicht täuschen: er war frei«.

Franziskus riet dazu, »an das erste Mal« zu denken, »als Jesus diese Freiheit verspürte, und er hat sie uns gelehrt: in der Wüste, als ihn der Satan versuchte, der ihm die Reichtümer anbot« und gesagt habe: »du kannst die Steine in Brot verwandeln, und auch die Steine in Gold, in Silber«. Und die Antwort Jesu lautete »nein«. Und da sei Satan noch weitergegangen und habe wieder gesagt: »du kannst ein derartiges Wunder vollbringen, stürze dich vom Tempel, und die Leute werden glauben«. Doch die Antwort Jesu sei immer »nein [gewesen], denn er war frei«. Und »die Freiheit, die er hatte, bestand darin, dem Willen des Vaters zu folgen«. Und als Satan also erneut »einen Handel« anbiete: »vollziehe mir gegenüber einen Akt der Anbetung, und ich werde dir alles geben«, da sage Jesus erneut »nein: der Vater will einen anderen Weg des Heils«. Und »er wird am Kreuz enden: Jesus ist das Beispiel der allergrößten Freiheit«.

»Wir wollen an diesem Tag an meine, an unsere Freiheit denken«, so die Aufforderung des Papstes, der erneut die drei Beispiele vorlegte: »Gamaliël, Petrus und Johannes und Jesus selbst«. Er riet zu einigen direkten Fragen: »Ist meine Freiheit christlich? Bin ich frei? Oder bin ich Sklave meiner Leidenschaften, meines Ehrgeizes, vieler Dinge, des Reichtums, der Mode?« Es sei wahr, so der Papst, »das scheint ein Scherz zu sein, aber wie viele Menschen sind Sklaven der Mode!«

Franziskus fuhr mit seinen Fragen für eine Gewissenserforschung fort: »Bin ich frei und verstehe ich es, kühlen Kopfes nachzudenken wie Gamaliël und Gott in meinem Leben Raum zu geben? Bin ich frei? Und wenn sich dann Leiden einstellen, spreche ich dann mit Jesus, und habe ich gesagt: ›du hast so sehr für mich gelitten, um mir meine Würde als Kind zurückzuerstatten‹, opfere ich dies auf? Bin ich frei wie Jesus, der dem Willen des Vaters folgte, um unsere Kindschaft zu heilen?«

»Denken wir an unsere Freiheit«, so der Papst abschließend, »in dieser Welt, die ein wenig ›schizophren‹ ist«, was so weit gehe, dass »sie schreit: ›Freiheit, Freiheit, Freiheit‹, jedoch mehr ›Sklave, Sklave, Sklave‹ ist. Denken wir an diese Freiheit, die uns Gott in Jesus schenkt«.

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12. Dezember 2019

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