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Die Versuchung der Weltlichkeit

Die alltägliche Anstrengung aller Christen beim Versuch, die »Versuchung der Weltlichkeit« zu besiegen, die Versuchung, »sich selbst für größer halten als die anderen«, stand im Mittelpunkt der Betrachtungen von Papst Franziskus bei der heiligen Messe in Santa Marta am Dienstag, den 21. Februar.

Eine unvermeidliche Versuchung, erklärte der Papst, der vom Wortgottesdienst ausging. Vor allem die erste Lesung aus dem Buch Jesus Sirach (2,1-3), wo es heißt: »Mein Sohn, wenn du dem Herrn dienen willst, dann sei tapfer und fest in der Gerechtigkeit und Furcht; bereite dich auf die Versuchung vor«. Der Papst erklärte: »Das Leben des Christen ist ein Leben mit Versuchungen« und deshalb »müssen wir auf die Versuchungen vorbereitet sein«, denn »alle werden wir der Versuchung ausgesetzt sein«.

Die Bestätigung findet sich im Markusevangelium (9,30-37), wo berichtet wird, wie Jesus »mit seinen Jüngern entschlossen und unbeirrt nach Jerusalem ging, um seine Sendung zu erfüllen«, jene Sendung, »den Willen des Vaters zu tun«. Jesus kündigte den Jüngern an, was mit ihm in Jerusalem geschehen sollte: »Der Menschensohn wird den Menschen ausgeliefert, und sie werden ihn töten«. Und weiter: »Doch drei Tage nach seinem Tod wird er auferstehen.« Und dennoch »verstanden die Jünger den Sinn seiner Worte nicht und scheuten sich, ihn zu fragen, in den Erklärungen darüber hinauszugehen«, was so weit ging, dass sie sagten: »Wir wollen hier Halt machen. Es ist besser so«. Sie kamen also in »die Versuchung, die Sendung nicht zu vollenden«. Eine Versuchung, betonte der Papst, der auch Jesus selbst »wenigstens zwei Mal« ausgesetzt war. Das erste Mal, in der Wüste, mit den drei Vorschlägen des Teufels, »die Erlösung zu erwirken, jedoch auf einem anderen, leichteren, gängigeren Weg«. Ein weiteres Mal war es dann »Petrus, der ihn in Versuchung führte«, als er zu Jesus, der von seiner Bestimmung sprach, sagte: »Nein, Herr, das soll nie geschehen!« Und auch ihm entgegnete Jesus: »Weiche zurück, Satan!« Denn »Petrus tat dasselbe, was der Teufel, Satan, in der Wüste getan hatte«.

Etwas »Interessantes«, worauf Franziskus bei dem Bericht aus dem Evangelium aufmerksam machte, besteht darin, dass die Jünger »dieses Wort Jesu nicht hören wollten«. Mehr noch: »Sie verstanden diese Worte nicht und scheuten sich, ihn zu fragen.« Die Schwierigkeiten der Jünger werden noch besser klar, wenn man in der Lesung weitergeht. Denn »als sie nach Kafarnaum kamen, fragte sie Jesus: ›Worüber habt ihr unterwegs gesprochen?‹« Und auch hier, betonte der Papst, »schwiegen sie«. Doch dieses Mal schwiegen sie »aus Scham«. Denn wenn sie beim ersten Mal »Furcht« hatten und sich sagten: »Aber nein, wir fragen nicht weiter: es ist besser, wenn wir den Mund halten«, so schämten sie sich nun, da sie unterwegs »miteinander diskutiert hatten, wer von ihnen der Größte sei«. Sie haben sich über diese Diskussion geschämt. Eine zweifache Haltung, die Haltung der Frucht und der Scham, so der Papst: »Sie waren gute Leute, die dem Herrn nachfolgen, die dem Herrn dienen wollten. Aber sie wussten nicht, dass der Weg des Dienstes für den Herrn nicht so leicht war, dass es nicht so war, als trete man in den Dienst einer Einrichtung, eines Wohlfahrtsvereins.« Und »davor fürchteten sie sich«. Auf der anderen Seite hatten sie »die Versuchung der Weltlichkeit«.

Aber Franziskus warnte: das war nicht allein ihre Versuchung: »Vom ersten Moment an, da die Kirche Kirche ist, bis heute, ist dies geschehen, geschieht dies und wird dies geschehen.« Es geschieht dies zum Beispiel »in den Pfarreien«‚ wo es immer »Kämpfe« gibt und man jemanden sagen hören kann: »Ich will der Vorsitzende dieser Vereinigung sein, ich will ein wenig höher klettern«; oder: »Wer ist der Größte hier? Wer ist der Größte in dieser Pfarrei? Nein, ich bin wichtiger als der da, und der da – nein, weil er etwas getan hat...«. Versuchung der Weltlichkeit, bei der »die Kette der Sünden« ihren Anfang nimmt, »schlecht über den anderen zu reden«, oder das Geschwätz, was alles Dinge sind, die nützlich sind, um »hinaufzuklettern«.

Es ist dies eine Versuchung, von der der Klerus nicht frei ist: »Manchmal sagen es wir Priester voller Scham in den Presbyterien: ›Ich möchte diese Pfarrei…‹ – ›Aber der Herr ist hier…‹ – ›Aber ich will die da…‹« Und so geschieht es, dass ein Bischof sagt: »Ich bin in diesem Bistum, aber ich schaue auf das andere, das wichtiger ist«, und er setzt sich in Bewegung, um Druck auszuüben, um den zu suchen, der Einfluss nehmen kann, um zu drängen, um dort hin zu gelangen. Alles in allem, klärte der Papst, »besteht die Sendung darin, dem Herrn zu dienen, doch dann drängt uns das wahre Verlangen viele Male auf den Weg der Weltlichkeit, um wichtiger zu sein«. Dann kann es zur Enttäuschung kommen, wie dies bei den Jüngern Jesu der Fall war, die »zuerst aus Angst und dann aus Scham schwiegen«. Der Papst nannte dies »heilige Scham« und riet dazu, den Herrn »immer um die Gnade der Scham zu bitten, wenn wir uns in diesen Situationen vorfinden.

Das Entscheidungskriterium für unser Handeln angesichts gewisser Versuchungen erklärt Jesus im selben Abschnitt aus dem Evangelium: »Da setzte er sich und sagte zu ihnen: Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein«, und er nahm ein Kind in seine Arme und fügte hinzu: »Werdet wie dieses.« Christus, erklärte der Papst, »kehrt alles um. Die Herrlichkeit und das Kreuz, die Größe und das Kind…«

Dies ist, so der Papst abschließend, ein Abschnitt aus dem Evangelium, der »uns dazu führt, für die Kirche zu beten, für uns alle zu beten, dass der Herr uns vor Ambitionen, vor der Weltlichkeit verteidige, davor, sich größer als die anderen zu fühlen«. Der Herr »schenke uns die Gnade der Scham, jener heiligen Scham, wenn wir uns in dieser Situation befinden«, die Gnade zu sagen: »Ich aber – ich bin fähig, so zu denken? Wenn ich meinen Herrn am Kreuz sehe – und ich will den Herrn benutzen, um höher zu klettern?« Doch er schenke uns auch »die Gnade der Einfachheit eines Kindes« sowie die Gnade zu verstehen, wie wichtig der »Weg des Dienens« ist, und dass wir am Ende eines dem Dienen gewidmeten Lebens sagen können: »Ich bin ein unnützer Sklave.«

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25. März 2019

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