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Die unruhige Besorgnis des Vorläufers Jesu

· Eine neue Statue von Giuseppe Ducrot in der Basilika »Santa Maria degli Angeli e dei Martiri« ·

Alles kam durch einen Irrtum zustande: einen in seiner glatten Einfachheit poetischen, evokatorischen, quälenden Irrtum, aber immer noch ein Irrtum: Jean Antoine Houdon – der französische Bildhauer, der im Alter von kaum 20 Jahren zwischen 1764 und 1774 in Rom einige seiner Meisterwerke schuf – hatte für die Basilika »Santa Maria degli Angeli e dei Martiri« eine Statue des heiligen Johannes des Täufers entworfen – neben einem heiligen Bruno, der dort noch erhalten ist. Der lebensgroße Gipsentwurf des heiligen Johannes allerdings fiel in der Nacht zwischen dem 3. und 4. Juni 1894 aus seiner Nische und zerbrach. Glücklicherweise gibt uns eine im Museo Borghese aufbewahrte und 1768 datierte Kopie der Statue die Möglichkeit, uns eine Vorstellung von ihrem Aussehen zu machen.

Eine schöne, aber bizarre Statue, so der Bildhauer Giuseppe Ducrot. Sie ist vom Écorché inspiriert, dem gehäuteten Präparat, das für anatomische Studien benutzt wurde. Elegant und eindrücklich in ihrer Einfachheit kommt sie vom strukturellen Gesichtspunkt aus allerdings einem Selbstmord gleich: »Sie streckt den rechten Arm im 90-Grad-Winkel aus. Der hätte auch nicht gehalten, wenn er in Marmor ausgeführt worden wäre.« Fast anderthalb Jahrhunderte blieb die Nische leer. Seit einigen Tagen ist der heilige Johannes der Täufer wieder an seinem Platz. Die Leute nähern sich ihm und berühren das Podest, sie spüren den Wunsch, stehenzubleiben und mit dem Blick auf ihn zu beten; seine Präsenz in der Basilika ist deutlich vernehmbar. Sie ist diskret, aber die mit dem Zahneisen bearbeitete und nicht glattpolierte Oberfläche der Statue scheint zu vibrieren, so fängt sie das Licht ein, und das verleiht der Statue eine zarte malerische Wirkung.

Der neue Johannes der Täufer wurde am Spätnachmittag des 21. Juni enthüllt und gesegnet. Dies ist der Hartnäckigkeit des Rektors der Basilika, Msgr. Renzo Giuliani, zu verdanken, der 2011 aus Anlaß des 450jährigen Jubiläums seiner Kirche die Rückkehr der Statue beschlossen hatte; sie wurde privat finanziert von »Fondaco Roma« und »Thun« für die Kunst.

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21. November 2018

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