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Die Topographie des Geistes

· Heilige Messe in Santa Marta ·

Im Leben jedes Christen gibt es drei Orte, die Bezugspunkte sind: Galiläa, der Himmel und die Welt. Ihnen entsprechen drei Begriffe – Gedächtnis, Gebet und Mission –, die den Weg jedes Gläubigen kennzeichnen. Diese »Topographie des Geistes« stand am Freitag, 26. Mai, im Mittelpunkt der Predigt, die Papst Franziskus in der Kapelle von Santa Marta hielt.

Auf die Lesungen vom Tag gestützt, unterstrich der Papst zunächst, dass Jesus in den vierzig Tagen zwischen Auferstehung und Himmelfahrt »mit den Jüngern zusammen war: Er lehrte sie, er begleitete sie, er bereitete sie auf den Empfang des Heiligen Geistes vor… Er gab ihnen Kraft.« Die Heilige Schrift, so Franziskus, verweist uns auf »drei Bezugspunkte für unseren Weg als Christen, drei Begriffe, die uns sagen, wie unser Weg beschaffen sein soll«.

Der Papst erläuterte: Das erst Wort lautet »Galiläa«. Es wird »zur ersten Apostelin, zu Magdalena, gesagt: ›Sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen.‹« Franziskus erklärte, dass es sich um einen Referenzbegriff handelt, der für die Jünger sehr bedeutungsvoll war. Denn in Galiläa hatte »die erste Begegnung mit Jesus stattgefunden. Es ist der Ort, wo Jesus ihnen begegnet war, sie erwählt hat, sie von Anfang an gelehrt hat, sie aufgefordert hat, ihm zu folgen.« Ein »Ort«, den es im Leben jedes Christen gibt: »Jeder von uns hat sein eigenes Galiläa«, unterstrich der Papst. Es ist »der Augenblick, in dem wir Jesus begegnet sind, wo er sich offenbart hat und wir ihn erkannt haben. Und auch wir hatten diese Freude, diese Begeisterung, ihm zu folgen.« Jeder hat sein eigenes Galiläa, das anders ist als das der anderen: »Ich bin dem Herrn so begegnet: diese Familie mit der Mutter, der Großmutter, dem Katecheten…« – »Ich dagegen bin Jesus so begegnet…«

Galiläa verweist letztlich für jeden auf »die Gnade der Erinnerung«, denn »um ein guter Christ zu sein, ist es notwendig, immer die erste Begegnung mit Jesus oder die anschließenden Begegnungen im Gedächtnis zu haben«. Das »wird im Augenblick der Prüfung Sicherheit schenken«.

Der zweite Begriff in dieser »Topographie des Geistes ist Himmel«. Das Wort wird zum Beispiel im Evangeliumsabschnitt von der Himmelfahrt des Herrn gebraucht. Denn »die Apostel hielten den Blick auf den Himmel gerichtet, so dass einige Engel zu ihnen kamen und sagten: ›Was blickt ihr in den Himmel… Er ist gegangen. Er ist dort. Er wird wiederkommen, aber er ist dort.‹«

Der Papst erläuterte: »Himmel ist dort, wo Jesus jetzt ist, aber nicht von uns getrennt – körperlich ja, aber er ist immer mit uns verbunden, um für uns einzutreten«. Dort zeigt Jesus dem Vater »die Wunden, den Preis den er für uns, für unser Heil bezahlt hat«. Wie es notwendig ist, mit der Gnade der Erinnerung auf die erste Begegnung zu blicken, »so müssen wir auch um die Gnade bitten, den Himmel zu betrachten, um die Gnade des Gebets, der Beziehung zu Jesus im Gebet bitten, der uns hört, bei uns ist«. Und wie zu Paulus sagt Jesus auch zu uns: »Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir.« Der Himmel ist also der zweite Bezugspunkt für ein christliches Leben.

Schließlich der dritte Begriff: »Welt«. Im Evangelium der Himmelfahrt ist ebenfalls zu lesen, dass Jesus zu seinen Jüngern sagt: »Geht in die ganze Welt und macht alle Völker zu meinen Jüngern.« Das lässt uns verstehen, dass »der Platz des Christen die Welt ist, um das Wort Jesu zu verkünden, um zu sagen, dass wir gerettet sind, dass er gekommen ist, um uns die Gnade zu schenken, um uns alle zusammen mit ihm vor den Vater zu bringen«.

Das ist »die Topographie des christlichen Geistes«, so Franziskus. »Drei Bezugspunkte unseres Lebens: Gedächtnis (Galiläa), Gebet, Fürbitte (Himmel) und Mission, das heißt in die Welt gehen«. »Ein Christ muss sich in diesen drei Dimensionen bewegen. Er muss um die Gnade des Gedächtnisses bitten, zum Beispiel indem er sagt: Möge ich nie den Augenblick vergessen, in dem du mich erwählt hast. Möge ich die Momente nicht vergessen, in denen wir uns begegnet sind.« Dann ist es notwendig, »zu beten, den Blick auf den Himmel zu richten, weil Jesus dort ist, um für uns einzutreten«. Und schließlich »in Mission gehen«, was nicht heißen soll, »dass alle in fremde Länder gehen müssen: In die Mission gehen bedeutet, das Evangelium zu leben und davon Zeugnis zu geben. Es bedeutet, den Menschen zu zeigen, wie Jesus ist.« Das tut man »mit dem Zeugnis und mit dem Wort. Denn wenn ich sage, wie Jesus ist, wie das christliche Leben aussieht und dann lebe wie ein Heide, dann funktioniert das nicht. Die Mission hat keine Wirkung.«

Kurz zusammengefasst: das »Galiläa der Erinnerung, der Himmel der Fürbitte und des Gebets, die Sendung in die Welt«. Abschließend sagte der Papst: »Wenn wir das christliche Leben so leben, dann wird unser Leben schön sein und es wird auch voller Freude sein.« Dies bringen auch die Worte zum Ausdruck, die Jesus im Tagesevangelium (Joh 16,20-23) spricht: »An jenem Tag, wenn ihr das christliche Leben auf diese Weise lebt, werdet ihr wissen, dass nichts und niemand euch eure Freude nehmen kann«, was für jeden Christen gilt. »Niemand, denn in mir trage ich die Erinnerung an die Begegnung mit Jesus. Ich habe die Gewissheit, dass Jesus in diesem Augenblick im Himmel ist und für mich eintritt. Er ist bei mir und ich bete, ich habe den Mut zu sprechen, aus mir selbst hinauszugehen und zu den anderen zu sprechen und mit meinem Leben zu bezeugen, dass der Herr auferstanden ist, dass er lebt.« Also: »Gedächtnis, Gebet, Mission«.

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