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​Die Stille und das Gebet

Die erste Geste des Papstes in Fatima war ein langes Gebet vor der kleinen Staute der Jungfrau, bevor er ihr als uralten Ehrerweis eine goldene Rose schenkte. In einer beeindruckenden Stille, die nur von Vogelgezwitscher unterbrochen wurde, obwohl mehrere Hunderttausend Menschen auf dem riesigen Platz anwesend waren, wohin in den letzten 50 Jahren bereits drei seiner Vorgänger gekommen waren. Gerade das Gebet war der Zweck dieser sehr kurzen Reise von Bergoglio, der sich beim abendlichen Rosenkranz als Pilger des Lichts, des Friedens, der Hoffnung bezeichnete.

Ein Pilger, der nur gekommen ist, um zur »weißgekleideten Frau« zu beten, die vor einem Jahrhundert »die Pläne der Barmherzigkeit Gottes kundgetan« hat, der gekommen ist als »in Weiß gekleideter Bischof«, um für all jene zu bitten, »die mit den reinen Gewändern der Taufe in Gott leben wollen und die Geheimnisse Christi betend betrachten, um den Frieden zu erlangen«. Er fuhr fort: So »werden wir die in Weiß gekleidete Kirche sein mit den Gewändern, die im Blut des Lammes rein gewaschenen wurden, das auch heute vergossen wird in den Kriegen, welche unsere Welt zerstören«.

Vor dem Hintergrund der bedeutsamen Reise Pauls VI., der nach Fatima kam, um den Frieden zu erflehen, fand die Pilgerreise von Franziskus ebenfalls in einer widersprüchlichen Zeit statt, auf die Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin in seiner Predigt hinwies. Er feierte die heilige Messe nach Anbruch der Dunkelheit, einer Dunkelheit, die mit Tausenden von Kerzenflammen durchsetzt war. Einhundert Jahre nach der ersten Erscheinung der Jungfrau, während in Europa der Krieg wütete, wird heute der Frieden bekräftigt und scheint offensichtlich. Aber zugleich ist er für Millionen Menschen sehr weit entfernt, so dass der Papst vollkommen zu Recht von einem »stückweisen«, diffusen Weltkrieg spricht, der von uneingestandenen ökonomischen Interessen genährt wird.

Hundert Jahre nach den Ereignissen des Jahres 1917 hat der Papst die beiden jüngeren Seherkinder heiliggesprochen, die Geschwister Francisco und Jacinta Marto. Bereits am Abend des 13. Mai brachte Letztere »es nicht fertig, sich zurückzuhalten, und vertraute das Geheimnis ihrer Mutter an: ›Heute habe ich die Muttergottes gesehen.‹ Sie hatten die Himmelsmutter gesehen«, so Bergoglio, wobei er anmerkte, dass nur die Kinder sie gesehen hätten und hinzufügte: Maria »ist nicht hierher gekommen, damit wir sie sehen: dafür werden wir die ganze Ewigkeit haben, wohlgemerkt wenn wir in den Himmel kommen.« Tatsächlich sei die Jungfrau, die »vor der Gefahr der Hölle warnt, zu der ein – oftmals gängiges und vorgezeichnetes – Leben ohne Gott führt, das Gott in seinen Geschöpfen entehrt, […] aber gekommen, um uns an das Licht Gottes zu erinnern, das in uns wohnt und uns umhüllt«.

Das also ist das Geheimnis von Fatima, eine Botschaft, die keineswegs in Aufsehen erregenden Enthüllungen verborgen ist. »Keine großen Geheimnisse werden enthüllt; der Vorhang vor der Zukunft wird nicht aufgerissen«, schrieb Kardinal Ratzinger im Jahr 2000, da der Sinn der Botschaft darin bestehe, nach einem von schrecklichen Kriegen und Verfolgungen der Kirche gezeichneten Jahrhundert »die Kräfte der Veränderung zum Guten hin zu mobilisieren«. In diesem Sinne sagte Franziskus mit den Worten Pauls VI.: »Wenn wir Christen sein wollen, müssen wir auch marianisch sein. Das heißt, wir müssen die wesentliche, lebendige und von der Vorsehung bestimmte Beziehung anerkennen, die Maria mit Jesus verbindet und die uns den Weg eröffnet, auf dem sie uns zu ihm führt.« Indem wir ganz einfach dem Weg folgen, den uns das Evangelium zeigt, so wie Maria, die erste Zeugin des Evangeliums.

Giovanni Maria Vian

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19. Oktober 2018

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