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Die stärkste Kraft

Als das Profil der Insel Leyte in Sicht kam, empfing peitschender Regen das Papstflugzeug, der auch bis zum Abflug über vier Stunden später nicht nachließ. Die vor etwas mehr als einem Jahr vom Taifun Haiyan – der auf den Philippinen den Namen Yolanda trägt und Tausende Opfer gefordert sowie schwerste Schäden verursacht hat – verwüstete Insel war neben Manila ein Ziel, das dem Papst sehr am Herzen lag.

Allerdings musste er aufgrund des Sturms Mekkhala (Amang) das Programm beschleunigen. Der zeitweise sehr heftige Wind verursachte sogar den tragischen Tod einer freiwilligen Helferin und verhinderte den Abflug eines weiteren Flugzeugs, das von der Startbahn rutschte – sofort nach dem Flugzeug, das den Papst in die Hauptstadt zurückbrachte.

In Tacloban waren bei strömendem Regen fast zweihunderttausend Gläubige bei der heiligen Messe anwesend, vielleicht ebenso viele säumten die Straßen, um auch nur einen Augenblick den liebevoll in Lolo Kiko umbenannten Papst vorbeifahren zu sehen, der – vom Regem total durchnässt – nicht müde wurde, sie zu begrüßen. Als der Moment der Predigt gekommen war, beschloss der Papst den vorbereiteten Text zu vereinfachen und sprach frei auf Spanisch: »Und – wenn ich euch etwas Persönliches mitteilen darf – als ich von Rom aus diese Katastrophe sah, habe ich gespürt, dass ich hier sein musste. An jenem Tag, in jenen Tagen habe ich entschieden, die Reise hierher zu unternehmen. Ich wollte kommen, um bei euch zu sein… Ein bisschen spät, werdet ihr mir sagen; das ist wahr, doch hier bin ich«, sagte er.

Franziskus blickte auf das Kreuz und dann auf eine Muttergottesstatue mit dem Jesuskind auf den Armen und einem weiteren Kind zu ihren Füßen und verstand es, in seinen Worten das Mitleid Gottes zu erläutern: »Ich bin hier, um euch zu sagen, dass Jesus der Herr ist; dass Jesus nicht enttäuscht. ›Vater‹, könnte mir einer von euch sagen, ›mich hat er enttäuscht, denn ich habe mein Haus verloren, habe meine Familie verloren, habe alles verloren, was ich besaß, und ich bin krank.‹ Es stimmt, was du mir sagst, und ich respektiere deine Gefühle. Doch ich sehe Ihn, ans Kreuz genagelt, und von dort aus enttäuscht er uns nicht.« Und weiter: »Und bei ihm am Kreuz stand seine Mutter. Wir sind wie dieser kleine Junge… Klammern wir uns wie der kleine Junge, der da unten steht, an ihre Schürze und sagen wir in unserem Herzen zu ihr: ›Mutter…‹ Lasst uns schweigend dieses Gebet ausdrücken.«

Auch im größten Schmerz, fuhr der Papst fort, »sind wir nicht allein, wir haben eine Mutter, wir haben Jesus, unseren großen Bruder. Wir sind nicht allein. Und wir haben auch viele Brüder und Schwestern, die uns im Moment der Katastrophe zu Hilfe gekommen sind. Und auch wir selbst empfinden uns mehr als Geschwister…, die wir uns gegenseitig geholfen haben.« Das sind die Früchte des Mitleids Gottes, der mit dem Menschen leidet. »Hier wurde der stärkste Sturm, der je auf der Erde verzeichnet wurde, von der stärksten Kraft des Universums überwunden: von der Liebe Gottes. Wir sind heute Morgen hier, um Zeugnis zu geben von dieser Liebe, von ihrer Macht, Tod und Verwüstung in Leben und Gemeinschaft zu verwandeln«, ist in der vorbereiteten Predigt zu lesen.

Während Regen und Wind zunahmen, brachte Franziskus mit drei Gesten seine Anteilnahme zum Ausdruck: Im Erzbischöflichen Haus in Palo, das vom Taifun schwer beschädigt worden war, aß er mit dreißig Familien von Überlebenden der Tragödie zu Mittag; er segnete eine neues Zentrum für Arme und er betete abschließend mit Ordensleuten, Priestern und Seminaristen in der Kathedrale. Gemeinsam mit sehr vielen Helfern sind sie es, die sich auf tausenderlei Weise für die Überlebenden aufopfern und sich für Ihn hingeben: stille Zeugen der Barmherzigkeit Gottes und der Kraft des Evangeliums.

g.m.v

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23. April 2019

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