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Die Problematik des Vaterunsers

Das Vaterunser-Gebet ist wieder einmal in den Medien thematisiert worden, aufgrund der Bitte, die im Italienischen für gewöhnlich mit »non ci indurre in tentazione« (und führe uns nicht in Versuchung) wiedergegeben wird, die aber in der in der 2008 von der Italienischen Bischofskonferenz verabschiedeten Übersetzung (die in den liturgischen Gebrauch bisher aber noch nicht Einzug gehalten hat) in »non abbandonarci alla tentazione« (sinngemäß: undüberlasse uns nicht der Versuchung) abgewandelt wurde. Die französischen Bischöfe haben sich dem, wie der Papst unlängst erinnert hat, angeschlossen, während der deutsche Episkopat – vor allem auch aus Gründen der Ökumene – die gewohnte und verbreitete Fassung bevorzugt.

Dieser Frage wird in der nächsten Ausgabe der Zeitschrift »Civiltà Cattolica« der jesuitische Bibelkundler Pietro Bovati nachgehen, der daran erinnert, dass dieses Thema bereits in den ersten Jahrhunderten debattiert worden sei, und er schlägt vor, den Satz mit »non introdurci alla prova« (stelle uns nicht auf die Probe) zu übersetzen. Er kommt, nachdem er knapp die Literatur zu Bibel Revue passieren lässt, zu dem Schluss, dass es gerade »das Gebet sei, das die Probe, statt Gelegenheit zum Bösen zu sein«, auf geistlicher Ebene zu einem günstigen Augenblick werden lasse.

Bovatis Anregung stimmt im Wesentlichen überein mit den frühchristlichen Interpretationen, wie der italienischen Neuauflage einer von dem franziskanischen Patristiker Adalbert Hamman (1910-2000) herausgegebenen Textsammlung entnommen werden kann. Die Texte, die der französische Gelehrte 1951 in dem Band Il Padre Nostro. Letto dai Padri della Chiesa gesammelt hat (Rom, Castelvecchi, 2017, 96 S., EUR 12,50), stammen von acht spätantiken Autoren, vier lateinischen (Tertullian, Cyprian, Ambrosius, Augustinus) und vier griechischen (Origenes, Kyrill von Jerusalem, Gregor von Nyssa, Theodor von Mopsuestia), unter Hinzufügung eines kurzen, dem heiligen Franz von Assisi zugeschriebenen Kommentars, der sich darauf beschränkt, zu spezifizieren, dass die Versuchung »offenbar oder versteckt, plötzlich oder lästig« sein könne.

Bereits Tertullian, der erste, der das Gebet, das Jesus uns gelehrt hat, kommentierte, schrieb zu Beginn des 3. Jahrhunderts, in der Anfangszeit der lateinischen christlichen Literatur, dass die Anrufung [Führe uns nicht in Versuchung] »fern [von dem] Schein sei, als versuche der Herr! Das wäre, als wenn er den Glauben eines jeden nicht kennte oder sich freute, ihn zum Falle zu bringen; Schwäche und Bosheit ist Sache des Teufels.« Einige Jahrzehnte später wird dann Origenes ausführlich und scharfsinnig die Problematik des Textes und die paradoxe Nützlichkeit der Versuchung darlegen: »Was unsere Seele so in sich aufgenommen hat, dass es außer Gott allen, auch uns selbst, verborgen ist, das wird durch die Versuchungen offenbar, damit unser eigentliches Wesen nicht mehr verborgen bleibt, sondern wir uns auch selbst erkennen und bei gutem Willen die eigenen sittlichen Mängel wahrnehmen und für das uns durch die Versuchungen sichtbar gewordene Gute Dank sagen.« Und abschließend fügt er hinzu, dass »das, was um der menschlichen Schwachheit willen noch fehlt, wird, wenn wir von uns aus alles tun, Gott ergänzen, der denen, die ihn lieben, in allem zum Guten mithilft«.

g.m.v.

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23. Mai 2018

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