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Die Metapher des »Stopfens«

»Stopfarbeiten«, so ist diese Nummer von »Frauen – Kirche Welt« überschrieben. Dieser Begriff wird hier, ebenso wie der ähnliche Begriff des »Webens« im übertragenen Sinn gebraucht. Es geht um Frauen, die das Gewebe der Gesellschaft stopfen, die die von den Menschen verursachten sozialen Risse flicken. Manchmal handelt es sich dabei um Löcher, bei denen Leben oder Tod der Menschen auf dem Spiel steht, mitunter handelt es sich um Risse in einer von der Mafia und der Ungleichheit dominierten Gesellschaft, andere Male um durch Kriege verursachte Schäden. Diese Frauen, von denen hier die Rede ist, bedienen sich der uralten weiblichen Fertigkeit des Webens und Stopfens, um den Stoff der Gesellschaft, in der wir leben, nach Kräften auszubessern.

Es gibt keine Schulen für die syrischen Kinder im Libanon, wo Diala Brisly nach ihrer Flucht aus Syrien gelebt hat und wo sie ihr Auge für Farben und ihre Begabung fürs Zeichnen dafür nutzt, ihnen zu helfen und sie aus dem Abgrund zu holen, in den sie geraten sind. Und man fragt sich, was aus einer Gesellschaft werden soll, in der keiner mehr etwas lernt und in der diejenigen, die die Fäden wieder miteinander verknüpfen, allzu wenige sind. In Kenia hat Tegla Loroupe, eine Marathonläuferin, die auf zahlreiche Siege zurückschauen kann, eine Vereinigung gegründet, die sich um die Beilegung der Konflikte bemüht und die Kinder unterrichtet und dadurch dem Krieg entzieht. Fünf sudanesische Kinder ihrer Organisation haben an den olympischen Spielen in Rio teilgenommen. Versuchen wir einmal, uns vorzustellen, was dabei in ihnen vorgegangen sein muss. Und in Frankreich gibt es Friseursalons und Schönheitsinstitute für arme Frauen, die dort für zwei oder drei Euro Behandlungen genießen können, die normalerweise ein Mehrfaches kosten. Die Frauen lernen dort, sich zu pflegen, fähig zu sein, ein Vorstellungsgespräch zu führen, sich wieder im Spiegel anschauen zu können. Wer dort arbeitet, hat zuvor mit reicher Kundschaft gearbeitet und sich dann dafür entschieden, sein Talent denen zur Verfügung zu stellen, die nichts haben. In Palermo wiederum hat eine Ordensfrau in den ärmsten Vierteln der Stadt Orte der Begegnung und der gemeinsamen Nutzung geschaffen, die den Fangarmen der Mafia entzogen sind und die ohne Hilfe seitens der Institutionen auskommen. Orte, an denen alle verantwortungsbewusster werden und mitwirken können.

Anna Foa

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20. April 2019

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