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Die Luft, die der Christ einatmet, ist die Hoffnung

· ​Messe in Santa Marta ·

Die Hoffnung ist, als werfe man den Anker aus zum anderen Ufer. Papst Franziskus bediente sich dieses Bildes in der Messe im Haus Santa Marta am Dienstag, 29. Oktober, um dazu ermutigen, »in Spannung« hin zur Begegnung mit dem Herrn zu leben, andernfalls ende man in der Korruption und Verdorbenheit, und so laufe das christliche Leben Gefahr, zu einer »philosophischen Lehre« zu werden.

Die Betrachtung ging von der ersten Lesung der heutigen Liturgie aus, die dem Brief des heiligen Paulus an die Römer entnommen ist (Röm 8,18-25), wo der Apostel »eine Hymne auf die Hoffnung singt«. Sicherlich hätten sich »einige Römer« beschwert, und Paulus ermahne, nach vorne zu schauen. »Ich bin nämlich überzeugt, dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll«, sage er und spreche auch von der Schöpfung, die auf die Offenbarung »wartet«. »Das ist die Hoffnung: ausgerichtet auf die Offenbarung des Herrn zu leben, hin zur Begegnung mit dem Herrn«, betonte also der Papst.

Es könne Leiden und Probleme geben, aber »das ist morgen«, während »du heute die Anzahlung« dieser Verheißung hättest, die der Heilige Geist sei, der schon von diesem Moment an »auf uns wartet« und »arbeitet«. Die Hoffnung sei in der Tat so, »als werfe man den Anker zum anderen Ufer« und halte sich am Seil fest. Doch »nicht nur wir«, die gesamte Schöpfung »wird in der Hoffnung befreit werden«, sie werde in die Herrlichkeit der Kinder Gottes eingehen. Und auch wir, die »wir die Erstlingsfrüchte des Geistes«, die Anzahlung, besäßen, »stöhnen innerlich und warten auf die Annahme«.

»Die Hoffnung besteht darin, immer in dieser Spannung zu leben; zu wissen, dass wir hier nicht nisten können: das Leben des Christen ist ›in Spannung‹«, unterstrich der Papst. »Wenn ein Christ diese Perspektive verliert«, so seine Warnung, »wird sein Leben statisch und die Dinge, die sich nicht bewegen, werden korrumpiert und gehen schlecht. Denken wir an das Wasser: wenn das Wasser still ist, nicht fließt, nicht in Bewegung ist, dann wird es schlecht. Einem Christen, der es nicht vermag, sich auszustrecken, zum anderen Ufer hin gespannt zu sein, fehlt etwas: er wird korrumpiert, verdorben. Für ihn wird das christliche Leben eine philosophische Lehre sein, er wird es so leben, er wird sagen, es ist Glaube, aber ohne Hoffnung ist es das nicht«.

Papst Franziskus merkte dann an, dass es »schwierig« sei, »die Hoffnung zu verstehen«. Wenn wir vom Glauben sprächen, bezögen wir uns auf »den Glauben an Gott, der uns geschaffen hat, an Jesus, der uns erlöst hat, und auf das Beten des Glaubensbekenntnisses, und wir kennen konkrete Dinge des Glaubens«; wenn wir über die Liebe sprächen, dann gehe es darum, »dem Nächsten, den anderen Gutes zu tun, viele Werke der Nächstenliebe, die dem anderen getan werden«. Doch die Hoffnung sei schwer zu verstehen: »sie ist die bescheidenste der Tugenden«, die »nur die Armen haben können«.

»Und wir wollen Männer und Frauen der Hoffnung sein, wir müssen arm sein, arm und an nichts gebunden. Arm. Und offen für das andere Ufer«, erklärte der Papst, der in Erinnerung reif: »Die Hoffnung ist niedrig, und sie ist eine Tugend, an der – sagen wir es so – jeden Tag gearbeitet wird: jeden Tag müssen wir sie wieder aufnehmen, jeden Tag müssen wir das Seil nehmen und sehen, dass der Anker dort befestigt ist und ich ihn in meiner Hand halte; jeden Tag muss man sich daran erinnern, dass wir die Anzahlung haben, die der Geist ist, der mit kleinen Dingen in uns wirkt«.

Damit die Menschen verstünden, wie man die Hoffnung leben solle, verwies der Papst dann auf die Lehre Jesu im heutigen Abschnitt aus dem Evangelium (Lk 13,18-21), wo er das Reich Gottes mit dem ins Feld geworfenen Senfkorn vergleiche. »Wir warten darauf, dass es wächst«, wir gingen nicht jeden Tag hin, um zu sehen, wie es ihm ergehe, denn sonst »wird es nie wachsen«, betonte Franziskus unter Verweis auf die »Geduld«, denn wie Paulus sage: »die Hoffnung bedarf der Geduld«. Es sei »die Geduld zu wissen, dass wir säen, aber dass es Gott ist, der das Wachstum schenkt. Die Hoffnung ist handwerklich, klein«, fuhr der Papst fort, sie bestehe darin, »ein Korn auszusäen und darauf zu warten, dass die Erde ihm Wachstum schenkt«.

Um von der Hoffnung zu sprechen, bedient sich Jesus im vom Papst kommentierten Abschnitt aus dem Evangelium auch des Bildes des »Sauerteigs«, »den eine Frau nahm und unter drei Sea Mehl verbarg, bis das Ganze durchsäuert war«. Ein Sauerteig, der nicht im Kühlschrank aufbewahrt, sondern »im Leben verknetet« werde, so wie das Korn unter der Erde vergraben werde.

»Aus diesem Grund ist die Hoffnung eine Tugend, die man nicht sieht: sie arbeitet von unten; sie bringt uns dazu, von unten zu schauen. Es ist nicht leicht, in Hoffnung zu leben, aber ich würde sagen, dass sie die Luft sein sollte, die ein Christ atmet, eine Luft der Hoffnung; andernfalls wird er nicht gehen können, er wird nicht weitergehen können, weil er nicht weiß, wohin er gehen soll« erklärte Papst Franziskus, der abschließend unterstrich: »Die Hoffnung – ja, das ist gewiss – sie gibt uns eine Sicherheit: die Hoffnung enttäuscht nicht. Nie. Wenn du hoffst, wirst du nicht enttäuscht werden. Wir müssen uns dieser Verheißung des Herrn öffnen, nach dieser Verheißung hingestreckt, doch in dem Wissen, dass da der Geist ist, der in uns arbeitet. Möge der Herr uns allen diese Gnade schenken, in Spannung zu leben, in Spannung, aber nicht wegen der Nerven, der Probleme, nein: in Spannung wegen des Heiligen Geistes, der uns hin zum anderen Ufer auswirft und uns in Hoffnung hält«.

Von Debora Donnini

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19. November 2019

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