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Die Kraft der Frauen

· ​Messe in Santa Marta ·

»Allein die Kraft der Frauen ist fähig, einer kulturellen und ideologischen Kolonialisierung zu widerstehen«: dies bezeugt die Geschichte, von der Bibel bis hin auch zur italienischen Widerstandsbewegung und zu den völkermörderischen Diktaturen Europas des vergangenen Jahrhunderts. Und das Geheimnis der Fähigkeit der Frauen, mit »Mut und Zärtlichkeit« die Geschichte eines Volkes zu verteidigen, besteht darin, den Glauben weiterzugeben und dabei auf das Gedächtnis und den Dialekt zu zählen, die Fähigkeit, sich den Kindern verständlich zu machen und sie so echte Werte zu lehren und sie vor den »Indoktrinierungen« zu retten. Es war eine wahre Lobrede auf die Frauen, die Papst Franziskus am Donnerstag, 23. November, bei der Messe in Santa Marta anstimmte.

»In der ersten Lesung«, merkte der Papst sogleich an und bezog sich dabei auf die erste Lesung aus dem ersten Buch der Makkabäer (2,15-29), »haben wir gehört, wie diese kulturelle Kolonialisierung durch König Antiochus Epiphanes fortgesetzt wird: wie immer eignet jeder kulturellen und ideologischen Kolonialisierung derselbe Stil, und wir können es sehen«. Insbesondere, so erklärte er, »besteht eines der Erkennungsmerkmale einer kulturellen Kolonialisierung darin, dass sie die Freiheit nimmt: diese Leute hatten nicht das Recht zu denken, alle miteinander mussten so und so denken«. Und »ein weiteres Erkennungsmerkmal ist die Auslöschung der Geschichte, nicht mehr zu erinnern«, als sage man: »die Geschichte beginnt mit mir, sie beginnt jetzt, mit der Erzählung, die ich jetzt mache, nicht mit der Erinnerung, die sie euch vermittelt haben«.

»Das dritte Erkennungsmerkmal hat mit der Erziehung zu tun«, fuhr der Papst fort, der unterstrich: »jede kulturelle und ideologische Kolonialisierung zwingt etwas auf, will der Jugend ein Erziehungssystem aufzwingen. Immer. Und darum kümmert sie sich«. Im übrigen, so Franziskus, »denkt an das, was die Diktaturen des vergangenen Jahrhunderts in Europa getan haben«, und »wie ihre Sorge darin bestand: ›was machen wir mit der Jugend, machen wir es so?‹«

»Ich will keine Namen nennen«, erklärte der Papst: »ihr wisst wohl um die Namen, die sie diesen Schulen der Indoktrinierung der Jugend gaben: man nimmt die Freiheit weg, man dekonstruiert die Geschichte, das Gedächtnis des Volkes, und man zwingt der Jugend ein Erziehungssystem auf. Alle tun dies so, einige auch mit Samthandschuhen«. Und es geschehe, »dass ein Land, eine Nation um einen Kredit bittet«, und die Antwort darauf laute: »Ich gewähre ihn dir, doch du musst in den Schulen das und das und das lehren«. Und »und sie geben dir die Bücher an, die alles auslöschen, was Gott geschaffen hat und wie er es geschaffen hat. Sie löschen die Unterschiede aus, sie löschen die Geschichte aus: von heute an beginnt man, so zu denken, und wer nicht so denkt, wird beiseite gelassen und auch verfolgt«.

Gerade dies, so der Papst, »ist die Geschichte dieser kulturellen und ideologischen Kolonialisierung, die das Volk Gottes erlitt, die es erlitt, als Leute aus dem Volk Gottes selbst hingegangen sind, um diese Ideen eindringen zu lassen: sie nehmen die Freiheit und führen die Verfolgungen ein«. Und tatsächlich »haben wir gesehen, wie die Gläubigen verfolgt werden: auch hier, im vergangenen Jahrhundert in Europa, sind jene, die sich den völkermörderischen Diktaturen widersetzen, verfolgt worden«. Doch »auch heute, wenn da eine kulturelle Kolonialisierung mit Samthandschuhen stattfindet: wenn du nicht diesen neuen Weg einschlägst, dann wird dieser Platz nicht für dich sein, er wird für einen anderen sein, du darfst nicht im Leben weitergehen, sie nehmen Einfluss auf dein Leben. Das ist eine andere Form der Folter. Sie nehmen dir die Freiheit«.

Und nicht nur das. Denn »dann nehmen sie dir die Erinnerung«, erklärte der Papst. Gerade so, »keine Erinnerung: das sind nur Märchen. Nichts. Ja, die Erzählung, die ich für euch konstruiere: an die muss man glauben, die Geschichte beginnt mit uns, die anderen Dinge der Vergangenheit sind Lügen, altes Zeug«.

»Interessant ist«, erklärte der Papst und nahm dabei Bezug auf die biblische Geschichte der Makkabäer-Brüder, »das Wort, das die Mutter zum jüngsten ihrer Söhne sagt: ›Sei deiner Brüder würdig‹ – ›Sei deines Volkes würdig. Habe Gedächtnis. Gib es nicht billig weg‹«. Das ist eine Einladung, so der Papst, »die Erinnerung zu bewahren: das Gedächtnis des Heils, das Gedächtnis des Volkes Gottes, jenes Gedächtnis, das den Glauben dieses von dieser ideologisch-kulturellen Kolonialisierung verfolgten Volkes stark machte«. Und »die Erinnerung ist es, die uns hilft, jedes perverse Erziehungssystem zu besiegen: sich der Werte erinnern, der Geschichte, sich der Dinge erinnern, die wir gelernt haben«.

Franziskus wollte in seiner Betrachtung auf die Gestalt der Mutter zurückkommen: »Der Text sagt, dass die Mutter zweimal ›in ihrer Muttersprache‹ sprach: sie sprach im Dialekt. Und es gibt keine kulturelle Ideologisierung, die den Dialekt besiegen könnte«. Der Dialekt »hat geschichtliche Wurzeln«.

So also, fuhr der Papst fort, »›sprach die Mutter in der Sprache der Väter‹, im Dialekt, und aus diesem Grund verstanden der König und der Dolmetscher nicht«. Und sie sprach, »indem sie die weibliche Zartheit mit einem männlichen Mut härtete; das lässt uns daran denken, dass allein die Kraft der Frauen fähig ist, einer kulturellen Kolonialisierung zu widerstehen«. Ein Wort, »Widerstand«, das »hier in Italien ein großes geschichtliches Echo hat, und das es verstand, jene Kolonialisierungen zu besiegen«.

»Auch haben wir mit vielen Kolonialisierungen zu tun, die alles zerstören wollen und wieder einmal anfangen«, sagte der Papst. Kolonialisierungen, aus denen sich mittlerweile ergebe, dass es neue »Werte« gebe und »die Geschichte hier anfängt«, der Rest »ist Vergangenheit«. Genau dasselbe, was »mit Antiochus Epiphanes geschehen ist, geschieht jedes Mal, wenn auf der Erde eine neue kulturelle oder ideologische Diktatur entsteht, die eine Kolonialisierung ist«. Doch »es gibt zwei Dinge, die uns immer verteidigen: die Erinnerung und der Dialekt«. Und »wer gibt die Erinnerung und den Dialekt weiter? Die Frauen, die stärker sind als die Männer«.

»Mit dem Blick auf diese Frau«, erklärte Franziskus, »wollen wir nachdenken: wie wird der Glaube weitergegeben? Im Dialekt! Den wahren Glauben lernt man von den Lippen der Mutter. Jener Dialekt, den nur ein Kind verstehen kann«. Später »werden die Theologen ihn erklären, doch die Weitergabe vollzieht sich so«. Und »das ist ein Beispiel, wie die Mütter, wie die Frauen fähig sind, ein Volk zu verteidigen, die Geschichte eines Volkes zu verteidigen, die Kinder zu verteidigen: den Glauben weiterzugeben«.

»Wenn Eleasar«, fügte der Papst hinzu und bezog sich dabei auf eine im Buch der Makkabäer vorkommende biblische Gestalt, wie sie die Liturgie der vergangenen Tage unterbreitete, »zum Spross für die Jugend geworden ist, gegen jenen gottlosen Spross, der Antiochus Epiphanes war, so wurde diese Frau zum Gedächtnis: zum Gedächtnis, das alles erweckt, was in der Kindheit gesät wurde und was nicht Gegenstand von Verhandlungen sein kann, was nicht einfach so an die Vorschläge irgendeiner kulturellen Kolonialisierung verkauft werden kann«. Im Übrigen, so erkannte der Papst an, »ging das Volk Gottes durch die Kraft vieler tüchtiger Frauen voran, die es verstanden, ihren Kindern den Glauben zu geben, und nur sie – die Mütter – verstehen es, den Glauben im Dialekt weiterzugeben«.

Abschließend sprach Franziskus im Gebet die Hoffnung aus: »der Herr schenke uns in der Kirche immer die Gnade, Gedächtnis zu haben, den Dialekt der Väter nicht zu vergessen und mutige Frauen zu haben«.

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18. Juli 2018

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