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Die kleinen Dinge in Betracht ziehen

· Messe in Santa Marta ·

Wie eine Mutter oder wie ein Vater, die sich voll Zärtlichkeit mit einem Kosenamen rufen lassen, ist Gott da und singt dem Menschen ein Wiegenlied, vielleicht indem er mit einer kindlichen Stimme spricht, um sicher zu sein, verstanden zu werden, und ohne zu fürchten, sich sogar »lächerlich« zu machen, denn das Geheimnis seiner Liebe ist »der Große, der sich klein macht«. Dieses Zeugnis der Väterlichkeit – eines Gottes, der einen jeden bittet, ihm seine Wunden zu zeigen, um sie heilen zu können, wie dies der Papa mit seinem Kind tut – unterstrich Papst Franziskus bei der Messe in Santa Marta am Donnerstag, den 14. Dezember.

Der Papst ging von der ersten Lesung aus »dem Buch der Tröstungen Israels des Propheten Jesaja« aus (41,13-20) und machte sofort darauf aufmerksam, dass dort »ein Charakterzug unseres Gottes« unterstrichen werde, »ein Charakterzug, der ihn genau definiert: die Zärtlichkeit«. Im Übrigen, fügte er hinzu, »haben wir auch im Psalm 145 gesagt: ›Sein Erbarmen waltet über all seinen Werken‹«.

»Dieser Abschnitt aus dem Buch Jesaja«, erklärte er, »beginnt mit der Vorstellung Gottes: ›Ich bin der Herr, dein Gott, der deine rechte Hand ergreift und der zu dir sagt: Fürchte dich nicht, ich habe dir geholfen‹«. Doch »eines der ersten Dinge, das in diesem Text beeindruckt«, ist, wie Gott »es dir sagt: Fürchte dich nicht, du armer Wurm Jakob, du kleines Israel«. Gott also, so der Papst, »spricht wie der Papa mit dem Kind«. Und in der Tat: »wenn der Papa mit dem Kind sprechen will, dann wird seine Stimme sanft und er versucht auch, sie der eines Kindes ähnlicher werden zu lassen«. Mehr noch, »wenn der Papa mit dem Kind spricht, dann scheint er ein wenig lächerlich zu sein, denn er wird zum Kind: und das ist die Zärtlichkeit«.

Deshalb »spricht Gott so mit uns, er liebkost uns so: ›Fürchte dich nicht, Wurm, Würmlein, Kleines‹«. Dies gehe so weit, dass »es den Anschein hat, als wolle unser Gott uns ein Wiegenlied singen«. Und, so die Versicherung des Papstes, »unser Gott ist dazu fähig, so ist seine Zärtlichkeit: er ist Vater und Mutter«.

Im Übrigen, erklärte Franziskus: »hat er oft gesagt: ›Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen… ich vergesse dich nicht‹. Er trägt uns in seinem Inneren«. Also »ist er der Gott, der sich mit diesem Dialog klein macht, um uns verstehen zu lassen, um uns dazu zu bringen, Vertrauen in ihn zu haben und ihn mit dem Mut des Paulusanreden zu können, der das Register wechselt und sagt: ›Papa, Abba, Papa‹. Und das ist die Zärtlichkeit Gottes.«

Wir stehen, so der Papst, vor »einem der größten Geheimnisse, es ist dies etwas vom Schönsten: unser Gott verfügt über diese Zärtlichkeit, die sich uns nähert, und er rettet uns durch diese Zärtlichkeit «. Gewiss, fuhr er fort, »bisweilen züchtigt er uns, aber er liebkost uns«. Es sei immer »die Zärtlichkeit Gottes«. Und »er ist der Große: ›Fürchte dich nicht…, ich habe dir geholfen…, dein Erlöser ist der Heilige Israels‹«. Und so »ist er der große Gott, der klein wird und in seiner Kleinheit nicht aufhört, groß zu sein. Und in dieser Dialektik ist der Kleine groß: es ist da die Zärtlichkeit Gottes, der Große, der klein wird, und der Kleine, der groß ist«.

»Weihnachten hilft uns, das zu begreifen: in jener Krippe der kleine Gott«, unterstrich Franziskus, der sagte: »Mir kommt ein Satz des heiligen Thomas in den Sinn, im ersten Teil der Summa. Als er Folgendes erklären wollte: ›Was ist Göttlich? Was ist das Göttlichste?‹, sagt er: ›Non coerceri a maximo contineri tamen a minimo divinum est‹ [Nicht umschlossen werden vom Größten, sich umschließen lassen vom Kleinsten – das ist göttlich]«. Das heißt: das Göttliche besteht darin, Ideale zu haben, die nicht von dem begrenzt sind, was da am Größten ist, sondern Ideale, die gleichzeitig in den kleinsten Dingen des Lebens enthalten sind und gelebt werden. Es sei dies also, so der Papst, eine Einladung, »nicht vor den großen Dingen zu erschrecken, sondern die kleinen Dinge in Betracht zu ziehen: das ist göttlich, beides zusammen«. Und diesen Satz kennen die Jesuiten gut, denn »er wurde genommen, um einen der Grabsteine des heiligen Ignatius zu machen, gleichsam um auch jene Kraft des heiligen Ignatius und auch seine Zärtlichkeit zu beschreiben«.

»Es ist der große Gott, der die Kraft zu allem hat«, erklärte der Papst und bezog sich dabei erneut auf den Abschnitt aus dem Buch Jesaja, »doch er wird klein, um uns nahe zu kommen, und dort hilft er uns, er verheißt etwas: ›Siehe, zu einem Dreschschlitten mache ich dich, Berge wirst du dreschen und sie zermalmen, und Hügel machst du zu Spreu. Du aber jubelst über den Herrn, du rühmst dich des Heiligen Israels.‹« Das seien »alles Verheißungen, um uns zu helfen, vorwärtszugehen: ›Der Gott Israels wird dich nicht verlassen. Ich bin bei dir‹«.

»Aber wie schön ist es doch«, rief Franziskus aus, »auf diese Weise die Zärtlichkeit Gottes zu betrachten! Wenn wir nur an den großen Gott denken wollen, aber das Geheimnis der Menschwerdung vergessen, jene Herablassung Gottes unter uns, jenes Entgegenkommen: der Gott, der nicht nur Vater ist, sondern Papa«.

In diesem Zusammenhang empfahl der Papst einige Reflexionslinien für eine Gewissenserforschung: »Bringe ich es fertig, mit dem Herrn zu sprechen, oder fürchte ich mich? Ein jeder antworte! Doch jemand könnte sagen, könnte fragen: was ist der theologische Ort der Zärtlichkeit Gottes? Wo kann man die Zärtlichkeit Gottes gut finden? Was ist der Ort, wo sich die Zärtlichkeit Gottes am Besten offenbart?« Die Antwort laute: »die Wunde: meine Wunden, deine Wunden, wenn meine Wunde auf die seine trifft. In ihren Wunden werden wir geheilt«.

»Gerne stelle ich mir vor«, so gestand der Papst, indem er die Inhalte des Gleichnisses vom barmherzigen Samariter anführte, »was jenem armen Mann zugestoßen ist, der auf dem Weg von Jerusalem nach Jericho in die Hände von Räubern gefallen war, was geschehen ist, als er wieder zu Bewusstsein kam und sich im Bett wiederfand«. Gewiss habe er den Wirt gefragt: ›Was ist geschehen?‹, und der arme Mann hat es ihm dann erzählt: ›Du wurdest geschlagen, du hast das Bewusstsein verloren‹ – ›Aber warum bin ich hier?‹ – ›Weil einer gekommen ist, der dir die Wunden gesäubert hat. Er hat dich verarztet, er hat dich hierher gebracht, er hat für die Pension bezahlt und gesagt, dass er zurückkehren wird, um die Rechnung zu begleichen, wenn noch mehr zu bezahlen ist‹«.

Gerade »das ist der theologische Ort der Zärtlichkeit Gottes: unsere Wunden«, so der Papst. Was also »fordert der Herr von uns? ›Komm, komm, komm, lass mich deine Wunden sehen, lass mich deine Wunden sehen. Ich will sie berühren. Ich will sie heilen‹«. Und es sei »dort, in der Begegnung unserer Wunde mit der Wunde des Herrn, wo der Preis für unser Heil liegt, dort ist die Zärtlichkeit Gottes«.

Abschließend empfahl Franziskus, an all dies »heute den Tag über« zu denken, »und wir wollen versuchen, diese Einladung des Herrn zu vernehmen: ›Komm, komm: lass mich deine Wunden sehen, ich will sie heilen‹«.

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