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Die Gewissensbisse und die Heilung

· Messe in Santa Marta ·

Angesichts der »Gewissensbisse« sind da jene, die versuchen, sie zu verdrängen, zu verbergen, sie sogar zu »betäuben«, indem sie sie mit weiterer Schuld verdecken. Doch um von den »Wunden des Herzens und der Seele« zu »genesen«, ist es notwenig, »die Wahrheit herauszuholen« und »die Weisheit der Selbstanklage« zu haben«. Dies erklärte Papst Franziskus, der in seiner Predigt bei der Messe in Santa Marta am Donnerstag, den 28. September, von der negativen Erfahrung des Herodes Antipas ausging, um einem jeden Christen die korrekte Beziehung zu seinem Gewissen zu unterbreiten.

Wie im Evangelium nach Lukas (9,7-9) zu lesen ist, hörte der Tetrarch Herodes von allem, was durch Jesus geschah, »und wusste nicht, was er davon halten sollte«. Er war verwirrt, da einige sagten, Jesus sei Elija oder einer der alten Propheten, der auferstanden sei, wieder andere dachten an Johannes den Täufer. Und er »versuchte, ihn zu sehen«. Doch, so der Papst, dies sei »keine einfache Neugier« des Herodes gewesen. Sein Problem »bestand in etwas, das er in seinem Innern spürte: Gewissensbisse in der Seele, Gewissensbisse im Herzen«. Dies sei eindeutig zu verstehen, wenn er sage: »Nein, Johannes ist nicht da, denn ich habe ihn selbst enthaupten lassen«. Er komme also sofort mit einem »Verbrechen hervor, das er begangen hatte«. Herodes »trug« jene Schuld in sich und »versuchte, Jesus zu sehen, um sich zu beruhigen, er hatte jene Gewissensbisse in sich«.

Bedeutsam sei die Art und Weise, wie der Tetrarch »das Problem löst«. Der Papst hob hervor: Herodes »wollte Wunder sehen«, doch Jesus führte »keine Zirkusspiele« vor ihm auf, der – statt zu sagen: »nun, lassen wir ihn gehen…« und ihn zu retten – »ihn Pilatus übergab«. Die beiden »wurden Freunde« und »Jesus hat bezahlt«. Was schließlich tat nun Herodes? Er deckte »ein Verbrechen mit einem anderen«, »die Gewissensbisse mit einem weiteren Verbrechen«.

Auch sein Vater, Herodes der Große, habe im Übrigen »dasselbe getan«, rief der Papst in Erinnerung. Als die Sterndeuter zu ihm – der »eine große Macht besaß, aber »viele verbrecherische Taten begangen« hatte – gekommen waren, um ihm zu sagen: »Der König der Juden ist geboren worden«, habe Herodes voll Erschütterung reagiert: »er hatte Angst, dass ihm sein Reich genommen werde«. Deshalb trug er ihnen auf, ihm zu berichten, was sie gesehen hätten, und da er nichts von den Sterndeutern gehört hatte, die nicht mehr zu ihm zurückgekehrt waren, tötete er die Kinder.

Warum, fragte sich der Papst, »hat Herodes die Kinder getötet?«. Die Antwort, die tief in der Psyche und im Herzen des Königs der Juden gräbt, findet sich in einem »Kirchenvater des ersten Jahrhunderts, und die Kirche singt dies am 28. Dezember: »Du mordest den Leib der Kleinen, aber die Furcht mordet dein Herz«. Herodes, erklärte Franziskus, »mordet aus Angst; um ein Verbrechen mit einem anderen zu decken«. So machten also Vater und Sohn weiter und »deckten Verbrechen«, sie deckten »die Gewissenbisse«.

Gerade diesen Aspekt vertiefte der Papst, der analysierte, was »Gewissensbisse« wirklich seien. Gewissensbisse seien »keine einfache Erinnerung an etwas«, sondern »eine Wunde! Eine Wunde, die, wenn wir im Leben etwas Schlechtes getan haben, weh tut«. Doch es »ist eine verborgene Wunde, die man nicht sieht; ich selbst sehe sie nicht, da ich mich daran gewöhne, sie zu haben, und dann wird sie betäubt«. Sie sei in uns, und wenn sie »weh tut, spüren wir die Gewissensbisse«. In jenem Moment, so verdeutlichte Franziskus, »bin ich mir nicht nur bewusst, etwas Schlechtes getan zu haben, sondern ich spüre es: ich spüre es im Herzen, ich spüre es im Leib, in der Seele, ich spüre es im Leben«. Gerade dies sei der Moment, in dem man »die Versuchung« habe, den Schmerz »einfach zuzudecken«, »um ihn nicht mehr zur spüren«.

Jemand, so fügte der Papst hinzu, könnte sich fragen, ob das Verspüren dieses Schmerzes »etwas Schlechtes« sei. Und tatsächlich sei es dies keineswegs: »Nein, vielleicht spüren wir alle, wo die Wunde ist«, antwortete er und rief diesbezüglich die Geschichte des Königs David in Erinnerung, der »zwei große Verbrechen begangen hatte. Die Sünde eines schweren Ehebruchs, und dann, um diese zu verdecken, hat er einen Mord begangen«. David, erklärte der Papst, spürte nichts, »er war ruhig«. Doch da »Gott ihn gern hatte, sandte er den Propheten Nathan, um an sein Herz zu rühren«. So fragte dann also David: »Wer hat das denn getan?« Auf die Antwort des Propheten: »Du«, »nahm er es wahr und spürte Gewissensbisse«. Daher, so die Schlussfolgerung des Papstes, »ist es eine Gnade zu spüren, dass das Gewissen uns anklagt, dass es uns etwas sagt«.

In Fortsetzung dieser Überlegung könne man sich fragen: »Wie kann ich genesen, wenn ich die Wunde spüre?« Doch Franziskus warnte: zuerst müsse man sich fragen: »Wie kann ich mich heilen, wenn ich sie nicht spüre?« Denn, so unterstrich er, »keiner von uns ist ein Heiliger… wir alle haben gewisse Dinge getan. Und wenn ich gar nichts spüre, dann leuchtet das rote Warnsignal«. Es sei somit notwendig zu verstehen, wie man es zustande bringe, dass die Wunde »rauskommt«, um »sie nicht mehr zu verbergen«.

Die Versuchung, die Wunde zu verdrängen, sei immer auf der Lauer: »Einige versuchen, sie zu vergessen und diese Gewissenbisse nicht zu haben, und denken an die anderen: ›Ach, die armen Leute da, wie sie leiden, jene Leute im Krieg, jene Diktatoren, die die Leute ermorden…‹«. Man denke also an die Sünden der anderen, um nicht seine eigenen erkennen zu müssen.

Daher also der Rat des Papstes: »Wir müssen – gestattet mir das Wort – die Wunde ›taufen‹, das heißt ihr einen Namen geben«. Und wie bringe man es zustande, dass sie hervortritt? »Vor allem anderen bete: ›Herr, erbarme dich meiner, denn ich bin ein Sünder‹. Der Herr hört dein Gebet«. Der zweite Schritt ist: »prüfe dein Leben«. Es könne aber dazu kommen, dass man, selbst wenn man dies tue, nicht verstehe, »woher jener Schmerz kommt«, was ein »Symptom« sei, und daher: »Bitte jemanden, dir zu helfen«, dass die Wunde herauskommt, »und ihr dann einen Namen zu geben«. Doch Vorsicht, so der Rat des Papstes, es bedürfe der Konkretheit. Anzuerkennen: »Ich habe diese Gewissensbisse, weil ich das da getan habe«. Das »ist die wahre Demut vor Gott, und Gott ist angesichts der Konkretheit gerührt«.

Diesbezüglich gestand Franziskus, dass ihm »die Beichten der Kinder gefallen, denn die Kinder sagen nicht: ›Ich habe es an Respekt fehlen lassen...‹. Die Kinder sagen: ›Ich habe das getan, und das und das‹. Und auch wenn sie Worte sagen, die etwas… sind: ›Ich habe das gesagt‹, sie sagen alles! Sie sind konkret«. Auf dieselbe Weise müssten alle »die Konkretheit« besitzen »zu sagen, uns selbst, mir zu sagen: ›Ich habe das getan, Herr‹. Und die Wahrheit kommt heraus. Und so genest man«.

Zusammenfassend, so der Papst abschließend, sei es notwendig, »die Wissenschaft, die Weisheit der Selbstanklage zu lernen«. Der innere Weg sei klar: »Ich klage mich selbst an, ich spüre den Schmerz der Wunde, ich tue alles, um zu wissen, woher dieses Symptom kommt, und dann klage ich mich selbst an«. Doch dürfe man »keine Angst vor den Gewissensbissen haben«, im Gegenteil, sie »sind ein Symptom des Heils«. Vielmehr müsse man dagegen »Angst davor haben, sie zu verdecken, zu schminken, zu verhehlen, zu verbergen«. Es sei fundamental, »klar zu sein« mit sich selbst. Und so »heilt uns der Herr«.

Der Papst lud also ein, den Herrn um die Gnade zu bitten, »jenen Mut zur Selbstanklage aufzubringen« und »die Wahrheit über unser Leben zu sagen«; sie sich selbst zu sagen »und dann dem Herrn, damit er Vergebung schenke. »Konkret«. Es sei so, »wie wenn dich ein Chirurg in den Operationssaal für einen Eingriff bringt«: es sei keineswegs so, dass er dich betäubt und dann nichts tut, der Arzt »schneidet dich auf, er sucht, und wenn er etwas Konkretes findet, nimmt er es weg«. Dasselbe geschehe mit einem selbst: man müsse konkret sein, »so geht die Wunde weg, man heilt die Wunde und die Gewissensbisse genesen und gehen fort«.

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8. Dezember 2019

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