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Die Gefühle Gottes

· ​Messe in Santa Marta ·

»Unsere Zeiten sind nicht besser als die der Sintflut« und die ersten Opfer sind, bei Kriegen und Ungerechtigkeiten, die Kinder und »die Armen, die die gesalzene Rechnung für das Fest bezahlen«. Deshalb sollten Männer und Frauen heute dieselben Gefühle empfinden wie Gott und Buße tun und Trauer empfinden: Papst Franziskus machte in der Messe, die am Dienstag, 19. Februar, in Santa Marta gefeiert wurde, einen überaus intensiven pastoralen Vorschlag. Mit der Aufforderung, auf »Gefühlsseligkeit« oder »abstrakte Ideen« zu verzichten und »in das Geheimnis des Herzens Gottes einzutreten«.

»In der ersten Lesung«, so der Papst sogleich unter Verweis auf den Abschnitt aus dem Buch Genesis (6.5-8, 7.1-5.10), »ist von der Sintflut die Rede, aber ich möchte mich mit zwei Verben beschäftigen: es heißt, dass der Herr die Bosheit der Menschen sah, die so groß war, und dass es ihn reute, auf der Erde den Menschen gemacht zu haben, und es tat seinem Herzen weh«.

Und daher, sagte der Papst, »hat der allmächtige Gott, der alles vermag, Gefühle, er ist in der Lage zu bereuen, zu trauern, und er trifft eine Entscheidung: ›Ich will den Menschen, den ich erschaffen habe, vom Erdboden vertilgen, mit ihm auch das Vieh, die Kriechtiere und die Vögel des Himmels, denn es reut mich, sie gemacht zu haben‹: er war wütend«. Gott, fuhr Franziskus fort, »kann zornig werden, er ist wütend angesichts all dieser Dinge«.

»Unser Gott«, so erklärte er, «lässt sich von Anfang an als Vater sehen, und bei den Propheten stellt er sich immer als Vater dar, der uns wie Kinder in seine Arme nimmt, uns liebkost, uns behütet, uns wachsen lässt: ein Gott mit Herz, mit Gefühlen. Er ist kein abstrakter Gott, reine Ideen. Wie kommt das? Die Theologen erklären es uns, aber er präsentiert sich so: als Vater«.

»Die Gefühle Gottes« also. Und »die Frage kann so lauten: Leidet Gott? Und dies ist das Geheimnis des Herrn. Paulus mahnt die Christen: ›Lasst den Heiligen Geist nicht traurig werden‹, den Heiligen Geist nicht betrüben. Er wird traurig, das ist ein Geheimnis«.

»Aber wir sind uns ganz sicher«, sagte der Papst, »dass er als Mensch Gewordener die Fähigkeit hatte, wie wir zu fühlen, mit Leib und Seele, fühlen im Herzen, das Mensch gewordene Herz Gottes, das Herz Jesu: es ist das Herz des Vaters, das Herz des Geistes, es ist da und begleitet uns mit Gefühlen und Leiden«. Im Übrigen, rief der Papst in Erinnerung, »gab es so viel Leid im Herzen Jesu. Er weinte auch«.

Also »die Gefühle Gottes: Gottes, des Vaters, der uns liebt – und die Liebe ist eine Beziehung –, doch er ist fähig, wütend zu werden, zu zürnen. Es ist Jesus, der kommt und für uns das Leben gibt, mit dem Leiden des Herzens, alles«. Doch »unser Gott hat Gefühle. Unser Gott liebt uns mit seinem Herzen, er liebt uns nicht mit Ideen, er liebt uns mit seinem Herzen«. Und »wenn er uns liebkost, liebkost er uns mit dem Herzen, und wenn er uns schlägt wie ein guter Vater, schlägt er uns mit seinem Herzen, er leidet mehr als wir. Haben wir daran gedacht?«

»Die Sintflut, wie sie hier erzählt wird«, so der Papst weiter, »ist kein kaltes Dekret eines heidnischen Gottes, des Gottes der Mythologie: ›Nun, ich tue dies, ich tue noch das, und so mache ich ein Ende, ich räume auf‹. Nein, er trauerte in seinem Herzen. Er trat in die Passion ein«. Und »das ist unser Vater, das ist unser Bruder Jesus. Das ist der Geist, den wir nicht betrüben dürfen«.

Der Papst wies auch darauf hin, dass »unser Gebet, unsere Beziehung zu Gott nicht eine Beziehung von Ideen ist, sondern eine Beziehung von Herz zu Herz, von Kind zu Vater, der sich öffnet, und wenn er im Herzen trauern kann, dann werden auch wir vor ihm trauern können. Und das ist keine Gefühlsseligkeit, das ist die Wahrheit«.

Franziskus unterstrich erneut das Bild »dieses Vaters, den es dann reute: er bereute zunächst, den Menschen geschaffen zu haben, dann bereute er, dass er die Sintflut hatte ausbrechen lassen, und schwor, es nicht mehr zu tun, nicht zu zerstören, sondern viele Dinge zu tolerieren«. Und er erklärte im Vertrauen: »Ich denke nicht, dass unsere Zeiten besser sind als die Zeiten der Sintflut, ich glaube nicht: die Katastrophen sind mehr oder weniger dieselben, die Opfer sind mehr oder weniger dieselben«. In diesem Zusammenhang regte der Papst an: »Denken wir zum Beispiel an die Schwächsten, an die Kinder. Die Anzahl der hungernden Kinder, der Kinder ohne Ausbildung: sie können nicht in Frieden aufwachsen. Ohne Eltern, weil sie von den Kriegen hingemetzelt wurden. Kindersoldaten. Denken wir nur an diese Kinder. Ich glaube nicht, dass unsere Zeit besser ist als die Zeit der Sintflut, und der Herr leidet und begleitet uns vom Kreuz aus, er begleitet uns vom Herzen aus, er begleitet uns, um uns nicht fallen zu lassen, um nicht zu zerstören. Und das ist Liebe«.

Auch die heutige Menschheit müsse weinen wie Jesus »angesichts der Probleme, die wir haben – jeder von uns hat so viele –, angesichts der Katastrophen der Welt, der Armen, der Kinder, der Hungernden, der Verfolgten, der Gefolterten«. Und weiter: es gebe »Menschen, die im Krieg sterben, weil Bomben geworfen werden, als handle es sich um Bonbons – ›Ach ja, da sind Dreitausend gestorben‹«. Also, wiederholte der Papst, » müssen auch wir weinen, weinen, wie Jesus weinte und Jerusalem mit dem Herzen Gottes ansah«. Und »heute um die Gnade bitten, ein Herz wie das Herz Gottes zu haben, ein Herz, das dem Herzen Gottes ähnelt, ein Herz eines Bruders mit den Brüdern, eines Vaters mit den Kindern, eines Kindes mit den Vätern. Ein menschliches Herz, wie das von Jesus, ist ein göttliches Herz«.

»Da ist«, so der Papst, »die große Katastrophe der Sintflut, da ist die große Katastrophe der heutigen Kriege, bei denen die Rechnung für das Fest von den Schwachen, den Armen, den Kindern und denjenigen bezahlt wird, die keine Mittel haben, um weiterzumachen«. Deshalb, so Franziskus abschließend, »denken wir, dass der Herr in seinem Herzen traurig ist, und nähern uns dem Herrn und reden mit ihm: ›Herr, schau dir diese Dinge an, ich verstehe dich‹. Trösten wir den Herrn: ›Ich verstehe dich und ich begleite dich‹, ich begleite dich im Gebet, in der Fürbitte für all diese Katastrophen, die die Frucht des Teufels sind, der das Werk Gottes zerstören will. ›Der Herr hat es bereut, den Menschen geschaffen zu haben‹, dann sagte er, dass er ihn niemals zerstören würde. Der Herr trauerte in seinem Herzen«. So die abschließende Einladung des Papstes: »Lasst uns in das Geheimnis des traurigen Herzens Gottes eintreten, das das Herz eines Vaters, eines Bruders ist, und sprechen wir mit ihm, während wir auf die vielen Katastrophen unserer Zeit blicken«.

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20. Mai 2019

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