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​Die Früchte eines Versprechens

»Ich kann Ihnen die gute Neuigkeit eröffnen, dass der Salone Sistino, der derzeit Teil des Rundgangs durch die Vatikanischen Museen ist, wieder der Bestimmung als Lesesaal der Vatikanischen Apostolischen Bibliothek zugeführt werden wird. Um diesen neuen Verwendungszweck in die Praxis umsetzen zu können, werden Anpassungsmaßnahmen erforderlich, die mit größter Sorgfalt geplant und vorbereitet werden müssen und die bis zur Wiedereröffnung der Bibliothek mit Sicherheit nicht abgeschlossen sein werden: Es freut mich aber, diese Neuerung ankündigen zu können, die es seinerzeit dann ermöglichen wird, dass es mehr Platz für Forscher geben und dass diesen eine größere Zahl von Bänden im Freihandbestand zur Verfügung stehen wird.« Auf dieses Versprechen bin ich in einer newsletter gestoßen, die am 7. Dezember 2008 an viele Benutzer und Freunde der Vatikanbibliothek versandt worden war.

Ich weiß nicht, ob sich die Leser dieses Textes noch daran erinnern. Vor allem aber weiß ich nicht, ob sie die Hoffnung bis heute bewahrt haben. Aber jedes Versprechen ist eine offene Schuld, und so darf ich nun von der am 9. Oktober erfolgten Wiedereröffnung des Salone Sistino als eines weiteren Lesesaalsfür die Direktkonsultation der Freihandbestände durch die Wissenschaftler berichten.

Am 13. September 2010 berichtete Kardinal Raffaele Farina, der damalige Kardinalbibliothekar und -archivar der Heiligen Römischen Kirche, der zuvor bereits ein Jahrzehnt lang (1997-2007) Präfekt der Vatikanbibliothek gewesen war, auf der Pressekonferenz aus Anlass der Wiedereröffnung der Bibliothek nach dreijährigen Renovierungsarbeiten über den Stand der seit 1997 erfolgten Arbeiten. Diese, so erläuterte er, waren Teil »eines umfassenderen Projekts der Rationalisierung der Räumlichkeiten«, die darauf abzielten, »das Modell einer historisch-humanistischen Bibliothek« zu verwirklichen, »deren Ziel es ist, zu erhalten und überliefern und die sich dabei moderner Techniken bedient, die in Einklang stehen mit dem Modell, das den Gründern der Vatikanischen Apostolischen Bibliothek vorschwebte und die sich dazu der besten Techniken bedient, die in den über fünf Jahrhunderten der Geschichte hinzugekommen sind«. So waren etwa das Protokollbüro und das Archiv der Präfektur renoviert und an die heutigen Bedürfnisse angepasst worden, die Elektroanlage des Gebäudes des Neuen Katalogs und der Magazine für die gedruckten Werke war an die gültigen Normen angepasst worden, der neue Zeitschriftenlesesaal war eröffnet worden, und neben diesem war der Barberini-Saal in einer möglichst getreuen Rekonstruktion der »Libraria grande« des Kardinals Francesco Barberini, die 1902 in die Vatikanbibliothek eingegliedert worden war, eingeweiht worden. In der Via della Conciliazione war der Sitz der Bibliotheksschule eröffnet worden und das Gebäude des Neuen Katalogs war um neue Büroräume erweitert worden.

In den drei Jahren, in denen die Bibliothek geschlossen war, waren die anspruchsvollsten Renovierungs- und Umbauarbeiten in verschiedenen Räumlichkeiten der Bibliothek abgeschlossen worden. Davon betroffen waren das Münzkabinett, die Zeitschriftendepots bzw. das Handschriftendepot, der offizielle Eingangsbereich der Bibliothek mit dem Aufzug zu den Lesesälen sowie die Restaurierungswerkstätten und Fotolabors, die durch einen neuen Aufzug mit dem Handschriftenlesesaal und dem Handschriftendepot verbunden wurden.

Zwei weitere wichtige Aufgaben standen noch aus: Die Klimatisierung des Depots der gedruckten Werke, der Archiv-Abteilung und des Graphik-Kabinetts (eine Arbeit, die unbedingt verrichtet werden muss und die wir hoffentlich nicht mehr auf die lange Bank schieben müssen), sowie die Öffnung des Salone Sistino, die heute endlich erfolgen kann.

Ich überlasse es anderen, auf die Maßnahmen einzugehen, die getroffen werden mussten, um den Salone Sistino zu einem Lesesaal umfunktionieren zu können bzw. auf Wert und Bedeutung der künstlerischen Ausgestaltung des Salone an sich einzugehen. Ich möchte hier betonen, dass die Öffnung dieses neuen Lesesaals in Zusammenhang mit den in den vergangenen Jahren erfolgten Arbeiten steht: Bei aller obligaten Vorsicht und trotz der Notwendigkeit, die einzelnen Schritte so zu gehen, dass sie den effektiven Möglichkeiten entsprechen, steht auch die Entscheidung zu dieser Öffnung im Gesamtzusammenhang der Dienstleistung, die die Bibliothek garantieren will und die ständige Innovationen erforderlich macht.

Während die Bibliothek nämlich damit fortfährt, ihre Bestände – vor allem die Handschriften – zu digitalisieren, um ihre Konsultation über das Internet aus der ganzen Welt zu erleichtern, will sie den Forschern auch eine stetig wachsende Zahl von Bänden in Freihandaufstellung zur Verfügung stellen. Dadurch wird nicht nur alles leichter, sondern wir wissen auch aus Erfahrung: Vor dem Bücherregal findet der Gelehrte selbst das, wonach er gar nicht gesucht hat, er sammelt mit einem einzigen Blick weitere Informationen für die Bibliographie, die ihm nützlich sein könnte und – warum auch nicht – kann sich durch alternative Wege der Forschung und weiterführende Untersuchungen verlocken lassen, an die er ursprünglich gar nicht gedacht hatte.

Damit stehen künftig drei Lesesäle für gedruckte Werke zur Verfügung: Die Sala Leonina, die auf Anordnung Papst Leos XIII. 1892 in den Räumlichkeiten der ehemaligen Waffenkammer unter dem Salone Sistino eröffnet worden war, der bereits erwähnte Zeitschriftenlesesaal, der 2002 eröffnet wurde sowie der Salone Sistino. Der Vollständigkeit halber sollte auch noch der an den Handschriftenlesesaal anschließende Lesesal erwähnt werden, in dem Sammlungen mit Hilfsmitteln für das Studium der Handschriften zur Verfügung stehen (Kataloge, Paläographie, Papyrologie, Chronologie).

Um den Bedürfnissen der Bibliotheksbenutzer entgegenzukommen, wurde auch gestattet, Bände von einem Saal in den anderen mitzunehmen, um auch Bände aus verschiedenen Sälen miteinander vergleichen zu können.

Und wir werden – wobei wir gleichfalls die Bedürfnisse der Nutzer im Auge haben – im Lauf des Jahres herauszufinden suchen, wie jene Bände auf den neuesten Stand gebracht werden können, aus denen sich die einzelnen Sammlungen zusammensetzen und, so erforderlich, auch sehen, wie die einzelnen Sammlungen am besten nach Themen geordnet im Salone Sistino und in der Sala Leonina aufgestellt werden können. Es ist wichtig, das auch durch die Tat zu bestätigen: Ein authentischer Dienst setzt voraus, dass unablässig nach den besten Lösungen gesucht wird, und zwar nicht aus Veränderungswahn, sondern aus Rücksicht auf die jeweiligen Bedürfnisse.

Von Cesare Pasini

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