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​Die Frauen Lateinamerikas

Von der Politik bis hin zum Aktivismus für die Verteidigung der Menschenrechte, von der Wissenschaft bis zur Kunst kommen in der lateinamerikanischen Geschichte unzählige Frauen vor, die ihren Willen durchgesetzt und epochale Wandlungen hervorgerufen haben. Darunter sind jene Frauen, die die politische Bühne beherrscht haben, indem sie jahrelang Regierungschef waren und dafür kämpften, an die Macht zu gelangen. Oder die Frauen, die Jahr für Jahr am ersten Oktoberwochenende die evangelisierende Kraft der Volksfrömmigkeit dazu finden, 67 Kilometer zu Fuß zurücklegen, um die Muttergottes von Luján zu verehren, die Schutzpatronin Argentiniens (vgl. Abbildung links). Weiterhin gibt es da Frauen, die sich für große Ideale einsetzen, die für ein Recht, für einen moralischen Grundsatz oder für die Gleichheit vor dem Gesetz gekämpft haben. Und schließlich jene Frauen, die einer Epoche ihr Siegel aufgeprägt haben und für eine epochale Wende stehen. Das ist etwa der Fall bei Frida Kahlo, die 1907 in Mexiko zur Welt kam, als erste Malerin überhaupt eines ihrer Bilder an den Louvre verkaufte und die die erste lateinamerikanische Künstlerin war, die ihre Bilder in einer Pariser Galerie ausstellte. Dann haben wir den Fall der Evita Perón, die im Alter von nur 33 Jahren starb und die erste Frau in Lateinamerika war, die – im Jahr 1951 – als Kandidatin für die Wahl zur Vizepräsidentin aufgestellt wurde: ihr Einzug in die Politik sollte das Ende der traditionellen argentinischen Gesellschaft einleiten. Für Evita war die Politik und für Frida die Kunst jener Schlüssel, der alle Türen zu den traditionell den Männern vorbehaltenen Sphären öffnete. Evita bediente sich gerade dieses Unterschieds, um einen Platz in der politischen Szene zu finden, ohne dabei anfänglich die klare Trennung der Sphären in Frage zu stellen, die den Männern respektive den Frauen zugewiesen waren. Frida hingegen sollte einen Weg einschlagen, der bei der Anerkennung der eigenen Wurzeln seinen Anfang nahm und bei dem Recht endete, am öffentlichen Leben teilzunehmen und politisch daran mitzuwirken. Bei beiden war das Private zugleich auch politischer Natur. Das ist der rote Faden, der die Geschichten und die verschiedenen historischen Augenblicke der lateinamerikanischen Frauen eint: die politische Dimension der Solidarität. Diese reicht von Rigoberta Menchú – der Friedensnobelpreisträgerin (1992) und Hüterin der Indio-Kultur, eine der wenigen Überlebenden des Völkermords in Guatemala – bis zu Estela Carlotto, der unverwüstlichen Anführerin der abuelas, der mutigen »Großmütter« der Plaza de Mayo, deren Widerstand nicht etwa als politische Bewegung entsteht, sondern der vielmehr als ganz elementare menschliche Reaktion zu sehen ist. Es sind Frauen, die aus ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten stammen, in den meisten Fällen aus einfachen Verhältnissen, die im Respekt vor den Oberhäuptern der Gesellschaft und der Familie und dazu erzogen worden waren, sich nach einem ganz normalen Alltagsleben zu sehnen. Ihr Auftritt auf der politischen Bühne erfolgt ganz spontan auf der Grundlage der Allgemeingültigkeit jener Werte und Menschenrechte, die die Machthaber mit Füßen getreten hatten. Seit dem Ende der 1970-er Jahre leisten sie eine politische Arbeit, die sich durch unglaubliche Klarsicht, konkrete Zweckbestimmtheit und Wirksamkeit auszeichnet und die der Same sein sollte, aus dem sich dann die aktuellen Demokratien der südamerikanischen Länder entwickeln sollten. Seit den 1980-er Jahren ist es dann ein anderer Frauentypus, der Strategien für das Leben in der Gemeinschaft entwirft, der auf die Erneuerung der Gesellschaftsstrukturen abzielt und es fertigbringt, an den Erfolgen der anderen teilzuhaben, statt diese für eine Bedrohung für das eigene Ich und die Bestätigung der eigenen Subjektivität zu halten. Was die lateinamerikanischen Frauen dieser Jahre vom methodologischen Standpunkt aus charakterisiert, ist der ständige Rückbezug auf wirkliche und konkrete gesellschaftliche Fakten, die für den Tatbestand der Ausbeutung auf den unterschiedlichsten Gebieten verantwortlich sind.

Silvina Pérez

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12. November 2019

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