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Die Erinnerung bewahren

· Messe in Santa Marta ·

»Zu Beginn der Fastenzeit wird es uns allen gut tun, um die Gnade zu bitten, unser Gedächtnis zu bewahren, die Erinnerung an all das zu bewahren, was der Herr in meinem Leben getan hat: wie er mich gern gehabt hat, wie er mich geliebt hat«. So lautet die von Papst Franziskus vorgebrachte Anregung, der am Donnerstagmorgen, 7. März, in Santa Marta die heilige Messe feierte und dabei davor warnte, in den Götzendienst des »Feuerwerks« der bequemen Entscheidungen zu verfallen. Er warnte auch vor dem auch geistlichen Wohlbefinden, das den Herrn vergessen lasse.

Die erste Lesung, so der Papst, der sich auf den Abschnitt aus dem Buch Deuteronomium (30,15-20) bezog, »ist ein Teil der Rede, die Mose vor dem Volk hielt, um es darauf vorzubereiten, das Land zu betreten, das ihm der Herr verheißen hatte«. Und »das Buch Deuteronomium enthält am Ende diese Vorbereitung und stellt uns heute vor eine Herausforderung und auch vor eine Entscheidung. Wähle: Leben oder Tod«.

»Mose zufolge sind wir es, die wählen müssen«, rief Franziskus in Erinnerung. Und dies »ist ein Aufruf an unsere Freiheit; es konfrontiert uns mit unserer Freiheit: ich bin frei, das Leben oder den Tod wählen«.

»Der biblische Text, fuhr der Papst fort, präsentiere » am Anfang drei Schlüsselworte: ›Aber wenn sich dein Herz abwendet‹ – das erste Wort – ›und wenn du nicht hörst‹ – das zweite Wort – ›und dich verführen lässt, dich vor anderen Göttern niederwirfst‹ – drittes Wort«.

Wenn sich, erklärte der Papst, »dein Herz abwendet, wenn es einen Weg nimmt, der nicht der richtige ist – sowohl rückwärts als auch einen anderen Weg, doch es geht nicht den richtigen Weg –, dann verliert es die Orientierung, verliert es seinen Kompass, mit dem es sich vorwärts bewegen muss«. Und »ein Herz ohne Kompass ist eine öffentliche Gefahr: es ist eine Gefahr für die Person und für die anderen«. Im Übrigen: »Ein Herz nimmt diesen falschen Weg, wenn es nicht hört, wenn es sich von den Göttern mitreißen, tragen lässt, wenn es zum Götzenanbeter wird«.

»Wir sind unfähig zu hören«, so der Papst. »Es gibt so viele Gehörlose in der Seele. Auch wir werden irgendwann in der Seele taub, wir hören nicht auf den Herrn«. Und »dann gibt es die ›Feuerwerke‹, die unsere Aufmerksamkeit erwecken, die falschen Götter, die dich zu einem Götzendienst rufen, nicht wahr? Das ist die Gefahr entlang des Weges zu dem Land, das uns allen verheißen wurde: dem Land der Begegnung mit dem auferstandenen Christus«.

»Die Fastenzeit hilft uns, diesen Weg zu gehen«, rief der Papst in Erinnerung. Denn »nicht auf den Herrn und die Verheißungen zu hören, die er uns gegeben hat, heißt, unser Gedächtnis zu verlieren«. Und er betonte: »das ist eine sehr wichtige Sache, wenn wir die Erinnerung an die großen Dinge verlieren, die der Herr in unserem Leben getan hat, die er in seiner Kirche, in seinem Volk getan hat, und wir uns daran gewöhnen, mit unserer Kraft, mit unserer Selbstgenügsamkeit voranzugehen«. Aus diesem Grund, schlug der Papst vor, »ist die Fastenzeit wichtig, um die Gnade der Erinnerung zu erbitten: ›Herr, lass mich nicht mein Gedächtnis verlieren, mach, dass ich hören kann‹«.

In Erinnerung an die Worte des Mose an sein Volk, eine Einladung, den Weg, den es der Herr habe gehen lassen, nie zu vergessen, warnte Franziskus vor dieser »Gefahr: Wenn es uns gut geht, haben wir alles in Reichweite, geistlich gehen wir gut, es besteht die Gefahr, die Erinnerung an den Weg zu verlieren«.

Hier also die Bedeutung der Formulierungen: »›Schau zurück‹ – nicht ›Geh zurück‹! – auf den Weg, den du zurückgelegt hast‹«. Und »das Wohlbefinden, auch das geistliche Wohlbefinden, birgt die Gefahr, in eine bestimmte Amnesie zu geraten, einen Gedächtnisverlust: mir geht es gut so und ich vergesse, was der Herr in meinem Leben getan hat, alle Gnaden, die er uns geschenkt hat, und ich glaube, es ist mein Verdienst, und ich mache so weiter«. Und dies sei der Augenblick, in dem »das Herz beginnt, zurückzugehen, weil es nicht auf die Stimme des Herzens hört: die Erinnerung«. Hier also: »die Gnade der Erinnerung«.

«Im Brief an die Hebräer gibt es eine weitere Stelle, die demselben Muster zu folgen scheint«, betonte der Papst und zitierte die Passage, in der »der Autor den Christen sagt: erinnere dich an die ersten Tage, an den glühenden Eifer der ersten Tage«. Denn »als wir auf dem Weg des Evangeliums, dem Weg Jesu, zu gehen begannen, freuten wir uns immer«. Daher die Aufforderung, »sich zu erinnern, weil es sehr häufig vorkommt, das Gedächtnis zu verlieren«.

»Das Volk Israel«, so Franziskus weiter, »hat das Gedächtnis auch verloren, weil an diesem Vergessen etwas Selektives ist: Ich erinnere mich daran, was mir jetzt passt, und ich erinnere mich nicht an etwas, das mich bedroht«. Zum Beispiel »erinnerte sich das Volk in der Wüste daran, dass Gott es gerettet hatte – es konnte dies nicht vergessen –, aber es begann, sich zu beklagen – wir haben kein Wasser, wir haben kein Fleisch, wir haben keinen Weizen – und an die Dinge zu denken, die es in Ägypten hatte: dort hatten wir so viele gute Dinge, die Zwiebeln, die Dinge, die wir gegessen haben«. Aber das ist eine »selektive Erinnerung: sie vergessen, dass sie all diese Dinge am Tisch der Sklaverei aßen!«

»Die Erinnerung«, so insistierte der Papst, »bringt uns auf den richtigen Weg: Erinnerung zu haben, um weiterzugehen; die Geschichte nicht zu verlieren: die Geschichte des Heils, die Geschichte meines Lebens, die Geschichte Jesu mit mir«. Und so »immer weitergehen, nicht stehen bleiben, nicht zurückgehen, uns nicht von Götzen mitreißen lassen«. Er erklärte: »Götzendienst heißt nicht nur, in einen heidnischen Tempel zu gehen und eine Statue anzubeten. Nein, der Götzendienst ist eine Haltung des Herzens, wenn du das vorziehst, weil es bequemer ist für mich und nicht für den Herrn, weil du den Herrn vergessen hast«.

»Zu Beginn der Fastenzeit«, so die Anregung des Papstes, »wird es uns allen gut tun, um die Gnade zu bitten, unser Gedächtnis zu bewahren, die Erinnerung an alles, was der Herr in meinem Leben getan hat: wie er mich gern gehabt hat, wie er mich geliebt hat«; und gerade »aus dieser Erinnerung heraus weiterzugehen«. Dann »wird es uns auch gut tun, stets den Rat des Paulus an Timotheus, seinen geliebten Jünger, zu wiederholen: ›Erinnere dich an den von den Toten auferstandenen Jesus Christus‹. Ich wiederhole: ›Erinnere dich an den auferstandenen Jesus Christus‹. Erinnere dich an Jesus, an Jesus, der mich bis hierher begleitet hat und der mich bis zu jenem Augenblickleiten wird, in dem ich vor ihm, dem Glorreichen, erscheinen muss«. In dieser Perspektive »möge der Herr uns diese Gnade geben, die Erinnerung zu bewahren«.

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11. Dezember 2019

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