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​Die drei Ökologien

Ein überaus herzlicher Empfang und das Gedenken an Pater Espinal, einen Jesuiten-Missionar, der unter der letzten grausamen Diktatur ermordet wurde: das sind die Bilder, an die man sich von den ersten Stunden erinnern wird, die Papst Franziskus in Bolivien verbrachte. Wie bereits bei dem dreitägigen Aufenthalt in Ecuador – der im Marienheiligtum von El Quinche endete – gab es auch im kristallklaren Licht des eisigen Sonnenuntergangs von El Alto, und dann in La Paz und Santa Cruz de la Sierra, als es bereits tiefe Nacht war, Hunderttausende von Menschen, die längs der Straßen warteten und den Papst mit rührender Zuneigung empfingen.

Und eben auf der überfüllten Strecke vom am höchsten gelegenen Flughafen der Welt zur Hauptstadt ließ der Papst anhalten, um an jenem Ort einen Augenblick des Gedenkens einzulegen und zu beten, wo 1980 der gemarterte Köper von Luis Espinal aufgefunden worden war, »unser Bruder, der persönlichen Interessen zum Opfer fiel, die verhindern wollten, dass für die Freiheit Boliviens gekämpft würde«, so sagte er ergriffen. Und bevor er gemeinsam mit der Menschenmenge das Vaterunser betete, fügte er hinzu: »Pater Espinal hat das Evangelium verkündet, und dieses Evangelium ist lästig geworden, und deshalb wurde er aus dem Weg geschafft.«

Kurz zuvor hatte Präsident Evo Morales – der Bergoglio anschließend im Präsidentenpalast von La Paz wie auch bei seiner Ankunft in Santa Cruz de la Sierra empfing – den Gast in einem Land willkommen geheißen, auf dessen einzigartige Schönheit und kulturelle Vielfalt der Papst sogleich zu sprechen kam. In Bolivien »hat die Verkündigung des Evangeliums starke Wurzeln geschlagen, und die Jahre hindurch hat das Evangelium das Zusammenleben erleuchtet und so zur Entwicklung des Volkes beigetragen und die Kultur gefördert«, sagte Papst Franziskus, indem er dem Wunsch Ausdruck verlieh, dass es zur Zusammenarbeit für den Ausbau einer gerechteren und solidarischeren Gesellschaft kommen möge.

Das Thema des gemeinsamen Engagements zum Wohl der ganzen Gesellschaft stand sodann im Mittelpunkt der bedeutenden Ansprache, die der Papst in der Kathedrale von La Paz vor Vertretern des öffentlichen Lebens hielt, darunter in der ersten Reihe Präsident Morales. »Gestatten Sie mir, mitzuarbeiten«, so begann er, worauf er dann die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Ökologie erläuterte, da die natürliche Umwelt und die soziale, politische und wirtschaftliche Umwelt in enger Beziehung zueinander stünden. Und folglich eine Ökologie der Mutter Erde, einer menschlichen Ökologie und einer sozialen Ökologie, die ausführlich und klarsichtig in der jüngsten Enzyklika beschrieben sind, die in aller Welt mit außergewöhnlich großem Interesse rezipiert wurde, und zwar keineswegs nur seitens der Katholiken und gläubigen Menschen.

Die Freiheit sei stets der beste Kontext, der allen Menschen die Möglichkeit biete, dazu beizutragen. Und die Christen wollten in der Gesellschaft ausschließlich dem Licht des Evangeliums dienen, so versicherte Papst Franziskus. »Der Glaube ist ein Licht, das nicht blendet, nicht verdunkelt, sondern voll Respekt das Gewissen und die Geschichte jedes Menschen und jedes menschlichen Miteinander erhellt und leitet«, so sagte Bergoglio, wobei er betonte, dass das Christentum bei der Bildung der Identität des bolivianischen Volkes eine wichtige Rolle gespielt habe und dass der Glaube nicht auf die bloße Privatsphäre reduziert werden könne und keine Subkultur sei.

Schließlich erhob sich die Stimme des Papstes erneut zu zugunsten der Familie, die allseits bedroht sei durch unzählige inakzeptable Wirklichkeiten, die aber dennoch unersetzlich bleibe. Die sozialen Probleme, welche die Familie in Stille zu lösen habe, seien so viele, so bemerkte Papst Franziskus, dass sie nicht zu fördern heiße, dass man die Schwächsten ohne Schutz lasse.

Giovanni Maria Vian 

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26. April 2019

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