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Die Diktaturen manipulieren die Kommunikation

· Messe in Santa Marta ·

Der erste Schritt einer jeden Diktatur besteht in der skrupellosen Manipulation der freien Kommunikation durch die Verführung der Skandale und die Verleumdungen, um das demokratische Leben zu schwächen und Menschen und Institutionen zu verurteilen. Ein System, so der Papst bei der Messe in Santa Marta am Montag, 18. Juni, das auch von den Diktaturen des vergangenen Jahrhunderts angewandt wurde, wie das Gräuel der Judenverfolgung bestätigt, dem man aber auch heute in vielen Ländern wie auch im Leben aller Tage begegnet.

Für seine Betrachtungen ging Franziskus von der ersten Lesung aus dem ersten Buch der Könige aus (21,1-16), wobei er deren Aktualität feststellte und alle dazu einlud, sie wieder zu lesen, um sie sich anzueignen: »Die Geschichte Nabots ist bewegend: es ist die Geschichte eines Märtyrers, eines Märtyrers der Treue zum Erbe, das er von seinen Vätern empfangen hatte«. Und »das Erbe wird nicht verkauft: das war Nabots Überzeugung«. Denn, so erklärte der Papst, »das Erbe geht über jenen Weinberg hinaus«, es sei »ein Erbe des Herzens« gewesen: »das verkauft man nicht«.

»Ich bewahre das Erbe«, so der Papst. Doch der Abschnitt aus der Bibel berichte uns von »der Lust, nennen wir es einmal so, dieses Königs – der Ärmste, er wusste nicht, was er wollte, er verstand es nicht, zu regieren –, der wie ein Kind launisch und störrig wird: ›Ich will das, ich bin der König‹«. Und »da er nicht weiß, wie er es anstellen soll, tut er wie die Kinder, wenn es ihnen nicht gelingt, das zu haben, was sie wollen: sie weinen, sie werden traurig«. Doch »da tadelt ihn seine Frau – eine entschlossene, grausame Frau, ihr Ende wird sein, von den Hunden gefressen zu werden: ›Steh auf, ich werde dich lehren, wie man regiert‹«. Und »so kommt es zu dieser von der Liturgie vorgelegten Geschichte«.

»Die Geschichte Nabots ist beispielhaft für viele Märtyrer in der Geschichte«, erklärte Franziskus: »sie ist beispielhaft für das Martyrium Jesu; sie ist beispielhaft für das Martyrium des Stephanus; sie ist auch beispielhaft im Alten Testament für die Geschichte Susannas; sie ist beispielhaft für viele Märtyrer, die dank einer verleumderischen Inszenierung verurteilt wurden«. Doch »diese Geschichte ist auch beispielhaft für die Vorgehensweise vieler Menschen in der Gesellschaft, vieler Staats- oder Regierungschefs: sie kommunizieren eine Lüge, eine Verleumdung, und nachdem sowohl ein Mensch als auch eine Situation durch diese Verleumdung zerstört wurden, richten sie über jene Zerstörung und verurteilen«.

»Auch heute kommt diese Methode in vielen Ländern zur Anwendung«, so der Papst: »die freie Kommunikation zerstören«. Und er fuhr fort: »denken wir zum Beispiel daran: es gibt da ein Medien-Gesetz, ein Gesetz der Kommunikation, jenes Gesetz wird abgeschafft; man überlässt den ganzen Medienapparat einer Firma, einer Gesellschaft, die verleumdet, die Falsches sagt, die das demokratische Leben schwächt«. Dann »kommen die Richter, um über diese geschwächten Institutionen zu urteilen, diese zerstörten Menschen, sie verurteilen, und so schreitet die Diktatur voran«. Im Übrigen, fügte Franziskus hinzu, »haben die Diktaturen, alle Diktaturen, so ihren Anfang genommen, mit der Verfälschung der Kommunikation, um die Kommunikation in die Hände einer Person ohne Skrupel, einer Regierung ohne Skrupel zu spielen«.

Doch »auch im alltäglichen Leben ist es so«, merkte der Papst an. Denn »wenn ich einen Menschen zerstören will, beginne ich mit der Kommunikation: schlechte Nachrede, Verleumdung, Skandale erzählen«. Darüber hinaus »ist das Kommunizieren von Skandalen etwas, das eine enorme Kraft der Verführung besitzt, eine große Verführung«. Denn »man verführt mit den Skandalen, die guten Nachrichten sind nicht verführerisch: ›Ja, aber wie schön ist doch das, was er getan hat!‹« Und die Nachricht »vergeht« dann einfach sofort. Dagegen sei angesichts eines »Skandals die Reaktion: »Hast du gesehen! Ja hast du den gesehen! Hast du da jenen anderen gesehen, was der angestellt hat? Diese Situation geht nicht, so kann es nicht weitergehen!«

Auf diese Weise, fuhr der Papst fort, »nimmt die Kommunikation zu, und jener Mensch, jene Institution, jenes Land enden im Ruin«. Auf diese Weise »werden nicht die Menschen gerichtet, man richtet über die Ruinen jenes Menschen oder der Institutionen, weil sie sich nicht verteidigen können«. In dieser Perspektive riet Franziskus dazu, »zum Beispiel an Susanna« zu denken, »die sagt: ›nun stehe ich in der Ecke: wenn ich den Verführungen nachgebe und sündige, werde ich vom Herrn verurteilt werden; wenn ich bei meinem Glauben bleibe, werde ich von den Leuten verurteilt werden«.

»Die Verführung des Skandals in der Kommunikation«, hob der Papst erneut hervor, »führt geradewegs in die Ecke, sie zerstört«. Und gerade dies sei es, was »mit Ahab, in der Geschichte Ahabs geschehen ist. Es ist mit Nabot geschehen. Der gerechte Nabot, der nur das Eine wollte: dem Erbe seiner Ahnen treu bleiben, das Erbe nicht verkaufen, die Geschichte nicht verkaufen, die Wahrheit nicht verkaufen«.

»Mich beeindruckt es sehr«, vertraute der Papst an, »zu sehen, wie Stephanus seine lange Verteidigungsrede vor jenen hält, die ihn anklagten: sie hörten nicht auf ihn, und in der Zwischenzeit suchten sie sich die Steine zusammen, um ihn zu steinigen«. Für sie nämlich »war es wichtiger, Stephanus zu steinigen, als die Wahrheit zu hören«. Gerade »das ist das Drama der menschlichen Habgier: dass auch die Habgier schwach ist, denn dieser König wollte viele Dinge, doch er war ein Schwächling, und als er sieht, dass er es nicht schafft, geht er ins Bett«. Doch »da ist die Grausamkeit dessen, der ihm ins Ohr flüstert und sagt, was er tun soll: zerstören«.

Und »so haben wir gesehen, dass viele Menschen durch eine böse und niederträchtige Kommunikation zerstört werden, wie es jene Kommunikation der Jesebel war«, erkannte der Papst an, der unterstrich: »viele Menschen, viele Länder, die durch niederträchtige und verleumderische Diktaturen zerstört werden: denken wir zum Beispiel an die Diktaturen des vergangenen Jahrhunderts«. Besonders »denken wir an die Verfolgung der Juden: eine verleumderische Kommunikation gegen die Juden, und sie endeten in Auschwitz, denn sie verdienten nicht, zu leben«. Und das »ist ein Gräuel, aber ein Gräuel, der heute geschieht: in den kleinen Gesellschaften, in den Personen und in vielen Ländern«. Immer »besteht der erste Schritt darin, sich der Kommunikation zu bemächtigen, und dann die Zerstörung, die Verurteilung und der Tod«. Also »war die Idee des Apostels Jakobus keineswegs merkwürdig, als er von der Zunge und dem destruktiven Vermögen der niederträchtigen und bösen Kommunikation sprach: er wusste, wovon er redete«.

Abschließend lud Franziskus dazu ein, »ein klein wenig Zeit zu finden, denn ihr alle habt dann ja viel zu tun«, um »das erste Buch der Könige, Kapitel einundzwanzig, zu nehmen und diese Geschichte von Nabot zu lesen«. Und »an die vielen zerstörten Menschen« zu denken, »an die vielen zerstörten Länder, an die vielen Diktaturen ›mit weißen Handschuhen‹, die die Länder verwüstet haben«. Und »das durch die verleumderische Kommunikation, die zu dieser Zerstörung führt«. Deshalb, wiederholte der Papst, »wollen wir heute das erste Buch der Könige, Kapitel einundzwanzig nehmen – vergesst es nicht – und von dieser Ungerechtigkeit lesen, zu der es heute auch unter uns kommt«.

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20. März 2019

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