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Die Beleidigung kann töten

· Messe in Santa Marta ·

»Von der Beleidigung zur Versöhnung, vom Neid zur Freundschaft: das ist der Weg, den uns Jesus heute gibt« und den Papst Franziskus in der Messe am Donnerstag, 14. Juni, in Santa Marta erörterte. Der Papst unterstrich besonders die Schwere der Haltung dessen, der sich der Beleidigung bedient: ein richtiggehender »Mord«, mit dem wir versuchen, die Stimme und die Würde der anderen zu unterdrücken und auszulöschen, und sei es auch in der Hauptverkehrszeit. Und er forderte dazu auf, behinderten Menschen besondere Aufmerksamkeit zu schenken, und warnte vor dem Gebrauch des Wortes »Behinderter« im Sinne einer Beleidigung.

Für seine Betrachtungen ging der Papst vom Abschnitt aus dem Matthäusevangelium (5,20-26) des heutigen Wortgottesdienstes aus. »Um uns seine Lehre über die Beziehung der Liebe, der Nächstenliebe zu unseren Brüdern und Schwestern gut verständlich zu machen«, so der Papst, »bedient sich der Herr eines sehr klaren Beispiels, eines Beispiels aller Tage: ›Schließ ohne Zögern Frieden mit deinem Gegner, solange du mit ihm noch auf dem Weg zum Gericht bist! Sonst wird dich dein Gegner vor den Richter bringen und der Richter wird dich dem Gerichtsdiener übergeben und du wirst ins Gefängnis geworfen‹«.

Es sei dies ein »Prinzip menschlicher Weisheit: eine schlechte Übereinkunft ist immer besser als eine gute Verurteilung«, erinnerte der Papst. Er betonte: »Vor Gericht zu ziehen ist der letzte« Schritt, denn »das ist etwas, wo man nicht mehr zurück kann; es bedeutet, die Haltung der Feindschaft, auch des Krieges, definitiv werden zu lassen«. Und »aus diesem Grund raten weise Politiker immer: ›wir wollen zu einer Lösung dieses politischen Problems auf dem Boden von Verhandlungen kommen, zu einer Lösung dieses so angespannten Problems, um einen Krieg zu vermeiden‹«.

Also: »Dank dieses Beispiels, das alle verstanden, da es sich um ein Beispiel aller Tage handelte «, so der Papst, » geht Jesus noch einen Schritt weiter und erklärt das Problem der Beleidigungen«. Dies gehe so weit, dass »es uns, wenn wir es ein wenig oberflächlich lesen, zum Lachen bringt, denn diese Beleidigungen sind antiquiert, heute benutzt man sie nicht mehr«. Gewiss, so merkte Franziskus an, »wir haben eine Liste von blumigeren, folkloristischeren, bunteren Beleidigungen, nicht?«

»Doch der Herr geht noch weiter«, fuhr der Papst fort, »und er ist hart, denn er sagt: ›Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten‹«. Jesus »geht also hiervon aus, vom Gebot ›Du sollst nicht töten‹«, und er sage: »Ich aber sage euch: der, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein; und wer zu seinem Bruder sagt: Du Dummkopf!, soll dem Spruch des Hohen Rates verfallen sein; wer aber zu ihm sagt: Du Narr!«, solle verurteilt werden.

Im Grunde, so erklärte der Papst, »sagt der Herr: die Beleidigung endet nicht mit sich selbst; die Beleidigung ist eine Tür, die sich auftut, es heißt, einen Weg einzuschlagen, der dabei enden wird – ich habe es von Anfang an gesagt: ›du sollst nicht töten‹ – , den anderen zu töten, denn die Beleidigung ist der Anfang des Tötens, es bedeutet, den anderen zu disqualifizieren, ihm das Recht zu nehmen, geachtet zu werden, es bedeutet, ihn ins Abseits zu stellen, ihn gesellschaftlich zu töten«.

»Wir sind daran gewöhnt, die Luft der Beleidigungen zu atmen«, gab Franziskus zu. Im Übrigen »genügt es, während der Hauptverkehrszeit Auto zu fahren: es gibt da einen Karneval der Beleidigungen und die Leute sind kreativ, wenn es darum geht, zu beleidigen«. Aber »die Beleidigung spaltet, sie zerstört die Gemeinschaft und tötet den anderen, sie fängt damit an, seinen Ruf zu ruinieren, und dann geht man darüber noch hinaus, sehr viel weiter«.

Auch »die kleinen Beleidigungen – nennen wir sie klein –, die zufällig gesagt werden, während wir Auto fahren, werden später dann zu schweren Beleidigungen«. Und »Beleidigungen, die nicht nur den Lippen entfleuchen: Beleidigungen, die aus dem Herzen kommen«.

Gerade »das ist es, was tötet: die Beleidigung«. Und »die Beleidigung löscht das Recht einer Person aus: ›Nein, hör nicht auf ihn, das ist einer, der…‹«. Aber mit solchen Worten »steinigt man diesen Menschen, er hat kein Recht mehr, zu sprechen, er darf nicht mehr mitreden: seine Stimme wurde gelöscht«.

Aus dieser Perspektive »können wir uns fragen, warum die Beleidigung so gefährlich ist und warum sie diese Kraft hat, zu töten und den anderen zu disqualifizieren, ihn ins Abseits zu stellen«.

Das Problem sei, »dass die Beleidigung oft eine Folge des Neides ist«. So beleidigten wir beispielsweise keinen Menschen mit einer »geistigen ›Behinderung‹ oder einer Behinderung des Temperaments«, denn jene »Behinderung bedroht nicht mich «. Wenn wir uns zum Beispiel »vor einem behinderten Kind finden, vor einem behinderten Menschen im Rollstuhl, dann haben wir keine Lust, ihn zu beleidigen«. Doch »wenn ein Mensch etwas tut, das nicht gefällt, dann beleidige ich ihn und bezeichne ihn als ›Behinderten‹: geistig behindert, sozial behindert, familiär behindert, unfähig, sich zu integrieren«.

»Deshalb«, so betonte der Papst erneut, »tötet die Beleidigung: sie tötet die Zukunft eines Menschen, sie tötet den Weg eines Menschen«. Doch »es ist der Neid, der Tür und Tor dazu öffnet, denn wenn ein Mensch etwas hat, das mich bedroht, dann bringt mich der Neid dazu, ihn zu beleidigen: fast immer haben wir es da mit Neid zu tun«.

»Das Buch der Weisheit«, so bemerkte der Papst, »sagt uns, dass durch den Neid des Teufels der Tod in die Welt gekommen sei: es ist der Neid, der den Tod bringt«. Unsererseits »können wir sagen: ›der Neid ist eine merkwürdige Sünde, ich beneide niemanden‹«. In Wirklichkeit, riet der Papst, müssten wir gut »an jenen verborgenen Neid« denken, »und wenn er nicht verborgen ist, ist er stark, er ist fähig, dich grün und gelb werden zu lassen, wie die Gallenflüssigkeit, wenn du krank bist: Menschen mit einer vor Neid gelben und grünen Seele, die sie dazu bringt, zu beleidigen, die sie dazu führt, den anderen zu zerstören«.

Franziskus machte des Weiteren darauf aufmerksam, dass »Jesus diesen Weg stoppt – ›Nein, das darf man nicht tun‹ –, was so weit geht, dass du, wenn du zum Beten gehst, wenn du zur Messe gehst und merkst, dass einer deiner Brüder etwas gegen dich hat, hingehen sollst, um dich mit ihm zu versöhnen«. Der Herr »ist so radikal«, so der Papst, der in Erinnerung rief: »die Versöhnung ist keine Haltung der guten Manieren: sie ist eine radikale Haltung, sie ist eine Haltung, die die Würde des anderen und auch meine eigene zu respektieren sucht«. Kurzum, »von der Beleidigung zur Versöhnung, vom Neid zur Freundschaft: das ist der Weg, den Jesus uns heute gibt«.

Ganz in diesem Sinne regte der Papst auch eine Gewissenserforschung an: »es wird uns gut tun, zu überlegen: wie beleidige ich?« Was nicht bedeute, »eine Liste mit allen Schimpfwörtern aufzustellen, die ich gegen die anderen kenne; nein, das nicht«. Aber es sei gut, sich zu fragen: »Wie beleidige ich? Wann beleidige ich? Wann reiße ich den anderen mit Beleidigungen aus meinem Herzen?« Und »zu sehen, ob da jene bittere Wurzel des Neides ist, der mich dazu bringt, den anderen zerstören zu wollen, um ihn von der Konkurrenz auszuschalten«. Obwohl »das nicht leicht ist«, beschloss Franziskus seine Betrachtungen mit derAufforderung, daran zu denken, wie schön es doch wäre, »niemals zu beleidigen: das ist schön, denn auf diese Weise lassen wir die anderen wachsen«. Und »der Herr möge uns diese Gnade erweisen«.

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14. November 2018

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