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Der Tag des gebrochenen Herzens

Am 15. April wird im Bundesstaat Massachusetts der Patriot´s Day begangen, der Feiertag, an dem der ersten Schlachten des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges gedacht wird. Und es ist auch der Tag, an dem jedes Jahr der Marathonlauf von Boston stattfindet, einer der ältesten und prestigeträchtigsten der Welt. Tausende von Läufern nehmen daran teil. Manche davon sind weltweit bekannt, andere kennen hingegen nur die eigenen Angehörigen und Freunde. An dem Lauf nehmen auch zahlreiche Studenten des Boston College, wo ich unterrichte, teil, um  zu wohltätigen Zwecken Spenden zu sammeln.

Letzten Montag war ein schöner Tag  des Frühlingsanfangs. Die Sonne schien, aber es war angenehm kühl: also ein perfekter Tag für einen Marathonlauf. Am frühen Nachmittag hatten die Sieger bereits die Ziellinie überquert. Die Zuschauermenge hingegen war noch geblieben, um Verwandte und Freunde abzuwarten, die den zermürbenden Lauf noch beenden mussten. Das war der Augenblick, in dem zwei Bomben kurz nacheinander explodierten.

Ungefähr sechs Meilen vor der Ziellinie des Marathonlaufs kommt ein äußerst schwieriger Streckenabschnitt, der »Heartbreak Hill« (»Hügel der Gebrochenen Herzen«) heißt. Die ermatteten Läufer müssen langsam eine lange Steigung hoch laufen, die ihre physische Widerstandskraft hart auf die Probe stellt. Aber es waren dann die Bomben, die für viele Menschen den Festtag in einen Tag der gebrochenen Herzen verwandelt haben, und das nicht nur in Boston, sondern in aller Welt. Unsere Herzen wurden durch einen feigen Akt reinen Terrors, der undifferenzierten Gewalt unschuldigen Menschen gegenüber gebrochen. Eine hassenswerte Geste, die unsere spirituelle Widerstandskraft auf viele Jahre hinaus auf die Probe stellen wird.

Aber die dunkelste Seite der menschlichen Natur wurde durch deren beste Seite gerettet. Tatsächlich setzte unverzüglich der Einsatz der Ersten Hilfe ein. Da war einerseits die äußerst kompetente Arbeit der Ärzte und des Pflegepersonals, fähiger Chirurgen und des Krankenhauspersonals. Aber es gab auch spontane Gesten der Großzügigkeit und des Mitleids derer zahllosen, ganz gewöhnlicher Menschen, die herbei eilten, um den Opfern zu helfen.

Boston ist eine Großstadt, die in der ganzen Welt bekannt ist. Unter vielen Gesichtspunkten ähnelt es aber einer Kleinstadt, die sich aus vielen kleinen Stadtvierteln zusammensetzt. Und eben diese Dimension der guten Nachbarschaft hat den Patriot’s Day in Boston mit strahlendem Glanz aufleuchten lassen. Es ist gerade diese Qualität des menschlichen Geistes, die bleibt. Letztlich siegen das Mitleid und die Hoffnung, die Leben schenken.

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19. September 2018

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