Hinweis

Diese Website verwendet Cookies
Ein Cookie ist eine kleine Textdatei, die dazu beiträgt, Ihren Besuch auf unserer Website zu verbessern. Mit dem Navigieren auf den Seiten dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu unseren Cookie-Richtlinien finden Sie in den Nutzungsbedingungen.

Der Stil der Seligpreisungen

· ​Messe in Santa Marta ·

Man kann sich für gute Katholiken halten, sich aber nicht wie gute Christen verhalten: bei der am 21. Januar in Santa Marta gefeierten Messe warnte Papst Franziskus vor dem »anklägerischen, weltlichen und egoistischen Stil«. Gleichzeitig verwies er auf den Stil der Seligpreisungen, um wirklich » mit dem Herzen das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser beten zu können.

»Dieser Abschnitt aus dem Evangelium beginnt mit einem Konflikt«, betonte der Papst in Bezug auf das Tagesevangelium nach Markus (2,18-22). »Die Jünger des Johannes und die Pharisäer«, so betonte er, »fasteten, die Apostel dagegen nicht«. Und »die Ersteren sind etwas empört: Warum fasten sie nicht?« Jesus beantworte diese Frage, indem er »etwas sagt, das ein bisschen verworren ist, eine neue Sache: da ist der Bräutigam, es gibt ein Fest, es gibt eine neue Freude, in diesem Augenblick sollen wir uns über diese Neuheit freuen, dann werden Tage kommen, an denen wir alle fasten müssen, wenn der Bräutigam weggenommen sein wird«. Aber sie »hatten nicht verstanden«.

In Wirklichkeit, erklärte der Papst, »verstehen auch wir nicht, was der Herr damit meint«. Das gehe so weit, sagte er zu den Anwesenden, dass »wenn ich jetzt die Frage stellte, viele von euch Schwierigkeiten damit hätten, sie zu beantworten«. Franziskus schlug vor, dass »das Schlüsselwort am Ende des Stücks lautet: ›Junger Wein gehört in neue Schläuche!‹« Im Wesentlichen sei für Jesus »nicht nur die Verkündigung des Evangeliums ein neuer Wein, nicht nur das, sondern es fordert auch von uns ein neues Verhalten, einen neuen Stil«.

In diesem Zusammenhang sei es ratsam, sich die Frage zu stellen: »Was ist der neue Stil, was ist der christliche Stil?« Darüber hinaus, so der Papst, »gab es zu Beginn der Zeit der Apostel eine Debatte: einige wollten, dass die Konvertiten zuerst die jüdischen Riten durchlaufen sollten und erst dann Christen würden«. Und »dagegen nein: ›Neuer Wein, neue Schläuche‹, das ist ist der christliche Stil«.

»Um zu verstehen, was der christliche Stil ist«, so fuhr der Papst fort, »ist es vielleicht besser, unsere Verhaltensweisen zu verstehen, die einen nicht-christlichen Stil haben, und dann werden wir es sehen können«. Wie Franziskus betonte, handle es sich außerdem um Verhaltensweisen, die »keineswegs nur wir an den Tag legen «, denn »es gab diese Verhaltensweisen bereits zur Zeit Jesu«. Und er fügte hinzu: »Ich will nur drei nennen: den anklägerischen Stil, den weltlichen Stil und den egoistischen Stil«.

»Der anklägerische Stil«, erklärte der Papst, »ist der Stil jener Gläubigen, die immer versuchen, die anderen anzuklagen, die ihr Leben damit zubringen, anzuklagen: ›Nein, aber dies, oder das, nein, das nicht, das ist nicht gerecht, das war ein guter Katholik‹, und immer qualifizieren sie die anderen ab«.

Das sei, »so würde ich sagen, ein Stil wieder von Leuten, die hätten Staatsanwälte werden sollen: sie versuchen immer, die anderen anzuklagen«, kommentierte der Papst. Aber auf diese Weise »merken sie nicht, dass dies der Stil des Teufels ist: in der Bibel wird der Teufel als der ›große Ankläger‹ bezeichnet, der immer die anderen anklagt. Und das ist eine Mode unter uns«. In Wirklichkeit »tadelt auch Jesus diejenigen, die anklagen: statt den Splitter in den Augen anderer zu sehen, schau auf den Balken in deinem, schau in dein Inneres. Auch du bist, oder weißt«. Dasselbe geschehe, als sie zum Herrn »jene Frau brachten, die beim Ehebruch ertappt worden war und die sie steinigen wollte: Ist es rechtens, dürfen wir das tun?« Und Jesus antworte: »Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie. Das Evangelium sagt, dass sie still fortgingen, ganz still, zuerst die Ältesten«.

»Wir«, so fuhr Franziskus fort, »haben mehr: Jesus tadelt diese Ankläger«, aber »es gibt viele Katholiken dieser Art: ›Ich bin katholisch‹ – ›Warum?‹ – ›Ich bete das Glaubensbekenntnis, ich glaube alles und ich bin katholisch.‹ Aber dir fehlt der christliche Stil, vielleicht hältst du dich für einen guten Katholiken, aber du bist ein schlechter Christ, denn: da ist nur der Wein und nicht die Schläuche, nicht der Stil«. Gewiss: »Zu leben, indem man die anderen anklagt, nach Fehlern sucht, ist nicht christlich«.

Sodann, so erklärte der Papst, gebe es »den weltlichen Stil: auch Jesus spricht davon und kritisiert den Geist der Welt heftig, den Stil der Welt, und er bittet auch beim Letzten Abendmahl den Vater für seine Jünger: nimm sie nicht von der Welt weg, sondern verteidige sie vor dem Geist der Welt«.

Franziskus rief in Erinnerung, dass »es weltliche Katholiken gibt, ja, ja, sie können das Glaubensbekenntnis aufsagen, doch der Stil ist der Stil der Welt, nicht der christliche Stil: Eitelkeit, Stolz, sie hängen am Geld, in der Meinung, sich selbst genügen zu können«. Vielleicht, unterstrich er, »meinst du, ein guter Katholik zu sein, weil du das Glaubensbekenntnis aufsagen kannst, aber du bist kein guter Christ, du bist weltlich: der Herr bot dir den neuen Wein an, aber du hast die Schläuche nicht gewechselt, du hast dich nicht geändert«.

»Die Weltlichkeit ruiniert so viele Menschen, so viele Menschen«, hob der Papst hervor. Auch »gute Leute, aber sie treten in diesen Geist der Eitelkeit, des Stolzes, des Sich-sehen-Lassens ein: da ist keine Demut, und die Demut ist Teil des christlichen Stils«. Aus diesem Grund »müssen wir sie von Jesus lernen, von der Muttergottes, vom heiligen Josef, sie waren demütig«.

»Schließlich gibt es noch einen dritten nichtchristlichen Stil, den wir auch in unseren Gemeinschaften sehen: den egoistischen Stil«, schloss Franziskus. Und »Johannes ist derjenige, der darauf hinweist: Wenn jemand sagt, dass er Gott liebt, jemand, der seinen Nächsten nicht sieht und nicht liebt, seinen Bruder, den er sieht, dann ist das ein Lügner«. Und »was er sagt ist klar und deutlich: Es ist der egoistische Geist, ich sehe auf mich, ich halte mich für einen guten Katholiken, ich tue die Dinge, aber ich mache mir keine Gedanken über die Probleme anderer; ich mache mir keine Gedanken über Kriege, Krankheiten, Menschen, die leiden, auch nicht über meinen Nächsten. Nein, nein, ich bin gleichgültig, das heißt der Geist der Gleichgültigkeit, und das ist kein christlicher Stil«.

»Vielleicht hältst du dich für einen guten Katholiken, aber du bist ein schlechter Christ«, sagte der Papst. Denn »man kann meinen, ein guter Katholik zu sein, und kein Christ sein: ja, Jesus sagte das den Gesetzeslehrern«. Und »die Heuchelei ist das, was uns hilft, was vielen Menschen hilft, auch uns bisweilen, zwar gute Katholiken zu sein, aber schlechte Christen: Heuchler, ›neuer Wein, neue Schläuche‹«.

»Doch manche meinen – auch wir tun das oftmals–, gute Katholiken zu sein, weil wir das Glaubensbekenntnis aufsagen können«, so der Papst erneut. Aber »was ist der christliche Stil? Der christliche Stil ist jener der Seligpreisungen: Sanftmut, Demut, Geduld im Leiden, Liebe zur Gerechtigkeit, die Fähigkeit, Verfolgungen zu ertragen, andere nicht zu richten«. Und das sei also »der christliche Geist, der christliche Stil: wenn du wissen willst, wie der christliche Stil ist, um nicht in diesen anklagenden Stil, den weltlichen Stil und den egoistischen Stil zu verfallen, dann lies die Seligpreisungen«. Das »ist unser Stil, die Seligpreisungen sind die neuen Schläuche, sie sind der Weg, um anzukommen: um ein guter Christ zu sein, muss man die Fähigkeit haben, das Glaubensbekenntnis mit dem Herzen zu beten, aber auch das Vaterunser mit dem Herzen zu beten«.

Druckausgabe

 

LIVE

St. Peter’s Square

10. Dezember 2019

VERWANDTE NACHRICHTEN