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Der Spuk der Heuchelei

· Messe in Santa Marta ·

Der »Spuk der Heuchelei« lässt uns vergessen, wie man einen Kranken, ein Kind oder einen alten Menschen streichelt. Und er hindert uns daran, dem Menschen in die Augen zu schauen, dem wir hastig ein Almosen geben, wobei wir unverzüglich wieder unsere Hand zurückziehen, um ja nicht schmutzig zu werden. Papst Franziskus mahnte während der Frühmesse, die er am Freitag, 7. März, in der Kapelle des Hauses Santa Marta feierte, dazu, sich nie des »Leibes eines Bruders zu schämen«.

Am Freitag nach Aschermittwoch, so erläuterte der Papst, biete die Kirche eine Meditation über die eigentliche Bedeutung des Fastens an. Und sie tue dies mit Hilfe zweier entscheidender Texte, die dem Buch des Propheten Jesaja (58,1-9a) und dem Markusevangelium (9,14-15) entnommen seien. »Hinter den heutigen Lesungen«, so erklärte der Papst sogleich, »steckt der Spuk der Heuchelei, der Förmlichkeit bei der Erfüllung der Gebote, in diesem Fall des Fastengebotes«. Also »kommt Jesus immer wieder auf das Thema der Heuchelei zurück, wenn er sieht, dass die Schriftgelehrten meinen, perfekt zu sein: Sie erfüllen alles, was in den Geboten steht, als handle es sich dabei um eine Formalität«.

Und hier, so warnte der Papst, bestehe »ein Erinnerungsproblem« im Hinblick auf »diese Doppelgesichtigkeit auf dem Gang durch den Weg des Lebens«. In der Tat »haben [die Heuchler] vergessen, dass sie von Gott als Teil eines Volkes erwählt wurden, nicht sie allein. Sie haben die Geschichte ihres Volkes vergessen, jene Heilsgeschichte, jene Geschichte des Bundes, der Verheißung«, die direkt vom Herrn stammt.

Und indem sie sich so verhalten, so fuhr er fort, »haben sie diese Geschichte zu einer bloßen Ethik herabgewürdigt. Für sie war das Glaubensleben eine Ethik«. Dadurch »wird verständlich, weshalb zur Zeit Jesu, wie die Theologen sagen, mehr oder weniger dreihundert Gebote« gehalten werden mussten. Aber »vom Herrn die Liebe eines Vaters zu erhalten, vom Herrn die Identität als Volk zu erhalten und diese dann in eine Ethik zu verwandeln« heiße, dass man »dieses Geschenk der Liebe ablehnt«. Im Übrigen, so präzisierte er, seien die Heuchler »gute Menschen, sie tun all das, was man tun muss, sie scheinen gut zu sein«. Aber »sie sind Ethiker, denen die Güte ermangelt, weil ihnen das Zugehörigkeitsgefühl zu ihrem Volk abhanden gekommen ist«.

»Der Herr«, so erläuterte der Papst, »schenkt das Heil in einem Volk, in der Zugehörigkeit zu einem Volk«. Und »so versteht man, was uns der Prophet Jesaja heute über das Fasten, über die Buße sagt: welche Art von Fasten will der Herr? Ein Fasten, das in Beziehung steht mit dem Volk, dem Volk, dem wir angehören: unser Volk, in das wir berufen wurden, in das wir aufgenommen worden sind«.

Papst Franziskus las erneut gerade diesen Text aus dem Buch Jesaja: »Nein, das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen, an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden du dich deinen Verwandten nicht zu entziehen«.

Das also sei der Sinn des wahren »Fastens, das sich«, so betonte der Bischof von Rom, »um den Leib des Bruders kümmert, das sich nicht des Leibs des Bruders schämt, wie Jesaja selbst sagt«. In der Tat »schreitet unsere Vervollkommnung, unsere Heiligkeit voran zusammen mit unserem Volk, in das wir auserwählt und aufgenommen wurden«. Und »unser größter Akt der Heiligkeit liegt gerade im Leib des Bruders und im Leib Jesu Christi«.

So betonte er, dass auch »der heutige Akt der Heiligkeit – wir hier am Altar – kein heuchlerisches Fasten ist. Er besteht darin, sich nicht des Leibs Christi zu schämen, der heute präsent ist: Er ist das Geheimnis des Leibes und des Blutes Christi. Er besteht darin, das Brot mit dem Hungrigen zu teilen, die Kranken, die alten Menschen zu pflegen, jene Menschen, die uns dafür nichts zurückgeben können: das heißt es, sich nicht des Leibes zu schämen«.

»Gottes Heil«, so betonte der Papst, »wohnt in einem Volk. Einem Volk, das vorwärtsgeht, einem Volk von Brüdern, die sich einer des anderen nicht schämen«. Aber gerade das, so mahnte er, »ist die schwierigste Form des Fastens: Das Fasten der Güte. Die Güte bringt uns dazu, das zu tun«. Und »vielleicht«, so erläuterte er, indem er das Evangelium zitierte, »hat der Priester, der an jenem Verwundeten vorbeikam, gedacht« - wobei er sich auf die Gebote jener Zeit bezog –: »Aber wenn ich dieses Blut berühre, diesen verwundeten Leib, dann werde ich unrein und kann den Sabbat nicht feiern! Und er schämte sich des Leibes jenes Mannes. Das ist Heuchelei!« Dagegen machte der Heilige Vater darauf aufmerksam, dass »jener Sünder vorbeikam und ihn sah: er sah den Leib seines Bruders, den Leib eines Mannes aus seinem Volke, einem Sohn Gottes, wie er selbst es war. Und er schämte sich nicht«.

»Der heutige Vorschlag der Kirche« empfehle daher eine regelrechte Gewissensprüfung, die mit Hilfe einer Reihe von Fragen vorgenommen werden solle, die der Papst den Anwesenden stellte: »Schäme ich mich des Leibes meines Bruders, oder meiner Schwester? Lasse ich, wenn ich Almosen gebe, das Geldstück fallen, ohne die Hand des Empfängers zu berühren? Und wenn ich sie zufällig doch berühre, tue ich dann sogleich das hier?«, fragte er, indem er die Geste dessen imitierte, der seine Hand säubert. Und weiter: »Schaue ich, wenn ich Almosen gebe, meinem Bruder, meiner Schwester in die Augen? Wenn ich weiß, dass jemand krank ist, gehe ich ihn dann besuchen? Grüße ich ihn liebevoll?«

Um diese Gewissensprüfung zu vervollständigen, so präzisierte der Papst, »gibt es ein Zeichen, das uns vielleicht helfen kann«. Es handle sich um »eine Frage: Bin ich dazu fähig, die Kranken, die Alten, die Kinder zu liebkosen? Oder habe ich denn Sinn für die Liebkosung verloren?« Die Heuchler, so fuhr er fort, seien nicht mehr dazu fähig, zu liebkosen, sie hätten vergessen, wie man es macht. Daher die Empfehlung, »sich nicht des Leibes unseres Bruders zu schämen: er ist unser Leib«. Und der Papst schloss, »wir werden beurteilt« gerade im Hinblick auf unser Verhalten »diesem Bruder, dieser Schwester« gegenüber und ganz gewiss nicht auf der Grundlage »eines heuchlerischen Fastens«.

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6. Dezember 2019

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