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Der Schatten des Vaters

· Messe in Santa Marta ·

An den heiligen Josef, so der Rat von Papst Franziskus – »den Schatten des Vaters«, der Gott geglaubt und ihm gehorcht hat, «ohne ein Wort zu sagen« und ohne sich vom »Klatsch« entmutigen zu lassen, und »sich der Vaterschaft und des Geheimnisses annahm« – soll man sich wenden, wenn »wir vieles nicht verstehen, viele Probleme, viele Ängste, viele Finsternisse haben«. Und er schlug dieses Gebet vor: Josef, »hilf uns du, der du weißt, was es heißt, im Finstern zu gehen, du, der du weißt, wie man die Stimme Gottes hört, du, der du weißt, wie man in Stille vorangeht«.

Gerade das große Zeugnis Josefs führte der Papst in all seiner Kraft und Aktualität bei der Messe in Santa Marta am Montag, den 18. Dezember, an. »Mit der Geburt Jesu Christi war es so«: Franziskus wiederholte den Anfang des Abschnitts aus dem Evangelium vom Tag nach Matthäus (1,18-24) und ging davon für seine Betrachtungen aus. »Als Maria aus Ain-Karim vom Haus Elisabets zurückkehrte, begannen die Zeichen der Mutterschaft sichtbar zu werden«, rief er in Erinnerung. Und »Josef merkte es, und er verstand nicht: denken wir an diesen Mann mit seinen Zweifeln, seinem Schmerz, er suchte nach Erklärungen, doch da er sie so sehr liebte und wusste, dass sie eine Frau Gottes war, fand er keinen Ausweg aus seinen Gedanken«. Eine Haltung, ließ der Papst bemerken, die gewiss »ganz anders als das war, was die Klatschbasen des Dorfes auf dem Markt machten«, die vielleicht kommentierten: »›Da schaut euch die da an, in welchem Zustand sie zurückgekehrt ist!‹«

Gerade auf den »Schmerz Josefs« konzentrierte der Papst seine Aufmerksamkeit. »In diesem Schmerz, Zweifel, Leiden«, so der Papst, »will Josef Maria doch nicht wegschicken, und er beschließt, sie in aller Stille zu verlassen«. Kurz, er entscheide sich also dazu, »sie nicht öffentlich anzuklagen, da er wusste. Er kannte sie: ›dieses Mädchen, ich kenne sie, ich liebe sie, sie ist rein, ich verstehe das nicht‹«.

Doch gerade »mitten in seinem Zweifel, mitten in seinem Schmerz griff der Herr in einem Traum ein«, fuhr Franziskus fort, der hervorhob, dass »ihm in jenem Traum erklärt wird, was geschehen ist. Und Josef gehorchte: er glaubte und gehorchte«. Die Worte des Engels des Herrn , wie sie Matthäus in seinem Evangelium wiedergibt, sind eindeutig: »Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist«.

Während Josef diese starke Erfahrung durchmachte, so machte der Papst präsent, »wurde auf dem Markt geklatscht: jener Klatsch, der dann weitergegangen ist, weiter und weiter bis hin zu jener Gotteslästerung, für mich die hässlichste, die stärkste gegen den Herrn, aus dem Mund der Pharisäer, die Johannes im 6. Kapitel wiedergibt«.

»Josef dagegen kämpfte in seinem Inneren«, erklärte Franziskus. Und »in diesem Kampf« sei da »die Stimme Gottes, die ihm sagt: ›Steh auf!‹« Und »›Steh auf‹ kehrt viele Male in der Bibel zu Beginn einer Sendung wieder«. Also sage die Stimme Gottes zu Josef: »Steh auf, nimm Maria bring sie zu dir nachhause. Nimm dich dieser Situation an, nimm diese Situation in die Hand und geh weiter«.

»Josef«, so der Papst, »ist nicht zu Freunden gegangen, um Trost zu suchen, er ist nicht zum Psychiater gegangen, damit ihm dieser den Traum interpretiere: nein, er glaubte«. Und «er ist weitergegangen, er hat die Situation in die Hand genommen«. Josef also »musste sich zweier Dinge annehmen, der Vaterschaft und des Geheimnisses«.

Vor allem, so erklärte der Papst, »musste Josef die Vaterschaft übernehmen«. Und »dieser Abschnitt aus dem Evangelium kommt sofort nach der Genealogie Jesu, mit der das Matthäusevangelium beginnt: sie beginnt mit dem Vater Abraham und endet beim Vater Josef«. Und »das ist ein Satz in der Genealogie, den Lukas schreibt: ›Jesus war, als er zum ersten Mal öffentlich auftrat, etwa dreißig Jahre alt. Er galt als Sohn Josefs‹«. Lukas sage also »nicht: er war der Sohn Josefs‹«; sondern er schreibe praktisch, dass alle gedacht hätten, »er sei der Sohn Josefs«. Das bedeute, erklärte der Papst, dass Josef »die Vaterschaft übernahm, die nicht seine war: sie kam vom Vater«. Und »er hat die Vaterschaft mit dem übernommen, was das bedeutet: nicht nur Maria und dem Kind beizustehen, sondern das Kind auch aufwachsen zu lassen, es den Beruf zu lehren, es zur Reife des Mannes zu führen«. Josef also »hat die Vaterschaft übernommen, ohne ein Wort zu verlieren, die nicht die seine ist, sie ist Gottes: im Evangelium gibt es kein Wort, das Josef gesagt hat, der Mann der Stille, des stillen Gehorsams«.

Das Zweite, dessen sich Josef angenommen habe, sei »das Geheimnis: er nimmt die Vaterschaft und das Geheimnis in die Hand«. Es ist dies »das Geheimnis, von dem wir in der ersten Lesung aus dem Buch Jeremia (23,5-8) gehört haben«. »Das große Geheimnis, das dort seinen Anfang nimmt«, erklärte Franziskus, »besteht darin, das Volk Gotte zurückzuführen«. In Wirklichkeit »war es nicht das Geheimnis des Auszugs aus der Knechtschaft Ägyptens: das war ein Zurückführen, das Geheimnis der Neu-Schöpfung, die, wie die Liturgie sagt, wunderbarer ist als die Schöpfung«. Und »Josef nimmt dieses Geheimnis in die Hand und hilft durch sein Schweigen, durch seine Arbeit bis zu dem Moment, da Gott ihn zu sich ruft«.

»Von diesem Mann, der sich der Vaterschaft und des Geheimnisses angenommen hat«, rief der Papst in Erinnerung, »wird gesagt, dass er der Schatten des Vaters war, der Schatten Gottes, des Vaters«. Und »wenn der Mensch Jesus gelernt hat, zu seinem Vater, den er als Gott kannte, ›Papa‹, ›Vater‹, zu sagen, dann hat er das vom Leben gelernt, vom Zeugnis Josefs: dem Mann, der behütet, dem Mann, der ihn aufzieht, der Mann, der jede Vaterschaft und jedes Geheimnis voranbringt, doch nichts für sich selbst nimmt, gar nichts«.

Josef »ist dort, er schweigt«, unterstrich Franziskus erneut. »Das«, so fügte er hinzu, »ist der große Josef, den Gott brauchte, um das Geheimnis der Rück-Führung des Volkes hin zur neuen Schöpfung voranzubringen«. Gerade sein »Beispiel«, so der Papst abschließend, »möge uns viele Dinge lehren, die wir in unseren Reflexionen aufgreifen können, vor allem aber schenke es uns den Mut, uns an ihn zu werden, wenn wir vieles nicht begreifen, wenn wir viele Probleme haben, viele Ängste, viele dunkle Augenblicke, und ihm einfach zu sagen: ›Hilf uns du, der du weißt, was es heißt, im Finstern zu gehen, du, der du weißt, wie man die Stimme Gottes hört, du, der du weißt, wie man schweigend weitergeht‹«.

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21. Juni 2018

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