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Der Nachname Gottes

· Messe des Papstes in Santa Marta ·

Der Mensch sei der Nachname Gottes: tatsächlich übernehme der Herr seinen Namen von jedem einzelnen von uns – seien wir nun Heilige oder Sünder –, um ihn als Nachnamen anzunehmen. Denn durch seine Menschwerdung habe der Herr mit der Menschheit Geschichte geschrieben: es sei ihm eine Freude gewesen, sein Leben mit uns zu teilen, »und das bringt uns zum Weinen: so viel Liebe, so viel Zärtlichkeit.«

Papst Franziskus kommentierte – in Gedanken beim unmittelbar bevorstehenden Weihnachtsfest – am Dienstag, 17. Dezember, die beiden Schriftlesungen zum Tage, die dem Buch Genesis (49,2.8-10) bzw. dem Matthäusevangelium (1,1-17) entnommen waren. Der Papst feierte am Tag seines 77. Geburtstages wie üblich die Morgenmesse in der Kapelle von Santa Marta. Unter den Konzelebranten war der Kardinaldekan, Angelo Sodano, der ihm die Glückwünsche des gesamten Kardinalskollegiums übermittelte.

In der Predigt, die sich mit der Gegenwart Gottes in der Menschheitsgeschichte befasste, ermittelte der Bischof von Rom zwei Schlüsselbegriffe – Erbschaft und Geschlechterkunde –, mit deren Hilfe er die erste Schriftlesung (über die Prophezeiung Jakobs, der seine Söhne um sich versammelt und Judas eine ruhmvolle Nachkommenschaft verheißt) bzw. die zweite, in der der Stammbaum Jesu behandelt wird, interpretiert. Vor allem mit dem letzteren befasste er sich ausführlich. Er betonte, dass es sich dabei um kein »Telefonbuch« handle, sondern um »ein über ein überaus wichtiges Thema: es ist reine Geschichte«, weil »Gott seinen Sohn« mitten unter die Menschen »geschickt hat«. Und er fügte hinzu: »Jesus ist wesensgleich mit dem Vater, Gott; aber er ist auch wesensgleich mit der Mutter, einer Frau. Und das ist diese Wesensgleichheit mit der Mutter: Gott ist Geschichte geworden, Gott wollte Geschichte werden. Er ist bei uns. Er ist mit uns einen Weg gegangen.«

Einen Weg, so fuhr der Bischof von Rom fort, der in weiter Ferne begonnen habe, im Paradies, unmittelbar nach dem Sündenfall. In der Tat habe der Herr von jenem Augenblick an »diese Idee gehabt: mit uns zu gehen.«. Denn »er hat Abraham, den ersten, der in dieser Liste, in diesem Verzeichnis, genannt wird, gerufen und hat ihn dazu aufgefordert, zu gehen. Und Abraham hat diesen Weg begonnen: er hat Isaak gezeugt, und Isaak Jakob, und Jakob Juda.« Und so weiter, immer weiter durch die Menschheitsgeschichte. Folglich »geht Gott mit seinem Volk«, weil »er uns nicht ohne die Geschichte retten wollte; er wollte mit uns zusammen Geschichte schreiben.«

Eine Geschichte, so bekräftigte der Papst, die aus Heiligkeit und Sünde bestehe, denn im Stammbaum Jesu fänden sich Heilige und Sünder. Unter den Ersteren erinnerte der Papst »an unseren Stammvater Abraham« und »an David, der sich nach seiner Sünde bekehrte«. Unter den Letzteren ermittelte er »hochrangige Sünder, die schwere Sünden begangen haben«, mit denen Gott aber gleichwohl »Geschichte gemacht« habe. Sünder, die dem Plan Gottes nicht gerecht zu werden wussten, den er für sie hatte: so etwa »Salomon, der so groß und weise« gewesen sei und »der als armer Kerl endete, der nicht einmal mehr wusste, wie er sich nannte.« Und doch war Gott bei ihm, konstatierte Papst Franziskus. »Und das ist das Schöne daran: Gott macht mit uns Geschichte. Mehr noch als das: wenn Gott ausdrücken will, wer er ist, dann sagt er: Ich bin der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.«

Deshalb ist es Papst Franziskus zufolge möglich, auf die Frage: »Wie lautet Gottes Nachname?« zu antworten: »Wir sind es, ein jeder von uns. Er nimmt unseren Namen, um ihn zu seinem Nachnamen zu machen.« Und in dem Beispiel, das der Papst anführte, sind nicht nur die Väter unseres Glaubens angeführt, sondern auch ganz gewöhnliche Leute. «Ich bin der Gott Abrahams, Isaaks, Jakobs, derjenige Pedros, Mariettas, Armonys, Marisas, Simons, der Gott aller Menschen. Er entlehnt seinen Nachnamen von uns. Der Nachname Gottes ist ein jeder von uns«, so führte er aus.

Darauf lasse sich auch die Feststellung zurückführen, dass Gott, indem er »unseren Namen als Nachnamen angenommen hat, mit uns Geschichte gemacht hat«; nein, mehr noch als das: »er hat sich die Geschichte von uns schreiben lassen.« Und auch heute noch schrieben wir »diese Geschichte«, die aus »Gnade und Sünde« bestehe, während der Herr es nicht müde werde, hinter uns zu gehen: »das ist die Demut Gottes, die Geduld Gottes, die Liebe Gottes.« Im übrigen »sagt auch das Buch Weisheit, dass die Freude Gottes bei den Söhnen des Menschen sei, bei uns.«

So komme es, dass es in Anbetracht »des Näherrückens von Weihnachten« ganz natürlich gewesen sei, dass Papst Franziskus (wie er selbst am Ende seiner Überlegungen zugab) gedacht habe: »Wenn Er seine Geschichte mit uns gemacht hat, wenn er seinen Nachnamen von uns übernommen hat, wenn er es zugelassen hat, dass wir seine Geschichte schreiben«, dann sollten wir unsererseits auch zulassen, dass Gott die unsere schreibe. Denn, so klärte er, »die Heiligkeit« bestehe gerade darin, »zuzulassen, dass der Herr unsere Geschichte schreibt.« Und das ist der Weihnachtsglückwunsch, den der Papst »uns allen« aussprechen wollte. Ein guter Wunsch, der in der Aufforderung besteht, unsere Herzen zu öffnen: »Mach, dass der Herr dir deine Geschichte schreibt und dass du zulässt, dass er sie schreibt.«

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7. Dezember 2019

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