Hinweis

Diese Website verwendet Cookies
Ein Cookie ist eine kleine Textdatei, die dazu beiträgt, Ihren Besuch auf unserer Website zu verbessern. Mit dem Navigieren auf den Seiten dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu unseren Cookie-Richtlinien finden Sie in den Nutzungsbedingungen.

Der Mut des Gebets

· ​Messe in Santa Marta ·

Um wirklich zu beten, braucht der Christ »Mut«, denn in der Kraft seines Glaubens muss er sogar soweit kommen, den Herrn herauszufordern und immer die Weise zu finden, die unvermeidlichen »Schwierigkeiten« zu überwinden, ohne zu zweifeln. Es ist eine richtiggehende Überprüfung des Gebetsstils eines jeden, zu der Papst Franziskus in der Messe am Freitag, 12. Januar, in Santa Marta geraten hat. Ausgangspunkt der Predigt war die Haltung des Aussätzigen und des Gelähmten, die Jesus um Heilung bitten, wie dies das Markusevangelium berichtet.

»Die heutige Liturgie lässt uns diesen Abschnitt aus dem Evangelium hören, der eine Heilung ist: Jesus heilt«, erklärte Franziskus sofort und bezog sch dabei auf den Abschnitt (2,1-12), in dem von der Heilung eines Gelähmten berichtet wird. Doch auch die Liturgie des Vortages hatte »eine andere Heilung« unterbreitet: jene des Aussätzigen, von der erneut Markus berichtet (1,40-45). Es seien dies zwei Heilungen, fügte er hinzu, »auf Bitten der kranken Person: beide haben den Herrn gebeten, sie zu heilen«.

»Dies lässt uns daran denken«, erklärte der Papst, »wie im Evangelium das Gebet geartet ist, das dazu dient, den Herrn um etwas zu bitten, wie diese Leute beten, denen es gelungen ist, das zu haben, worum sie bitten«. Im Evangelientext vom Donnerstag, 11. Januar, »war es ganz einfach: ein Aussätziger kommt zu Jesus, er schaut ihn an und sagt: ›wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde‹«. Also: er »fordert ihn heraus: wenn du willst, dann kannst du«. Und »die Antwort Jesu ist unmittelbar: ›Ich will es, werde rein‹«.

Also, so betonte Franziskus erneut, »lässt uns dieser Mann sehen, dass es, um den Herrn um etwas zu bitten, des Glaubens bedarf«. Und vor Jesus »hatte der Aussätzige Glauben, er war mutig, er fordert ihn heraus: wenn du willst, dann kannst du; wenn du mich nicht heilst, dann deshalb, weil du es nicht willst«. Er sagt »die Dinge klar, aber den Glauben hatte er, und das wahre Gebet entsteht aus diesem Glauben«.

»Doch da war ein weiterer Mann«, sagte der Papst und bezog sich dabei nach wie vor auf die Berichte aus dem Evangelium, »der Jesus bat, seinen vom Dämon besessenen Sohn zu heilen, und zu ihm sagt: ›wenn du kannst, dann mach etwas‹«. Angesichts dieser Worte antwortet Jesus: »Wenn ihr einen Glauben hättet, der so groß ist wie ein Senfkorn«. Jenem Mann, der zweifelte, erwiderte Jesus also, dass »dem alles möglich ist, der glaubt«. Doch »jener arme Mann, der voller Angst ist«, entgegnet: »Ich glaube, Herr, aber hilf meinem schwachen Glauben!«

Es bedürfe »immer des Glaubens am Anfang«, so Franziskus, »und dieser hatte wenig Glauben«, wie das Evangelium berichte. Dagegen »war der Aussätzige sicher, er forderte Jesus heraus«. Und auf diese Weise lehre er uns, »dass wir immer, wenn wir uns dem Herrn nähern, um ihn um etwas zu bitten, vom Glauben ausgehen und es im Glauben tun müssen: ich habe den Glauben, dass du mich heilen kannst, ich glaube, dass du das tun kannst«. Man muss »den Mut aufbringen, ihn herauszufordern, wie dieser Aussätzige von gestern, wie der Gelähmte von heute«.

»Das Gebet im Glauben« also. Und diesbezüglich forderte der Papst dazu auf, sich zu fragen: »Wie bete ich? Wenn ich etwas brauche, wie bitte ich darum? Bitte ich darum ausgehend vom Glauben oder bitte ich darum ein bisschen wie ein Papagei?« Wiederholt man einfach: »Herr, ich brauche das!«, oder »habe ich wirklich Interesse daran, das zu haben, worum ich bitte? Oder wenn es kommt, dann kommt es, andernfalls ist das schlecht: nein, das geht so nicht«.

Denn, so unterstrich Franziskus, »wenn ich um etwas bitte, dann geht das Gebet vom Glauben aus; und wenn ich nicht viel Glauben habe«, kann ich »wie jener Mann sprechen, der Vater des Kindes: ›ich glaube, Herr, aber hilf meinem geringen Glauben‹«. Deshalb müssten wir »so anfangen und mit jenem Glauben den Herrn herausfordern«.

Doch »viele Male«, gab Franziskus zu, »gibt es Schwierigkeiten und es ist nicht so wie im Fall des Aussätzigen: ›Ich will es, sei geheilt‹«. Dagegen »kommen sie, wie im heutigen Abschnitt aus dem Evangelium, mit dem Gelähmten, mit der Liege, und da war eine Menschenmenge im Haus, draußen, sie konnten nicht näherkommen«. Gewiss, »wenn das eine Person gewesen wäre, dann hätte sie sich hineindrängen und gehen können, aber sie waren zu viert mit der Liege: unmöglich«. Aber »diese da wollten, dass ihr Freund geheilt werde«.

Und »auch jener Gelähmte wollte geheilt werden«, fuhr der Papst fort, »und sie sind hinter das Haus gegangen, sie sind hinaufgestiegen, sie haben ein Loch gemacht und die Liege mit dem Gelähmten vor Jesus hinabgelassen: ein schönes Geschenk!« Und während Jesus »predigte, sieht er, wie dieser da herabgelassen wird, doch diese wollten, dass ihr Freund geheilt werde, sie wollten das: da war eine Schwierigkeit und sie wollten die Schwierigkeiten überwinden, die Art und Weise suchen, sich Jesus mit dem Glauben zu nähern, dass er heilen könne«. Und »sie haben den Mut gehabt, diese Weise zu suchen«.

»Im Evangelium gibt es viele Leute, die so sind«, rief der Papst in Erinnerung. »Denken wir«, sagte er, »an jene alte Frau, die seit achtzehn Jahren an Blutungen litt: und Jesus war weit weg, doch da war eine große Menschenmenge, und sie sagt: ›wenn es mir gelingt, den Saum seines Gewandes zu berühren, werde ich gerettet sein‹«. Es ist »der starke Glaube, sie hat sich durch die Leute gezwängt: weiter, weiter, weiter, und sie berührte ihn«. Und »Jesus merkt es und sie ist geheilt«. So bedürfe es also »des Mutes zum Kampf, um zum Herrn zu gelangen, des Mutes, um Glauben zu haben am Anfang: ›wenn du willst, kannst du mich heilen. Wenn du willst, glaube ich‹«. Und auch »Mut, um mich dem Herrn zu nähern, wenn da Schwierigkeiten sind«. Es bedarf »jenes Mutes: viele Male bedarf es der Geduld und des Verständnisses dafür, die Zeiten abzuwarten, aber: nicht aufgeben, immer weitergehen«. Es habe keinen Sinn, sich »mit Glauben« dem Herrn zu nähern und zu sagen: »wenn du willst, dann kannst du mir diese Gnade schenken«, und »dann aber, weil die Gnade nach drei Tagen noch nicht gekommen ist«, »um etwas anderes zu bitten und ich vergesse es«. Es bedarf des »Mutes«.

Auf dieser Linie, erklärte der Papst, seien auch »viele Heilige: denken wir an die heilige Monika, die viel gebetet, geweint hat für die Umkehr ihres Sohnes Augustinus« und »es ist ihr gelungen, sie zu erreichen«. Also: es brauche »Mut, um den Herrn herauszufordern, und Mut, sich ins Spiel zu bringen«. Man könnte sagen: und »wenn ich nicht geheilt werde, wenn die Gnade nicht kommt?« Vielleicht wäre es »besser, sich nicht so hart ins Spiel zu bringen«. Nein, erwiderte der Papst eindeutig: »im Gebet spielt man hart, und wenn sich Schwierigkeiten einstellen, dann müssen sie überwunden werden, wie diese da es getan haben«.

»Das christliche Gebet«, so unterstrich Franziskus erneut, »entsteht aus dem Glauben an Jesus und geht mit dem Glauben immer über die Schwierigkeiten hinaus«. Und »ein Satz wird uns helfen, es heute in unser Herz zu bringen, ein Satz unseres Vaters Abraham, dem das Erbe verheißen wurde, das heißt: im Alter von 100 Jahren einen Sohn zu haben«. Denn »der Apostel Paulus sagt: ›Er glaubte‹, und dadurch war er gerechtfertigt«. Er hatte »den Glauben« und »›er machte sich auf den Weg‹: Glauben und alles tun, um zu jener Gnade zu gelangen, um die ich bitte«.

Abschließend rief der Papst in Erinnerung: »Der Herr hat uns gesagt: ›Bittet, und euch wird gegeben werden‹. Wir wollen auch dieses Wort aufnehmen und Vertrauen haben, doch immer mit Glauben und indem wir uns ins Spiel bringen«. Gerade »das ist der Mut, der dem christlichen Gebet innewohnt: wenn ein Gebet nicht mutig ist, dann ist es nicht christlich«. 

Druckausgabe

 

LIVE

St. Peter’s Square

19. Oktober 2018

VERWANDTE NACHRICHTEN