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Klingendes Schweigen

· Heilige Messe in Santa Marta ·

Der Christ »steht aufrecht«, um Gott zu empfangen, in geduldigem »Schweigen« seine Stimme zu hören und dann hinauszugehen, um ihn den anderen zu verkünden mit dem Bewusstsein, dass der Glaube stets eine »Begegnung« ist. Das unterstrich Papst Franziskus in der Frühmesse am 10. Juni und erklärte, dass diese drei Haltungen all jene, die sich in schwierigen Augenblicken von der Angst erdrückt fühlen, ermutigt und ihrem Leben neuen Antrieb gibt.

»Wir wissen, dass der Glaube keine Theorie und auch keine Wissenschaft ist: Er ist eine Begegnung«, sagte Franziskus zu 

Beginn der Predigt. Der Glaube »ist eine Begegnung mit dem lebendigen Gott, mit dem lebenden Gott, mit dem Schöpfer, mit Jesus, dem Herrn, mit dem Heiligen Geist. Er ist Begegnung.« So sei in der ersten Lesung aus dem Buch der Könige (19,9.11-16) von »der Begegnung des Propheten Elija mit Gott« die Rede. »Elija hat eine lange Geschichte hinter sich, er ist ein Sieger: Er hat sehr viel gekämpft für den Glauben, weil das Volk Israel sich von der Treue losgesagt hatte.« Ja, »um ein Wort aus dem Evangelium zu gebrauchen, das auch Jesus zum Volk Israel sagt«, es sei »eine ›treulose und ehebrecherische Generation‹ geworden: Auf der einen Seite wollte es Gott anbeten und andererseits die Götzen.« Es gebe in diesem Zusammenhang auch »ein Wort, das der Prophet Elija zum Volk sagt: ›Wie lange noch schwankt ihr nach zwei Seiten?‹« Er benutze dabei wörtlich das Bild des »Humpelns mit beiden Füßen: weder entschieden in Bezug auf Gott sein noch in Bezug auf die Götzen, sondern ein Bein auf der einen und das andere Bein auf der anderen Seite haben, oder wie man in der Umgangssprache sage: ›Der steht sich gut mit Gott und mit dem Teufel.‹«

Franziskus unterstrich erneut: »Elija hat sehr gegen diese Situation des Volkes angekämpft und er hat gewonnen: Er hat einen harten Kampf gegen die vierhundert Propheten der Götzen gewonnen. Er hat sie auf dem Berg Karmel besiegt und hat mit der Kraft Gottes alle getötet: Er ist der Sieger.« Dann aber »ist Elija vom Berg herabgestiegen und hat erfahren, dass die Königin Isebel, eine grausame, skrupellose Frau, ihn deswegen töten wollte, da sie selbst die Götzen anbetete«. Da habe Elija »Angst bekommen«. Denn »er, der Sieger, der Große, hatte Angst vor jener Frau und ist weggegangen: er ist geflohen«. Eine Angst, wegen der es ihm so »schlecht ging«, dass er nach dem Warum fragte: »Ich habe so viel getan und zum Schluss ist es immer dasselbe: fliehen und mich gegen die Götzenanbeter wehren.« Und es scheine, als würde er sich »nicht mehr erholen, besser der Tod, und in eine tiefe Depression verfallen. Er liegt auf der Erde im Schatten eines Baumes und möchte sterben. Er fällt in jenen Schlaf vor dem Tod, jenen Schlaf der Depression.«

Aber da schicke »der Herr einen Engel, um ihn aufzuwecken: ›Steh auf! Nimm ein wenig Brot und Wasser!‹« Elija gehorche, aber »er schläft weiter«. Der Engel kehre ein zweites Mal zurück und fordere ihn erneut zum Aufstehen auf. Einmal aufgestanden, erklinge »das zweite Wort: ›Geh!‹« Franziskus kommentierte: »Um Gott zu begegnen, ist es notwendig zur Situation zurückzukehren, in der sich der Mensch im Augenblick der Schöpfung befand: aufrecht und auf dem Weg.« Denn »so hat uns Gott geschaffen: ihm ebenbürtig, nach seinem Bild und ihm ähnlich, und auf dem Weg«. Der Herr sage: »Geht, geht voran, bebaut die Erde, lasst sie wachsen und vermehrt euch!« Und er sage auch: »Steh auf, geh zum Berg und bleibe dort in meiner Gegenwart!« Da, so das Buch der Könige, »steht Elija auf. Und nachdem er aufgestanden ist, bricht er auf.«

Im Evangelium, insbesondere »im Gleichnis vom verlorenen Sohn«, sei dieselbe Situation zu finden, fügte der Papst hinzu. In gerade dieser Wirklichkeit fände sich der Sohn wieder, »als er niedergedrückt zusah, wie die Schweine aßen, und er selbst Hunger hatte«. In jenem Augenblick habe er »an seinen Vater gedacht und sich gesagt: ›Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen.‹« Auch hier tauchten »die beiden Worte ›aufbrechen‹ und ›hingehen‹ wieder auf«.

Elija sei also »auf den Berg gestiegen, um dem Herrn zu begegnen, und da ist der Herr vorübergezogen«. Und »wie zieht der Herr vorüber? Wie zieht der Herr vorüber? Wie kann ich dem Herrn begegnen, um sicher zu sein, dass er es ist?«, fragte Franziskus mit Blick auf die Stelle aus dem Alten Testament. »Zuerst gab es einen starken, heftigen Sturm, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach und dem Herrn vorausging. Doch der Herr war nicht im Sturm.« Aber »der Herr war nicht in jenem aufsehenerregenden Lärm, in jener Erhabenheit. Er war nicht dort.« Und dann »kam nach dem Sturm ein Erdbeben. Doch der Herr war nicht im Erdbeben. Nach dem Beben kam ein Feuer. Doch der Herr war nicht im Feuer.« Elija »schaute, wartete auf den Herrn: so viel Lärm, so viel Erhabenheit, so viel Bewegung, und der Herr war nicht darin«. Schließlich kam »nach dem Feuer ein sanftes, leises Säuseln, oder wie es im Original heißt: ›Hauch einer klingenden Stille‹. Darin war der Herr.«

»Um dem Herrn zu begegnen, muss man in sich gehen und jenen ›Hauch einer klingenden Stille‹ hören«, denn »der Herr spricht dort zu uns«. Und »was geschieht«?, fragte der Papst. Die Antwort liege in jenem »Geh!«, denn wie Elija übertrage der Herr auch uns »eine Sendung«: »Geh deinen Weg durch die Wüste zurück und habe keine Angst vor der Königin! Geh zurück zur Wüste. Du wirst diesen zum König salben und noch einen anderen sollst du zum König salben, und Elischa sollst du als dein Nachfolger zum Propheten salben.« Elija »hat eine Sendung zu erfüllen«.

Die Sendung des Elija weise auf »drei eindeutige Dinge« hin, »um hinzugehen und dem Herrn zu begegnen, aufrecht und aus uns selbst hinausgehend, auf dem Weg«, bemerkte Franziskus. Das erste sei ganz klar: »aufrecht stehen und auf dem Weg sein«. Der zweite Punkt sei, »den Mut zu haben, auf jenes Säuseln zu warten, jenen ›Hauch einer klingenden Stille‹, in welcher der Herr zum Herzen spricht und wir uns begegnen.« Das dritte sei die »Sendung«, die Aufforderung zurückzugehen, um »weiter« zu gehen.

Dies sei »die Botschaft, die uns dieser Abschnitt der Heiligen Schrift heute lehrt«: »Wir müssen stets den Herrn suchen. Wir alle wissen, wie diese schlimmen Augenblicke sind, Momente, die uns nach unten ziehen, dunkle Momente ohne Glauben, Momente, in denen wir den Horizont nicht sehen und wir nicht fähig sind aufzustehen. Das kennen wir alle.« Aber »der Herr kommt, er stärkt uns mit dem Brot und mit seiner Kraft und er sagt zu uns: ›Steh auf und geh voran, geh!‹« Der Papst fuhr fort: »Daher müssen wir, um dem Herrn zu begegnen, stets so sein: aufrecht und auf dem Weg.« Dann müssen »wir warten, dass er zu uns spricht: mit offenem Herzen«. Und »er wird zu uns sagen: ›Ich bin es.‹ Dann wird der Glaube stark.«

Aber dieser Glaube, so fragte Franziskus, »ist er für mich, damit ich ihn für mich behalte? Nein, er ist da, um hinzugehen und ihn an andere weiterzugeben, um andere zu salben, für die Mission«. Also: »Aufrecht und auf dem Weg; in der Stille, um dem Herrn zu begegnen; und in Mission, um diese Botschaft, dieses Leben zu den anderen zu bringen«. Gerade »dies ist das Leben des Christen, das wir hier sehen können, in diesem Abschnitt aus dem ersten Buch der Könige«.

Abschließend bat der Papst den Herrn, »dass er uns immer beistehen möge: Er ist immer da, um uns zu helfen und uns wieder aufzurichten, uns auf die Füße zu stellen.« Und auch wenn wir fielen, müsse man die Kraft haben, »aufzustehen«, um »auf dem Weg zu sein, nicht verschlossen, nicht im Egoismus unserer Bequemlichkeit eingeschlossen; geduldig sein, um auf seine Stimme und die Begegnung mit ihm zu warten; dann mutig sein in der Mission und den anderen die Botschaft des Herrn bringen.«

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13. Dezember 2019

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