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Der Gott der Überraschungen

· Heilige Messe in Santa Marta ·

»Ein Herz, das das Gesetz lieben soll, weil das Gesetz von Gott ist«, das »aber auch die Überraschungen Gottes lieben soll«, weil sein »heiliges Gesetz nicht Selbstzweck ist«: Das ist ein Weg, »eine Pädagogik, die uns zu Jesus Christus führt«. In der Frühmesse am 13. Oktober lud Papst Franziskus ein, den Herrn im Gebet um diese Gnade zu bitten.

Der Papst widmete in seiner Predigt die Aufmerksamkeit vor allem dem Abschnitt aus dem Lukasevangelium (11,29-32), in dem Jesus die Menge, die sich um ihn drängt, um ihm zuzuhören, als »böse Generation« bezeichnet, weil sie »ein Zeichen fordert«. Es sei offensichtlich, dass Jesus hier »zu den Schriftgelehrten spricht«, die im Evangelium mehrfach »ein Zeichen« von ihm forderten. Denn »die vielen Zeichen Jesu sahen sie nicht«, so der Papst. Aber gerade deswegen tadle sie Jesus bei verschiedenen Anlässen: »Ihr seid nicht in der Lage, die Zeichen der Zeit zu erkennen«, sagt er im Matthäusevangelium zu ihnen und benutzt dabei das Bild des Feigenbaums: »›Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, wisst ihr, dass der Sommer nahe ist‹, aber die Zeichen der Zeit versteht ihr nicht.«

Papst Franziskus forderte auf, darüber nachzudenken, warum die Schriftgelehrten die Zeichen der Zeit nicht verstanden und ein besonderes Zeichen forderten. Er führte mehrere Gründe an: zunächst, weil »sie verschlossen waren. Sie waren in ihrem System eingeschlossen, sie hatten sich das Gesetz sehr gut zurechtgelegt, ein Meisterwerk. Alle Juden wussten, was man tun darf und was nicht, bis zu welcher Grenze man lieben durfte. Es war alles geregelt.« Aber Jesus verwirrte sie, weil er so »seltsame Dinge« tat, wie »zu den Sündern zu gehen und mit den Zöllnern zu essen«. Und den Schriftgelehrten »gefiel das nicht. Es war gefährlich. Ihre Lehre war in Gefahr, die sie, die Theologen, durch Jahrhunderte hindurch aufgebaut hatten.«

Diesbezüglich stellte der Bischof von Rom fest, dass es sich um ein Gesetz gehandelt habe, das »aus Liebe gemacht worden war, um Gott treu zu bleiben«, das aber mittlerweile ein geschlossenes System von Normen geworden sei. Sie hätten ganz einfach »die Geschichte vergessen. Sie hatten vergessen, dass Gott zwar der Gott des Gesetzes ist«, aber auch »der Gott der Überraschungen. Und auch seinem Volk habe Gott sehr oft Überraschungen bereitet«. Es reiche aus, daran zu denken, wie er es im Roten Meer aus der Sklaverei in Ägypten befreit habe, sagte der Papst.

Trotzdem hätten sie nicht verstanden, »dass Gott immer neu ist. Er wird sich selbst niemals untreu. Er sagt niemals, dass das, was er gesagt hat, falsch war, niemals. Aber er überrascht immer. Und das verstanden sie nicht und verschlossen sich in jenem System, das mit viel gutem Willen geschaffen worden war.« Denn sie hätten Jesus darum gebeten, ihnen ein Zeichen zu geben, weil sie »die vielen Zeichen, die Jesus wirkte«, immer noch nicht verstanden hätten und einer Haltung totaler »Verschlossenheit« geblieben seien.

Ein zweiter Grund für dieses Unverständnis sei auf die Tatsache zurückzuführen, dass sie »vergessen hatten, dass sie ein Volk auf dem Weg waren. Und wenn jemand auf dem Weg ist, findet er immer Neues, Dinge, die man nicht kennt. Und diese Dinge hätten sie mit einem dem Herrn treuen Herzen in das Gesetz aufnehmen müssen.« Aber auch in diesem Fall »ist nicht der Weg an sich absolut, sondern es ist ein Weg, der zu einem bestimmten Punkt führt: zur endgültigen Offenbarung des Herrn«. Im übrigen sei »das ganze Leben ein Weg zur Fülle Jesu Christi, wenn er zum zweiten Mal kommt. Es ist ein Weg auf Jesus zu, der in Herrlichkeit wiederkommen wird, wie es die Engel und die Apostel am Tag der Himmelfahrt gesagt haben.«

Kurz gesagt, so unterstrich der Papst mit den Worten aus dem Evangelium: »Diese Generation fordert ein Zeichen; aber es wird ihr kein anderes gegeben werden als das Zeichen des Jona«, das heiße, so Franziskus: »das Zeichen der Auferstehung, der Herrlichkeit, jene Eschatologie, zu der wir unterwegs sind«. Aber viele Zeitgenossen Jesu seien »in sich selbst verschlossen gewesen und nicht offen für den Gott der Überraschungen«. Es seien Männer und Frauen gewesen, »die den Weg nicht kannten und noch nicht einmal jene Eschatologie. Und als der Hohepriester Jesus vor dem Hohen Rat fragte: ›Sag, bist du der Menschensohn?‹ und Jesus antwortete: ›Ja, und ihr werden den Menschensohn zur Rechten der Macht sitzen und mit den Wolken des Himmels kommen sehen‹, da zerrissen sie ihre Kleider und waren empört: ›Er hat Gott gelästert! Gotteslästerung!‹, riefen sie.« Das Zeichen Jesu sei für sie eine Gotteslästerung gewesen.

Aus diesem Grund, so erklärte der Papst, bezeichne Jesus sie als »böse Generation«, denn »sie hatten nicht verstanden, dass das Gesetz das sie bewahrten und liebten, eine auf Jesus Christus ausgerichtete Pädagogik war«. »Wenn das Gesetz nicht zu Jesus Christus führt, wenn es uns nicht näher zu Jesus Christus bringt, dann ist es tot.« Und deshalb wirft Jesus jener Generation vor, »verschlossen zu sein und unfähig, die Zeichen der Zeit zu erkennen, nicht für den Gott der Überraschungen offen zu sein, nicht auf dem Weg zu sein hin zum endgültigen Triumph des Herrn«. Und »als er dies darlegt, glauben sie, dass es eine Gotteslästerung ist«.

Daher forderte Papst Franziskus die Gläubigen abschließend auf, über dieses Thema nachzudenken und sich hinsichtlich dieser beiden Aspekte zu fragen: »Hänge ich an meinen Dingen, meinen Ideen, bin ich verschlossen? Oder bin ich offen für den Gott der Überraschungen?« Und weiter: »Bin ich ein Mensch, der stillsteht oder der auf dem Weg ist?« Und schließlich: »Glaube ich an Jesus Christus, an das, was er getan hat«, das heißt »dass er gestorben, auferstanden ist… Glaube ich, dass der Weg weitergeht zur Reife, zur Offenbarung der Herrlichkeit des Herrn hin? Bin ich in der Lage, die Zeichen der Zeit zu verstehen und der Stimme des Herrn treu zu sein, die sich in ihnen offenbart?«

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11. Dezember 2019

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