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Der Gott der Überraschungen

· Messe in Santa Marta ·

Unterscheidungsvermögen und Fügsamkeit: zwei Worte, die die richtige Einstellung beschreiben, mit der die Freiheit von Gottes Wort gelebt werden soll, wobei die alten Verhaltensraster und Gewohnheiten durch die Bereitschaft überwunden werden sollten, sich an ständige Überraschungen und Neuerungen anzupassen. So lautete die Reflexion, die Papst Franziskus während der Messe, die er Montag Vormittag, 20. Januar, in der Kapelle des Hauses Santa Marta vortrug.

Wie üblich konzentrierte der Papst seine Überlegungen auf die Schriftlesungen zum Tage – die Lesung aus dem 1. Buch Samuel (15, 16-23) und aus dem Markusevangelium (2, 18-22) –, die dabei helfen könnten, »über Gottes Wort nachzudenken« wie auch über »unsere Einstellung dem Wort Gottes gegenüber«. Und das Wort Gottes »ist lebendig und kraftvoll, es richtet über die Regungen und Gedanken des Herzens«, erläuterte der Papst, wobei er den Hebräerbrief (4,12f.) zitierte. In der Tat »kommt das Wort Gottes zu uns und dringt auch durch bis zur Scheidung von Seele und Geist«, kurz gesagt: es »unterscheidet«.

Und gerade diese beiden Lesungen, so sagte er, »sprechen von diesem Verhalten, das wir dem Wort Gottes gegenüber an den Tag legen sollen: der Fügsamkeit«. Es handle sich, so bekräftigte er, darum, »dem Wort Gottes gegenüber fügsam zu sein. Gottes Wort ist lebendig. Und deshalb kommt es und sagt, was es will: nicht das, was ich zu hören erwarte oder was ich hoffe, dass es sagen wird, oder was ich will, dass es sagt«. Das Wort Gottes »ist frei«. Und es sei »auch eine Überraschung, weil unser Gott der Gott der Überraschungen ist: er kommt und schafft alles stets neu. Er ist Neuheit. Das Evangelium ist Neuheit. Die Offenbarung ist Neuheit.«

»Unser Gott«, so fuhr der Papst fort, »ist ein Gott, der stets Neues schafft. Und von uns fordert er diese Fügsamkeit seiner Neuheit gegenüber.« Gerade in der behandelten Bibelstelle »drückt sich Jesus hierzu ganz klar aus, er ist ganz eindeutig: neuer Wein in neuen Schläuchen.« Deshalb »muss Gott mit dieser offenen Einstellung der Neuheit gegenüber empfangen werden.« Und diese Einstellung »heißt Fügsamkeit.«

Aus diesem Grund sollte man sich einige Fragen stellen: »Bin ich dem Wort Gottes gegenüber fügsam, oder tue ich immer das, was ich für das Wort Gottes halte? Oder lasse ich das Wort Gottes durch einen Destillierkolben laufen, und am Ende ist es dann etwas anderes als das, was Gott tun will?« Aber, so warnte der Papst, »wenn ich das tue, dann bin ich am Ende wie der neue Stoffflicken auf einem alten Gewand«, von dem das Evangelium spreche. »Und der Riss wird dann nur noch größer: wenn ich das tue, dann werde ich schlechter.«

»Sich ans Wort Gottes anpassen, um es aufnehmen zu können« erfordere allerdings »eine asketische Einstellung«, erläuterte der Papst und gab dafür ein ganz konkretes Beispiel: wenn der elektrische »Apparat, den ich habe, nicht funktioniert«, dann brauche ich »einen Adapter«. Dasselbe, so sagte er, müssten auch wir tun: »uns immer anpassen, uns an diese Neuigkeit von Gottes Wort anpassen«. Kurz, »offen sein für das Neue.«

Anschließend kehrte der Papst in seiner Reflexion wieder zu der Passage aus dem 1. Buch Samuel zurück. »Saul, der Auserwählte Gottes, der Gesalbte des Herrn, hatte vergessen«, so bemerkte er, »dass Gott Überraschung und Neuheit ist. Er hatte es vergessen. Er hatte sich in seinen Gedanken, in seinen Rastern verschlossen. Und deshalb stellte er seine Überlegungen auf menschliche Art an. Der Herr hatte zu ihm gesagt: weihe alle dem Untergang«. Aber »es war Sitte«, so erläuterte der Papst, »dass einer, wenn er eine Schlacht gewann, die Beute nahm« um sie aufzuteilen, »und mit einem Teil der Beute wurde Gott geopfert«. Folglich habe Saul einige schöne Tiere dem Herrn zugedacht: »er hat seine Überlegungen mit dem Verstand angestellt, mit dem Herzen, er war festgefahren in den Gewohnheiten. Und Gott, unser Gott, ist kein Gott der Gewohnheiten, er ist ein Gott der Überraschungen.«

Somit habe Saul »dem Wort Gottes nicht gehorcht, er war dem Wort Gottes gegenüber nicht fügsam«. In der Heiligen Schrift könne man lesen, dass Samuel »ihn dafür tadelte«, indem er sagte: »Hat der Herr an Brandopfern und Schlachtopfern das gleiche Gefallen / wie am Gehorsam gegenüber der Stimme des Herrn?« Also lässt Samuel »ihn spüren, dass er nicht gehorcht hat: Er war nicht der Diener, er war der Herr. Er hat sich des Wortes Gottes bemächtigt. Samuel sagt weiter: ›Wahrhaftig, Gehorsam ist besser als Opfer, Hinhören besser als das Fett von Widdern.‹«.

Und schließlich, so fuhr der Papst fort, »geht das Wort Gottes noch weiter, über Samuel. Die Auflehnung – der Ungehorsam Gottes Wort gegenüber – ›ist ebenso eine Sünde wie die Wahrsagerei‹, die Sünde der Zauberei. Und Trotz, das Gegenteil der Fügsamkeit – das zu tun, was du willst und nicht das, was Gott will – ist die Sünde des Götzendienstes.«

Samuels Worte »lassen uns darüber nachdenken, was die christliche Freiheit ist, was der christliche Gehorsam«, sagte der Papst weiter. »Die christliche Freiheit und der christliche Gehorsam sind Fügsamkeit dem Wort Gottes gegenüber; es bedeutet, jenen Mut aufzubringen, zu neuen Schläuchen für diesen neuen Wein zu werden, der unablässig kommt. Dieser Mut, stets zu unterscheiden, zu unterscheiden – und nicht zu relativieren! –, was der Heilige Geist in meinem Herzen tut, was der Heilige Geist in meinem Herzen will, wohin mich der Heilige Geist in meinem Herzen führt. Und gehorchen.« Und er schloss mit diesen beiden Schlüsselbegriffen seiner Reflexion: »unterscheiden und gehorchen«, und mit dem Gebet: »Lasst uns heute um die Gnade der Fügsamkeit dem Wort Gottes gegenüber bitten, dieses Wort, das lebendig ist und wirkungsvoll, das die Gefühle und die Gedanken des Herzens zu unterscheiden weiß.«

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26. April 2018

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