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Der Glaube ist keine Gewohnheitssache

· ​Messe in Santa Marta ·

Man kann nicht Christ »zur Hälfte« sein, Jesus hinter den Mauern der Kirche zurücklassen und unterlassen, den eigenen Glauben »in der Familie, bei der Erziehung der Kinder, in der Schule, im Stadtviertel« zu bezeugen. Vor dieser »Heuchelei der Gerechten« warnte Papst Franziskus bei der Messe in Santa Marta am Freitag, 5. Oktober.

Die Betrachtungen des Papstes gingen vom Abschnitt aus dem Evangelium nach Lukas (10,13-16) der heutigen Liturgie aus, in dem Jesus »drei Städte – Chorazin, Betsaida, Kafarnaum – getadelt habe, »da sie nicht auf sein Wort gehört hatten. Sie hatten ihn nur gehört, doch jenes Wort sei nicht in ihre Herzen gedrungen, da sie an die Zeichen, an die Wunder, die er getan hatte, nicht geglaubt hatten«. Die Mahnung des Herrn sei explizit: »Doch wenn ich in jenen heidnischen Städten Tyros und Sidon diese Wunder gewirkt hätte, dann hätten sie sicher geglaubt. Doch ihr nicht«.

Franziskus machte darauf aufmerksam, dass »es so scheint, als sei Jesus zornig«. Und er rief in Erinnerung, dass er sofort nach diesem Abschnitt in diesem Evangelium »von Umkehr spricht, dies mit der Verkündigung des Propheten Jona: ›Und ihr, kehrt ihr nicht um?‹« Es handle sich dabei, so unterstrich der Papst, um »einen starken Tadel, den Jesus an diese Städte richtet, an diese Völker, die ihn zwar bei sich haben und seine Wunder sehen, aber immer in der Logik des ›Ja, ja, aber… Man weiß nie‹ verharren und nicht den Schritt machten, ihn als Messias anzuerkennen«.

Hinter »diesem Tadel«, so stellte der Papst fest, »stecken Tränen«, denn Jesus »schmerzt es, abgewiesen zu werden, nicht aufgenommen zu werden«. Der Herr »hat diese Leute gern, doch es schmerzt ihn«. Also: »Hinter dem Tadel stecken die Tränen Jesu«, betonte Franziskus erneut, der in Erinnerung rief, dass der Herr geweint habe, als er »vom Berg aus in der Ferne Jerusalem sah«. Denn »Jesus wollte alle Herzen erreichen, mit einer Botschaft, die keine diktatorische Botschaft war, sondern eine Botschaft der Liebe. Und Jesus weinte, da diese Leute unfähig waren zu lieben«.

An diesem Punkt aktualisierte der Papst seine Betrachtung und schlug vor, »ein wenig die Protagonisten dieses Ereignisses« auszutauschen. An die Stelle von Chorazin, Betsaida, Kafarnaum – diesen Städten – »setzen wir uns, setzen wir mich: ich, der ich so viel vom Herrn empfangen habe, ein jeder von uns«. Daher die Aufforderung zu einer Gewissenserforschung: »Ein jeder denke an sein Leben. Daran, dass ich so viel vom Herrn empfangen habe. Ich wurde in einer christlichen Gesellschaft geboren, ich habe Jesus Christus gekannt, ich habe das Heil erkannt, ich wurde im Glauben erzogen. Und mit wie großer Leichtigkeit vergesse ich und lasse Jesus beiseite«. Eine Haltung, die im Widerspruch zu der Haltung »anderer Leute« stehe, »die sofort auf die Verkündigung Jesu hören, die umkehren und ihm nachfolgen«. Wir hingegen »sind daran ›gewöhnt‹«. Und »diese Gewohnheit tut uns nicht gut, weil wir das Evangelium auf etwas Soziales, etwas Soziologisches reduzieren und nicht auf eine persönliche Beziehung zu Jesus«.

Tatsächlich, so Franziskus weiter, »spricht Jesus zu mir, er spricht zu einem jeden von uns. Der Aufruf Jesu gilt einem jeden von uns«. So stelle sich die Frage: »Wie kommt es, dass jene Heiden zu ihm gehen, sobald sie die Verkündigung Jesu hören, und ich, der ich hier in einer christlichen Gesellschaft geboren wurde, mich daran gewöhne, und dass das Christentum dann wie eine gesellschaftliche Gewohnheit ist, wie ein Gewand, das ich anziehe und dann zurücklasse?« So komme es, dass »Jesus weint, über einen jeden von uns, wenn wir das Christentum nur formell, nicht aber wirklich leben«.

Auf diese Weise »sind wir ein wenig heuchlerisch«, so sagte der Papst mit Nachdruck. Dies sei »die Heuchelei der Gerechten«. Es gebe nämlich »die Heuchelei der Sünder, doch die Heuchelei der Gerechten besteht in der Angst vor der Liebe Jesu, in der Angst, sich lieben zu lassen«. Und »wenn wir das tun, dann versuchen wir in Wirklichkeit, die Beziehung mit Jesus selbst zu gestalten«. Es sei, als sagten wir: »Ja, ich gehe zur Messe, aber du bleibst dann in der Kirche und ich gehe nach Hause«. So »kehrt Jesus nicht mit uns nach Hause zurück: in die Familie, zur Erziehung der Kinder, in die Schule, in das Stadtviertel… Nein, Jesus bleibt dort. Oder er bleibt im Kruzifix oder in irgendeinem Bildchen, aber dort«.

Abschließend schlug der Papst den Gläubigen erneut »einen Tag der Gewissenserforschung« vor und empfahl ihnen als geistlichen »Kehrvers« die Worte, die der Herr an die Städte gerichtet habe, die seinen Lehren nicht gefolgt seien: »›Wehe dir, wehe dir‹, denn ich habe dir so viel gegeben, ich habe dir mich selbst gegeben, ich habe dich erwählt, Christ zu sein, und du ziehst ein Leben halb hier, halb da vor, ein oberflächliches Leben: Schon ein wenig Christentum und Weihwasser, aber nichts weiter«. In Wirklichkeit, so erläuterte er, sei es so: »Wenn man in dieser christlichen Heuchelei lebt, dann verjagen wir Jesus aus unserem Herzen. Wir tun so, als hätten wir ihn bei uns, aber wir haben ihn hinausgejagt. Wir sind Christen, stolz darauf, Christen zu sein, doch wir leben wie die Heiden«.

»Ein jeder von uns denke nach: ›Bin ich Chorazin, bin ich Betsaida? Bin ich Kafarnaum?‹« so mahnte Franziskus, verbunden mit der Aufforderung, »um die Gnade zu bitten, dass auch wir mit ihm weinen, wenn Jesus weint: ›Ach Herr, du hast mir so viel gegeben. Mein Herz ist so hart, dass es dich nicht eintreten lässt. Ich habe gesündigt, Herr, durch Undankbarkeit, ich bin ein Undankbarer‹«. So »soll das Gebet von heute sein. Und wir wollen die Herzen öffnen und den Heiligen Geist bitten, dass er die Türen des Herzens weit aufmache, damit Jesus eintreten kann, damit wir Jesus nicht nur vernehmen, sondern dass wir seine Botschaft des Heils hören und für die vielen guten Dinge danken, die er für einen jeden uns getan hat«.

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10. Dezember 2019

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