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Der Friede, der das Herz zum Lächeln bringt

· ​Messe in Santa Marta ·

Der Friede ist das »große Geschenk Jesu«, das »Abschiedsgeschenk« für die Jünger – »Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch« – und der kostbare Schatz, der einen Christen auszeichnet. Es ist der wahre Friede, nicht die banale Ruhe, sondern der »tiefe« Friede, der »das Herz zum Lächeln bringt«, auch »während aller Prüfungen, aller Schwierigkeiten, aller ›Drangsale‹«, denen man im Leben begegnet.

Ausgehend vom Evangelium des Tages (Joh 14,27-31) dachte Papst Franziskus am Morgen des 21. Mai in der Predigt bei der Messe in Santa Marta über das »große Geschenk Jesu an uns alle« nach, »über das Geschenk an die Jünger: in Frieden leben. In Frieden im Herzen, im Gewissen leben, in Frieden in der Familie leben, in Frieden in der Gemeinschaft leben, in Frieden leben«. Und er tat dies, indem er ihn sofort mit einer anderen Wirklichkeit in Verbindung brachte, die widersprüchlich zu sein scheint, nämlich der Wirklichkeit der Drangsale. Auch hier bildete der Wortgottesdienst mit dem Abschnitt aus der Apostelgeschichte (14,19-28) den Ausgangspunkt, ein Abschnitt, in dem von Paulus berichtet wird, der in Lystra gesteinigt und verfolgt wird und erklärt: »Durch viele Drangsale müssen wir in das Reich Gottes gelangen«.

Angesichts »so vieler Leiden« fragte sich der Papst: »Aber wo ist der Friede Jesu?« Und in diesem Sinne ergänzte er die Erinnerung an den Moment, in dem »Jesus, der Herr, dem Hananias das Geheimnis des Paulus offenbart« und »ihm sagt: ›Er wird viel für mich leiden müssen‹. Ich werde ihm diese Leiden zeigen«.

Hier also komme der Zweifel auf: »Aber der Friede Jesu und diese Drangsale, die der Weg zu sein scheinen, um in das Reich Gottes einzutreten: wie passen diese Dinge zusammen?« Und der Papst bemerkte, dass es sich nicht nur um eine gleichzeitige Gegebenheit handle, sondern dass es »auch mehr ist«. Tatsächlich »ist dieses Leben der Verfolgung, der Drangsale«, das »ein Leben ohne Friede zu sein scheint«, vielmehr »eine Seligkeit«. Jesus selbst sage dies und beende die Seligpreisungen mit diesen Worten: »Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt und alles Böse über euch redet um meinetwillen«. Deshalb, so die Erwägung des Papstes, »geht der Friede Jesu mit diesem Leben der Verfolgung, der Drangsale einher«. Aber welcher Friede?

Es handle sich um »einen Frieden, der weit unten ist, weit unten, sehr tief in all diesen Dingen. Ein Friede, den niemand wegnehmen kann, ein Friede, der ein Geschenk ist, wie das Meer, das in der Tiefe ruhig ist, und an der Oberfläche sind die Wellen«. Und »in Frieden mit Jesus zu leben bedeutet, diese Erfahrung in sich zu tragen, die während aller Prüfungen, aller Schwierigkeiten, aller ›Drangsale‹ erhalten bleibt«.

Aus dieser Perspektive, fügte der Papst hinzu, sei zu verstehen, dass die Heiligen »im Augenblick des Martyriums« den Frieden nicht verloren hätten: »Denkt an Felizitas, an Perpetua, diese Mädchen, die jung waren, Ines… Agnes… Die Zeugen sagen, dass sie wie eine ›zu einer Hochzeit Geladene‹ zum Märtyrertod gingen. Doch, sie litten…«. Oder der »alte Polykarp«, der auf dem Scheiterhaufen gesagt habe: »Nein, nein, nein… nagelt mich nicht fest: ich werde nicht weglaufen«.

Dieser Friede, »der Friede Jesu«, betonte der Papst, »ist ein Geschenk«, und »wir können ihn nicht mit menschlichen Mitteln erhalten, indem wir zum Arzt gehen, damit er uns den Frieden verschreibt, oder indem wir Angsthemmer einnehmen«. Er sei etwas ganz anderes: »Es ist der Heilige Geist in uns, und dieser Heilige Geist gibt uns die Kraft«.

Um diese Vorstellung besser verständlich zu machen, fügte Franziskus auch seine persönliche Erfahrung hinzu: «Letzte Woche hatte ich Gelegenheit, einen Kranken zu besuchen, einen Mann, der viel arbeitete, einen Mann, der gut arbeitete, das Leben lief gut für ihn, alles gut, und plötzlich brach innerhalb von drei Tagen eine schwere Krankheit aus, bei der wir nicht wissen, wie es ausgehen wird. Und er war in Frieden. Er vertraute mir an: ›Ich bin so, der Herr wird es wissen. Beten Sie für mich‹«. Und er kommentierte: »Das ist ein Christ«, ein Mann, dem »alle Pläne, alle Projekte« durch die Krankheit durchkreuzt würden, in dem aber » immer der Friede bleibt«.

Denn der Friede, der Friede Jesu, »lehrt uns, im Leben voranzugehen«. Und »er lehrt uns, zu ertragen«. An diesem Punkt ging der Papst auf die Bedeutung des Wortes »ertragen« ein: »ein Wort, von dem wir nicht so recht verstehen, was es bedeutet, ein sehr christliches Wort: es heißt, auf unseren Schultern zu tragen«. Oder »das Leben, die Schwierigkeiten, die Arbeit, alles auf den Schultern zu tragen, ohne den Frieden zu verlieren«. Mehr noch: »auf den Schultern zu tragen und den Mut zu haben, voranzugehen«. Doch das verstehe man nur, »wenn da im Innern der Heilige Geist ist, der uns den Frieden Jesu gibt«.

Es komme tatsächlich vor, dass die Menschen sich bei der heutigen Lebensweise häufig in einem Zustand der »brennenden Nervosität befinden, nervös sind: ›Was wird passieren, was soll ich tun, ich habe aber soviel zu tun…‹«. In bestimmten Fällen, sagte der Papst, könne man alles tun, Verpflichtungen eingehen, »doch ohne den Frieden zu verlieren«. Denn wenn all dies »mich den Frieden verlieren lässt, dann ist da etwas, das nicht funktioniert. Doch wenn du alles vermagst und nicht den Frieden verlierst, dann läuft alles gut«.

Man müsse daher den Herrn um »diese Gabe des Friedens« bitten. Er selbst, erklärte der Papst, habe ihn verheißen: »Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht, wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch«. Eine Verheißung, die das Wesen des Geschenkes selbst erkläre: »Die Welt schenkt einen anderen Frieden: Mach dir keine Sorgen, du hast Geld auf der Bank, dir fehlt nichts, du kannst weitermachen, mach dir keine Sorgen«. Der Friede Jesu hingegen gehe darüber hinaus, »er geht bis zu den Schwierigkeiten, den schlimmsten Schwierigkeiten« und »bleibt da. Es ist der Friede, der dir den Mut verleiht, weiterzugehen, der Friede, der dein Herz zum Lächeln bringt«.

Im Übrigen, so sagte der Papst in dem, was er selbst als eine kleine Ergänzung zur Betrachtung der heutigen Lesungen bezeichnete: »Die Person, die diesen Frieden lebt, verliert nie den Humor. Sie vermag über sich selbst zu lachen, über die anderen, sogar über ihren eigenen Schatten, über alles…«. Und er erneuerte das Gebet zum Herrn, dass er uns »diesen Frieden schenke, der vom Heiligen Geist kommt, diesen Frieden, der ihm zu eigen ist und der uns hilft, so viele Schwierigkeiten im Leben zu ertragen, hinaufzutragen«: den Frieden Jesu »im alltäglichen Leben«, »in den Drangsalen« und »mit jener Prise Humor, die es uns ermöglicht, gut zu atmen«.

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24. Juni 2019

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