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Der einzig wahre Weg

Vor allem Paul VI. ist im Hintergrund der Botschaft des Papstes zum 50. Weltfriedenstag präsent. Denn Montini war es, der vor einem halben Jahrhundert die Intuition für eine vollkommen neue Initiative in der Kirche hatte, ein Vorschlag, der »nicht allein von uns kommen soll«, so schrieb er im ersten Text, mit dem der Weltfriedenstag eingerichtet wurde und auf den sein Nachfolger Franziskus Bezug nimmt. Dabei suchte er »die Beteiligung aller, die den Frieden wahrhaft lieben, geradeso als käme dieser Vorschlag aus ihren Reihen«. Kurz gesagt, er wollte »ganz einfach, in der Absicht zu dienen und Beispiel zu geben, diese Idee vor Augen stellen«, ohne jegliches Streben nach Vereinnahmung oder Hegemonie.

Im Pontifikat von Papst Paul VI., der persönlicher Zeuge der beiden tragischen Kriege in Europa und der anschließenden Teilung des alten Kontinents war, gab es ein dringendes Bedürfnis nach Frieden, wie dies sofort in der großen Ansprache vor den Vereinten Nationen deutlich wurde. Genauso prangert Franziskus, der die beiden Weltkriege nicht persönlich erlebt hat, heute entschieden einen dritten Weltkrieg an, den er prägnant als »stückweisen« Weltkrieg bezeichnet. Die Aufzählung der neuen Botschaft (»Kriege in verschiedenen Ländern und Kontinenten; Terrorismus, Kriminalität und unvorhersehbare bewaffnete Übergriffe; Formen von Missbrauch, denen die Migranten und die Opfer des Menschenhandels ausgesetzt sind; Zerstörung der Umwelt«) bestätigt den globalen Blick des Papstes.

Ein Blick, der in tragischer Weise ebenso bestätigt wird von der unerbittlichen Abfolge schrecklicher Nachrichten über furchtbare sich wiederholende Anschläge, die Ströme von Blut vergießen: in der Türkei, in Ägypten, in Nigeria, in Somalia. Verbrechen, die durch ihre Grausamkeit erschüttern, die nicht einmal vor betenden Gläubigen – wie in der Kairoer Kirche bei der koptischen Kathedrale – Halt machen und so weit gehen, Kinder und Frauen als Werkzeuge des Todes zu missbrauchen, so in Nigeria und in der Region des Nahen Ostens, wo die Opfer des nunmehr seit fast sechs Jahren andauernden Krieges in die Hunderttausende gehen.

Angesichts dieses dramatischen Panoramas weist der Papst als Leitmotiv der Reflexion für den Weltfriedenstag auf die Gewaltfreiheit hin als »Stil einer Politik für den Frieden«. Ein Hinweis, der auf seine Vorgänger Bezug nimmt: Benedikt XVI. hob den Realismus der Entscheidung für die Gewaltfreiheit hervor, weil »es in der Welt zu viel Gewalt, zu viel Ungerechtigkeit gibt«, um dem noch weitere hinzuzufügen; angesichts der Revolution, die zum Niedergang der europäischen kommunistischen Regime führte, verwies Johannes Paul II. darauf, dass dies »durch einen gewaltlosen Kampf erreicht wurde«.

Dabei setzt Papst Franziskus Akzente, die er in vollkommener Übereinstimmung mit der Linie des Heiligen Stuhls besonders schätzt, darunter der Hinweis auf nicht-katholische Persönlichkeiten, die aufgrund ihrer Entscheidung für die Gewaltlosigkeit als Weg zum Frieden verehrt werden, von Gandhi über Abdul Ghaffar Khan bis hin zu Martin Luther King. Und besonders bezeichnend sind die Anerkennung und Ehrerweisung, die der Papst den Frauen vorbehält: unter ihnen Leymah Gbowee und Tausende liberianische Frauen neben einer Protagonistin des 20. Jahrhunderts, die Bergoglio im Jubiläumsjahr der Barmherzigkeit heiliggesprochen hat: Mutter Teresa.

Der Friede ist »der einzige und wahre Weg des menschlichen Fortschritts«, schrieb Montini, was heute sein Nachfolger aufgreift, der sieht, dass die Egoismen fortbestehen, Gewalt und Aufrüstung zunehmen. Dagegen ist nach Paul VI. eine »neue Erziehungsweise« notwendig«, die »im Ideenbereich der christlichen Religion gegeben ist«, und er wiederholt, dass man ohne falsche »Rhetorik« und unermüdlich »immer vom Frieden sprechen muss«.

g.m.v.

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16. Januar 2018

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