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Das wahre Fasten

· ​Messe in Santa Marta ·

Fastenzeit: die bevorzugte Zeit für Buße und Fasten. Doch welche Buße und welches Fasten will der Herr vom Menschen? Es besteht nämlich die Gefahr, eine tugendhafte Praxis zu »verfälschen«, »nicht kohärent« zu sein. Und dabei geht es nicht um »Entscheidungen, die die Ernährung betreffen«, sondern um Lebensstile, für die man die »Demut« und »Kohärenz« haben muss, seine Sünden anzuerkennen und zu korrigieren.

Soweit die Zusammenfassung der Betrachtungen, die der Papst zu Beginn der Fastenzeit Im Rahmen der Messe in Santa Marta am Freitagmorgen, 16. Februar, den Gläubigen unterbreitete.

Schlüsselwort der von der Liturgie des Tages angeregten Betrachtung war »Fasten«: »Fasten vor Gott, Fasten, das Anbetung ist, ernsthaftes Fasten«, denn »fasten ist eine der Aufgaben, die es in der Fastenzeit zu erfüllen gilt«. Dies jedoch nicht im Sinn dessen, der sage: »Ich esse nur die Speisen der Fastenzeit.« »Jene Speisen«, so der Kommentar des Papstes, »bilden ein Festmahl! Es geht nicht darum, die Speisen zu ändern oder den Fisch auf die eine oder andere Weise zu bereiten, schmackhafter«. Andernfalls tue man nichts anderes als »den Karneval fortzusetzen«.

Es sei das Wort Gottes, unterstrich er, das uns dazu mahne, dass »unser Fasten wahr ist. Wirklich wahr«. Und, so fügte er hinzu, »wenn du zu keinem völligen Fasten imstande bist, zu dem Fasten, das dich den Hunger bis auf die Knochen verspüren lässt«, dann halte wenigstens »ein demütiges, aber echtes Fasten«.

In der ersten Lesung (Jes 58,1-9) unterstreiche der Prophet diesbezüglich »die vielen Widersprüchlichkeiten in der Praxis der Tugend«. Und gerade »das ist eine der Widersprüchlichkeiten«. Das Verzeichnis des Jesaja sei detailliert: »Ihr sagt, dass ihr mich sucht. Zu mir sprecht. Doch das ist nicht wahr«, und »am Tag eures Fastens kümmert ihr euch um eure Geschäfte«, das heißt: Während »das Fasten ein wenig darin besteht, sich etwas zu entledigen«, kümmere man sich darum, »Geld zu machen«. Und weiter: »Ihr treibt alle eure Arbeiter an.« Das heißt, erklärte der Papst: Während man sage: »Herr, ich danke dir, weil ich fasten kann«, verachte man die Arbeiter, die darüber hinaus »fasten müssen, weil sie nichts zu essen haben«. Die Anklage des Propheten sei direkt: »Seht, ihr fastet und es gibt Streit und Zank und ihr schlagt zu mit roher Gewalt«.

Es sei dies eine unzulässige Doppelgesichtigkeit. Der Papst erklärte: »Wenn du Buße tun willst, dann tue es in Frieden. Doch du kannst nicht einerseits mit Gott sprechen und andererseits mit dem Teufel, beide zum Fasten einladen; das ist eine mangelnde Kohärenz«. Und immer den Hinweisen der Schrift folgend – »Fastet nicht, wie ihr es heute tut, so dass ihr dort oben euren Lärm hören lässt – warnte Franziskus vor dem unkohärenten Exhibitionismus. Es sie dies zum Beispiel die Haltung dessen, der immer in Erinnerung rufe: »Wir sind katholisch, wir praktizieren, ich gehöre zu jener Vereinigung, wir fasten immer, wir tun Buße.« Diese Menschen fragte er im Geist: »Aber: fastet ihr konsequent oder tut ihr unkohärent Buße, wie der Herr sagt, mit Lärm, damit sie alle sehen und sagen: ›Was ist das doch für ein guter Mensch, was ist das doch für ein guter Mann, was ist das doch für eine gute Frau‹?«. Das nämlich »ist ein Trick; das heißt es, die Tugend zu verfälschen, zu schminken. Das heißt es, das Gebot zu verfälschen«. Und dies sei eine »Versuchung«, die wir alle manchmal verspürt hätten, die Versuchung, »uns zu schminken statt mit der Tugend ernst zu machen, mit dem, was der Herr fordert«.

Im Gegensatz dazu rate der Herr »den Büßern, denen, die fasten, sich zu schminken, aber im Ernst: ›Fastet, aber schminkt euch, damit die Leute nicht sehen, dass du Buße tust. Lächle, sei zufrieden‹«. Angesichts der vielen, die »Hunger haben und nicht lächeln können«, laute der Ratschlag für den Gläubigen so: »Suche den Hunger, um den anderen zu helfen, doch immer mit einem Lächeln, denn du bis Kind Gottes und der Herr liebt dich sehr und er hat dir diese Dinge offenbart. Doch ohne Widersprüchlichkeiten«.

An diesem Punkt drang die Reflexion des Papstes in noch größere Tiefen vor, was durch die Frage angeregt wurde: »Welches Fasten will der Herr?«. Die Antwort gebe erneut die Schrift, wo vor allem zu lesen sei: »den Kopf hängen lassen wie eine Binse«. Also: sich erniedrigen. Und wer fragt: »Wie kann ich es anstellen, mich zu erniedrigen?«, dem antwortete der Papst: »Denk doch an deine Sünden. Jeder von uns hat viele.« Und »schäme dich«, denn auch wenn sie die Welt sie nicht kenne, kenne sie Gott gut. Das also »ist das Fasten, das der Herr will; die Wahrheit, die Kohärenz«.

Dann werde etwas hinzugefügt: »die Fesseln des Unrechts lösen« und »die Stricke des Jochs entfernen«. Die Gewissenserforschung konzentriere sich in diesem Fall auf die Beziehung mit den anderen. Um sich besser verständlich zu machen, führte der Papst ein sehr praktisches Beispiel an: »Ich denke an die vielen Hausangestellten, die ihr Brot mit ihrer Arbeit verdienen« und die oft »gedemütigt, verachtet« werden. An dieser Stelle setzte der Papst seine Betrachtung mit einer persönlichen Erinnerung fort: »Nie habe ich es auch nur einziges Mal vergessen, als ich als Kind in das Haus eines Freundes ging. Ich sah, wie die Mutter der Hausangestellten eine Ohrfeige gab. 81 Jahre… Das habe ich nicht vergessen.« So stellte Franziskus eine Reihe von Fragen, die er im Geist an jene richtete, die Hauspersonal haben: »Wie behandelst du sie? Wie Personen oder wie Sklaven? Zahlst du ihnen den gerechten Lohn, gibst du ihnen Urlaub, ist sie eine Person oder ein Tier, das dir im Haus hilft?«. An dieser Stelle fügte der Papst eine weitere persönliche Erfahrung hinzu und rief einen »sehr gebildeten« Herrn in Erinnerung, der jedoch »die Hausangestellten ausbeutete«. Und als er mit der Überlegung konfrontiert worden sei, dass es sich »um eine schwere Sünde« gegen Personen handle, die »Bild Gottes« seien, habe er erwidert: »Nein, Pater, wir müssen unterscheiden: das sind geringere Leute«.

Deshalb sei es notwendig, »die Stricke des Jochs zu entfernen, die Fesseln des Unrechts zu lösen, Unterdrückte freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen«. Und den Propheten kommentierend, der mahne: »dem Hungrigen dein Brot zu brechen, obdachlose Arme ins Haus aufzunehmen«, setzte der Papst dies in einen aktuellen Zusammenhang: »Heute diskutiert man darüber, ob wir denen, die kommen und darum bitten, ein Dach über dem Kopf geben sollen oder nicht…«

Und die Hinweise gingen weiter: »wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden«, aber »ohne dich deiner Verwandtschaft zu entziehen«. Das sei das wahre Fasten, das Fasten, das das Leben aller Tage umfasse. »Wir müssen Buße tun, wir müssen ein wenig Hunger spüren, wir müssen mehr beten«, sagte Franziskus; doch wenn »wir viel Buße tun« und nicht auf diese Weise das Fasten lebten, werde »der Trieb, der daraus wächst«, »der Hochmut« sein, jener Hochmut, der sage: »ich danke dir, Herr, dass ich wie ein Heiliger fasten kann«. Und das »ist eine hässliche Schminke« und nicht die, zu der Jesus selbst rate, »um die anderen nicht sehen zu lassen, dass ich faste« (vgl. Mt 6,16-18).

Die Frage, die man sich stellen müsse, laute, so der Papst abschließend: »Wie verhalte ich mich gegenüber den anderen? Kommt mein Fasten dazu, den anderen zu helfen?«. Denn wenn es nicht dazu komme, dann »ist« jenes Fasten »aus«, »dann ist es widersprüchlich und bringt dich auf den Weg eines Doppellebens«. Deshalb sei es notwendig, »demütig um die Gnade der Kohärenz zu bitten«.

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19. September 2018

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