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Das letzte Mittel

· Heilige Messe in Santa Marta ·

Vor dem Neid, einer Sünde die bis zur Tötung von Menschen gehen könne, warnte Franziskus in der heiligen Messe am 21. Januar, die er wie gewohnt in der Kapelle des Gästehauses Santa Marta feierte.

Die erste Lesung aus dem ersten Buch Samuel (18,6-9; 19,1-7) »berichtet, wie König Saul nach dem Sieg über die Philister in die Stadt einzieht«, so Papst Franziskus. Dieser »durch den Zweikampf zwischen David und Goliat« erlangte Sieg, sei »der Sieg des ganzen Volkes«. Und daher feiere »das Volk ein Fest: es war gleichsam ein rituelles Fest«. Die Bibel berichte, dass »nach dem Tod von König Saul im Kampf, das Heer nach Sonnenuntergang in aller Stille in die Stadt eingezogen ist: siegreich, aber es hat kein Fest gegeben, weil der König gestorben war«. Im vorliegenden Fall aber »gab es ein Fest, wie es der Tradition entsprach«.

Und so sei in der Heiligen Schrift zu lesen, dass ihnen »die Frauen aus allen Städten entgegenzogen«, singend und tanzend, um den Sieg zu feiern. Das sei auch ein »Ritual der Freude. Denken wir an König David, der vor der Bundeslade tanzt. Alle singen, begleitet von Handpauken, Freudenrufen und Zimbeln.«

Die Bibel füge auch hinzu, dass die Frauen beim Tanzen ein Lied anstimmten: »Saul hat Tausend erschlagen, David aber Zehntausend.« Das seien Worte gewesen, die man »in jenem Augenblick improvisiert hat, vielleicht weil es so zum Gesang passte«. Denn »der König war der Sieger. David hat den Philister getötet – das ist wahr! –, er war das Werkzeug, aber das Volk hatte dieses Bewusstsein, dass der König der Gesalbte des Herrn war.« So »sangen sie: Sie kannten jenen Vorfall mit David und nahmen ihn in das Lied auf.«

Aber »statt sich über das Fest zu freuen, war Saul verärgert«. Offensichtlich, »hatte das Herz von Saul etwas Verkehrtes«, erläuterte Franziskus, denn »er hat nachgerechnet: David haben sie Zehntausend gegeben und mir nur Tausend!« Nun, »es war nur ein Lied, aber er hat es übel genommen. Warum?«

Das Problem sei, dass es im Herzen von Saul »etwas gab, das zu seinem Ärger beitrug: er war neidisch«. Wegen des Liedes habe ihn »der Neid befallen«. Die Bibel sage, er sei »sehr zornig geworden«. So habe sein Herz »begonnen, in jene Richtung zu funktionieren«. Und es »endet noch schlimmer«, so dass er gedacht habe: David »fehlt nur noch die Königswürde«. Daher sei er »seit jenem Tag gegen David voll Argwohn« gewesen und habe sich beständig vorgestellt: »Dieser wird mich verraten!« Aus diesem Grund habe Saul »beschlossen, David zu töten«. Und »der Grund war nicht das Lied als solches. Der Grund war das an Eifersucht erkrankte Herz, das Saul zum Neid führte.«

»Wie hässlich ist doch der Neid!«, unterstrich Franziskus. Es handle sich um »eine schlimme Haltung, eine schlimme Sünde«: »Eifersucht oder Neid wächst im Herzen wie Unkraut: es wächst und erstickt die gute Saat.« So »verletzt Saul alles, was ihn in den Schatten zu stellen scheint: er hat keinen Frieden. Sein Herz wird gequält, es ist ein schlimmes Herz.« Und »das neiderfüllte Herz –wir haben es gehört – führt zum Töten, zum Tod«.

Im Übrigen sage die Heilige Schrift ganz klar: »Durch den Neid des Teufels kam der Tod in die Welt.« Nicht ohne Grund, so der Papst, »ist der Neid auch eines der Werke des Fleisches, die die Apostel in ihren Briefen aufzählen, wenn sie sagen: ›Die Werke des Heiligen Geistes sind die folgenden; die Werke des Fleisches sind…‹«

Erneut unterstrich Franziskus: »Neid tötet und er erträgt nicht, dass ein anderer etwas hat, was ich selbst nicht habe.« Er rufe stets Leid hervor, »denn das Herz des Eifersüchtigen oder des Neidischen leidet: es ist ein leidendes Herz«. Gerade »dieses Leiden führe ihn dazu, den anderen den Tod zu wünschen«.

»Wie oft tötet man in unseren Gemeinschaften aus Neid mit der Zunge – wir brauchen gar nicht weit zu gehen, um das zu sehen«, mahnte der Papst. So geschehe es, dass »einer einen anderen beneidet und das Gerede beginnt: das Gerede tötet«. Die Bibel erzähle weiter, dass König Saul auf den Rat seines Sohnes Jonatan hin beschlossen habe, David nicht zu töten. Später aber, »nachdem Zeit vergangen war, hat er in einem Anfall von Zorn versucht«, ihn wirklich zu töten, »während er Harfe spielte«. Kurz gesagt, der Neid »ist eine Krankheit, die kommt und geht«.

Der Papst fügte hinzu: »Beim Nachdenken über diesen Abschnitt der Heiligen Schrift, bin ich selbst – und sind wir alle – eingeladen zu prüfen, ob es in meinem Herzen etwas gibt, das der Eifersucht oder dem Neid zuzuschreiben ist, der immer zum Tod führt und mich daran hindert, glücklich zu sein.« Denn »diese Krankheit führt immer dazu, das Gute, das der andere hat, so zu sehen, als gehe das zu eigenen Lasten«. Und »das ist eine schlimme Sünde: es ist der Beginn von vielen, vielen Verbrechen«.

»Wir wollen den Herrn bitten, dass er uns die Gnade schenken möge, das Herz nicht der Eifersucht zu öffnen, das Herz nicht dem Neid zu öffnen, weil diese Dinge immer zum Tod führen.« Der Papst erinnerte in diesem Zusammenhang an die Haltung von Pilatus: Er sei ein »intelligenter Mann« gewesen, »und Markus sagt in seinem Evangelium, dass Pilatus gemerkt hat, dass die Anführer der Schriftgelehrten Jesus aus Neid ausgeliefert hatten«. »Nach der Interpretation von Pilatus, der sehr intelligent, aber ein Feigling war«, sei es der Neid gewesen, »der zum Tod Jesu geführt hat«. Der Neid war »das Werkzeug, das letzte Mittel: sie hatten ihn aus Neid ausgeliefert«.

Bevor Franziskus mit der Feier der heiligen Messe fortfuhr, bat er »den Herrn um die Gnade, niemals aus Neid einen Bruder, eine Schwester aus der Pfarrgemeinde, aus der Gemeinschaft oder auch aus der Nachbarschaft dem Tod auszuliefern: Jeder hat seine Sünden und jeder hat seine Tugenden. Das ist bei jedem so.« Abschließend mahnte der Papst, »auf das Gute zu blicken und nicht durch Klatsch und Gerede zu töten – aus Eifersucht oder Neid«.

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26. Februar 2020

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