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​Das junge Herz des Papstes

Endlich ist es so weit und die erste Begegnung mit den Jugendlichen kann stattfinden. Franziskus ist 82 Jahre alt, während die Jugendlichen vor ihm tanzen und singen. Er sitzt dort, in Gedanken versunken, scheint fast eingenickt zu sein. Aber wenn er an der Reihe ist, um zu sprechen, dann sieht man, wie er nach und nach eine Energie hervorholt, von der man nicht genau weiß, woher sie kommt, und die überfließt, wie es die vielen spontanen Hinzufügungen einer Ansprache zeigen, die eine dringende Aufforderung an alle anwesenden Jugendlichen – es sind wirklich sehr viele – ist, sich zu freuen, zu träumen und zu feiern.

Das sind die drei Schlüsselworte: Fest, Freude und Traum. Und dann ein Name: Maria, Leitmotiv für alle fünf Tage des Weltjugendtags in Panama.

Zu diesem Fest am Kreuzungspunkt zweier Kontinente und zweier Ozeane sind Tausende von jungen Menschen gekommen, die sich wie die Sterndeuter auf den Weg gemacht haben, gedrängt von der großen Freude, die Sterne zu sehen. Der Papst hat diesem Weg der Jugendlichen große Aufmerksamkeit gewidmet: »Ein Jünger ist nicht nur der, der etwas erreicht, sondern derjenige, der mit Entschiedenheit anpackt, der keine Angst hat, Risiken einzugehen und sich auf den Weg zu machen. Wenn einer sich auf den Weg macht, ist er schon ein Jünger. Wenn du sitzen bleibst, hast du verloren. Anfangen loszugehen, das ist die größte Freude des Jüngers, unterwegs sein. Ihr hattet keine Angst, Risiken einzugehen und euch auf den Weg zu machen.« Das Fest ist schön, wenn es der Logik eines Picknicks folgt: Jeder hat etwas mitgebracht, das heißt sich selbst (seine Ideen, seine Sprache, seine Kultur, seine Talente) und die Unterschiedlichkeit hat eine Bereicherung bewirkt. Der Papst hat dieses »Wunder« der Einheit in der Unterschiedlichkeit erklärt: »Kein Unterschied hat uns gestoppt. Und das ist möglich, weil wir wissen, dass es etwas gibt, das uns verbindet, dass es jemanden gibt, der uns zu Brüdern und Schwestern macht. Ihr, liebe Freunde, habt viele Opfer gebracht, um einanderbegegnen zu können und so werdet ihr wahre Meister und Gestalter der Kultur der Begegnung.« Unterschiedlichkeit behindert Begegnung nicht, sondern erleichtert sie vielmehr, sie bereichert sie, weil »die wahre Liebe legitime Unterschiede nicht auslöscht, sondern sie in einer höheren Einheit miteinander in Einklang bringt«, wie Benedikt XVI. 2006 gesagt hat.

Nach dem Applaus für den emeritierten Papst wies Franziskus darauf hin, dass der Gegner dieser Einheit der Teufel ist, der Meister der Spaltung, der »ein Volk fürchtet, das lernt zusammenzuarbeiten. Und das ist ein Kriterium, um die Menschen zu unterscheiden: diejenigen, die Brücken bauen, und diejenigen, die Mauern errichten. Diejenigen, die Mauern errichten, säen Angst und versuchen, die Menschen zu spalten und einzuschüchtern. Ihr aber wollt Brückenbauer sein.« Und zwei Worte tauchen wieder auf, die an diesem Jahresbeginn das Pontifikat Bergoglios kennzeichnen: Geschwisterlichkeit und Angst. Beide kämpfen um das Herz des Menschen, der wachsam sein muss, damit erstere über letztere siegt. Wir sind Geschwister, weil »es jemanden gibt, der uns zu Brüdern und Schwestern macht«. Aber das Problem ist, dass die Gesellschaft heute Gefahr läuft, vor allem für die jungen Menschen eine Situation der »Verwaisung« zu schaffen, wie Franziskus in der Ansprache an die Bischöfe gesagt hat, eine Situation als »Frucht einer Kultur und einer Gesellschaft, die ›aus dem Ruder gelaufen sind‹«. Es gibt eine Antwort auf diese Herausforderung, und sie heißt, einen Traum zu haben, einen großen Traum, der in der Lage ist, so unterschiedliche Menschen zueinander zu führen. Es ist der »Traum, für den Jesus am Kreuz sein Leben hingegeben hat […] Ein konkreter Traum, der ein Mensch ist, der durch unsere Adern fließt, das Herz bewegt und jedes Mal neu bewegt, wenn wir die Worte hören: ›Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid.‹«

Um diese Konkretheit zu unterstreichen, verwies der Papst erneut auf die Gestalt von Óscar Romero und zitierte eines seiner Worte: »Ein Heiliger von hier – hört zu – ein Heiliger dieser Erde sagte gerne: ›Das Christentum ist keine Ansammlung von Wahrheiten, die zu glauben sind, und von Geboten und Verboten, die zu beachten sind. Das Christentum ist so verstanden keineswegs attraktiv. Das Christentum ist eine Person, die mich so sehr geliebt hat und die meine Liebe ersehnt und verlangt. Das Christentum ist Christus.‹« Aber man kommt nicht zu Christus, wenn man nicht über Maria geht, ein junges Mädchen, das den Mut hatte, einen großen Traum zu leben, den Traum Gottes. Das Ja Marias, das jeder junge Mensch in seinem Alltag wiederholen kann, ist die Offenheit für eine größere Liebe, die uns vorausgeht und uns erwartet als Horizont der Fülle des Lebens. Und hier ließ der Papst einer poetischen Beschreibung dieser Liebe freien Lauf, die hin und wieder an das »Hohelied der Liebe« des heiligen Paulus erinnerte: »Schaut: Eine Liebe, die vereint, ist eine Liebe, die sich nicht aufdrängt und die nicht erdrückt, sie grenzt nicht aus, sie bringt nicht zum Schweigen und schweigt auch nicht, sie demütigt nicht und unterwirft nicht. Die Liebe des Herrn ist eine alltägliche Liebe, diskret und respektvoll, sie liebt die Freiheit und sie befreit, sie ist eine Liebe, die heilt und erhebt. Die Liebe des Herrn kennt sich eher mit dem Wiederaufstieg als mit dem Fall aus, mehr mit der Versöhnung als mit Verboten, mehr mit dem Gewähren neuer Möglichkeiten als mit der Verdammnis, mehr mit der Zukunft als mit der Vergangenheit. Es ist die stille Liebe einer dienend und hingebungsvoll ausgestreckten Hand. Es ist eine Liebe, die nicht prahlt, die sich nicht aufplustert, eine demütige Liebe, die sich den anderen schenkt, und zwar immer mit der ausgestreckten Hand.« Das ist der große und konkrete Traum, der die Jugendlichen aus der ganzen Welt vereint in diesem großen, von Freude erfüllten Fest: eröffnet mit den Worten, die aus dem »jungen Herzen« von Papst Franziskus strömten.

Andrea Monda

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6. Dezember 2019

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